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🚀 Serie · Kapitel 19 von 20

Nexus & Xenia – Kapitel 19: Die kleine Maschine fliegt zu den Sternen

Selbstvertrauen · Dankbarkeit · Beste Freundeab 7 7 Min.
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Drei Wochen nach der Ankunft der Heimat hatte sich die Siedlung eingeschwungen, und mit zehn neuen Erwachsenen ging plötzlich vieles auf einmal: Es gab jetzt eine richtige Schule mit zwei Räumen, eine Werkstatt, die den ganzen Tag lief, und abends im Gemeinschaftshaus ein Stimmengewirr, in dem man sich die Plätze suchen musste. „Früher war es ruhiger“, sagte Nexus einmal nachdenklich. „Früher waren wir zu sechst“, sagte Xenia. „Ruhig ist schön. Voll ist schöner.“

Das Schönste an den neuen Leuten war, dass jeder etwas mitbrachte, an das vorher niemand gedacht hatte. Einer von ihnen war Koch gewesen und buk am zweiten Tag Brot, das durch die ganze Kuppel duftete. Eine andere hatte eine Geige dabei, ein echtes Instrument aus Holz, von der Erde, und als sie abends zum ersten Mal spielte, kamen zweiundzwanzig Menschen zusammengelaufen. Und einer, der Lehrer war, richtete die zweite Schulklasse ein und stellte sich mit den Worten vor: „Ich weiß von diesem Planeten weniger als der jüngste Schüler hier. Fangen wir damit an.“ Von da an begann jede Schulstunde damit, dass ein Kind etwas erklärte.

In der Werkstatt stand inzwischen ein seltsames Bild nebeneinander: Machmaschine Nummer vier, groß wie ein kleines Haus, mit einem Tor, durch das man eine Hauswand herausfahren konnte. Daneben Nummer drei, zimmergroß. Daneben Nummer zwei. Und ganz am Rand, in der Ecke, wo sie seit einem Jahr stand: die kleine Nummer eins. So groß wie eine Waschmaschine. Mit ihrem runden Fenster und den vielen kleinen Lichtern. Die Maschine, die alles angefangen hatte.

Sie lief schon lange nicht mehr im Alltag – wozu auch, wenn die Großen ganze Wände bauten. Aber die Kinder gingen immer noch manchmal hin und klopften im Vorbeigehen kurz auf ihr Gehäuse, so wie man einem alten Hund über den Kopf streicht. „Sie ist unsere Machmaschine“, sagte Nexus. „Die anderen sind bloß Maschinen.“

Mitten in diese Wochen fiel Nexus’ achter Geburtstag. Er begann damit, dass zweiundzwanzig Menschen vor ihrer Tür standen und sangen, was deutlich lauter war als im Jahr davor, und endete mit Pfannkuchentorte für alle. Von Xenia bekam sie etwas, das sie heimlich mit Nummer drei gebaut hatte: ein kleines Metallschild für die Bank der Freundinnen, auf dem stand „Gebaut im ersten Jahr“. Und von Milo bekam sie eine Zeichnung: vier Kinder, ein Baby, ein Roboter, ein Hamsterelefant und – ganz klein am Rand – eine Waschmaschine mit Gesicht.

„Warum die Machmaschine?“, fragte Nexus. Milo zuckte mit den Schultern. „Weil sie immer dabei war.“ Nexus hängte das Bild über ihr Bett, und sie musste noch am selben Abend wieder daran denken – denn beim Essen erzählten die Erwachsenen von ihrem nächsten großen Schritt, und der hatte, wie sich herausstellte, genau mit dieser kleinen Maschine zu tun.

„Wir haben ein Problem, das eigentlich ein schönes Problem ist“, erklärte Xenias Mama. „Krümel hängt oben im Orbit und liefert uns Bausteine. Aber alles, was wir daraus bauen, bauen wir hier unten – und müssen es später mühsam wieder hochbringen, wenn wir dort oben je eine Station haben wollen. Das ist, als würde man das Dach im Keller zusammenschrauben.“ Sie lächelte. „Also bauen wir oben. Wir schicken eine Machmaschine in den Orbit.“

„Welche denn?“, fragte Juna. Und da schauten sich die Erwachsenen an, und Junas Papa sagte: „Die Frage haben wir uns auch gestellt. Nummer vier ist zu schwer, die kriegen wir nie hoch. Nummer drei brauchen wir hier. Nummer zwei auch.“ Er machte eine Pause. „Aber es gibt da eine, die klein genug ist, leicht genug, robust – und die ohnehin schon mal eine Reise durchs All überstanden hat.“ Nexus’ Mund klappte auf. „Nummer eins?“

„Nummer eins“, nickte er. „Sie ist genau richtig. Sie kann keine großen Stücke – aber im Orbit braucht es am Anfang gar keine großen Stücke. Sie kann Halterungen bauen. Streben. Verbindungsteile. Und aus Halterungen und Streben wird später ein Gerüst, und aus dem Gerüst wird der erste Himmelshafen. Sie fängt dort oben genau so an, wie sie hier unten angefangen hat.“ Xenia sagte langsam den Satz, den alle dachten: „Eine Maschine baut eine Maschine baut eine Maschine. Nur diesmal im Weltall.“

„Aber sie kommt doch nie wieder zurück“, sagte Milo plötzlich, und alle schauten ihn an. Es stimmte: Wer einmal oben war, blieb oben. Nummer eins würde nie wieder in ihrer Ecke der Werkstatt stehen. Einen Moment lang war es ziemlich still am Tisch. Dann sagte Xenias Papa: „Das ist wahr. Aber schau es dir mal von der anderen Seite an. Sie hat auf der Erde angefangen, ist durchs halbe Weltall geflogen, hat uns eine Kuppel gebaut und drei Maschinen geboren, die größer sind als sie. Und jetzt darf sie das Erste bauen, was Menschen je im Orbit dieser Welt errichtet haben.“ Er hob die Schultern. „Wenn ich eine Maschine wäre, würde ich mir kein anderes Leben wünschen.“ Milo dachte lange nach und nickte dann. Das leuchtete ihm ein.

Die Vorbereitung dauerte zwei Wochen. Die kleine Maschine wurde geprüft, geölt, neu abgedichtet und in einen Schutzrahmen gesetzt, den Nummer vier extra dafür gebaut hatte. Die Kinder durften helfen, und das Schrauben-Team arbeitete mit einer Sorgfalt, die selbst Bo lobte. Am letzten Abend polierte Milo das runde Fenster, bis es blitzte. „Damit sie was sieht“, sagte er.

Dann trug die Biene sie hinauf. Alle standen draußen im Gras und schauten zu, wie das kleine gelb-schwarze Sammelschiff mit seiner Fracht am Fliederhimmel immer kleiner wurde. In der Funkzentrale verfolgten sie stundenlang die Bilder: die Kuppel, die unter der Biene schrumpfte, die Krümmung von Hope, die sich zeigte, das tiefe Schwarz, das kam. Und schließlich Krümel, der knubbelige alte Himmelsstein, an dem die Trennmaschine geduldig knabberte.

Die Biene setzte Nummer eins in ihr neues Gerüst, schloss sie an die Kartuschenleitung an, und dann kam der Moment, für den die ganze Siedlung im Raum zusammengedrängt stand. Junas Papa schaltete den Strom frei. Auf dem Bildschirm, fünfhundert Kilometer über ihren Köpfen, im schwerelosen Nichts neben einem Asteroiden, begann hinter einem kleinen runden Fenster ein warmes goldenes Licht zu leuchten. Und die alte kleine Maschine fing an, ihr erstes Teil im Weltall zu weben.

Es war eine Halterung. Handtellergroß. Völlig unspektakulär. Und alle klatschten so laut, als hätte jemand ein Raumschiff gebaut. „Ich heule gleich wegen einer Waschmaschine“, sagte Xenias Mama und lachte. Bo trug ein: „Erste im Orbit von Hope gefertigte Komponente. Hersteller: Machmaschine Nummer eins, Baujahr Erde.“

Von da an gehörte zum Abendritual ein neuer Punkt. Krümel zog wie immer als flinker Lichtpunkt über den Nachthimmel – aber jetzt saß etwas auf ihm, das ihnen gehörte. Die Kinder standen am Kuppelfenster, winkten wie eh und je, und Milo rief neuerdings zweimal: „Gute Arbeit, Krümel!“ und „Gute Nacht, kleine Maschine!“ Bo rechnete jeden Abend die genaue Uhrzeit aus, auf die Sekunde. Und wenn es bewölkt war und man nichts sah, sagte Nexus einfach: „Sie ist trotzdem da oben und arbeitet.“ Das war ein guter Gedanke für einen bewölkten Abend.

Und dann, in derselben Nacht, kam das, womit niemand gerechnet hatte. Die Kameras oben liefen weiter, auch als Hope sich in den Schatten drehte und unter ihnen Nacht wurde. Nexus’ Papa saß allein in der Funkzentrale und schaute auf die dunkle Kugel – und rief dann so laut nach den anderen, dass halb Hope aus den Betten kam.

Auf dem Bildschirm lag Hope in der Nacht. Und über die dunkle Fläche zogen Linien. Ganz feine, glimmende Linien, tief und warm im Farbton, wie Adern unter einer Haut. Sie verliefen nicht gerade, sondern in großen Bögen, verzweigten sich, liefen wieder zusammen. Manche waren kurz, manche zogen sich über die halbe sichtbare Welt. Vom Boden aus hatte sie nie jemand gesehen – man musste weit genug weg sein, und es musste dunkel genug sein.

„Was ist das?“, flüsterte Juna. Ihre Eltern schwiegen. Nexus’ Mama, die auf alles eine Antwort hatte, sagte nach langer Zeit nur: „Ich weiß es nicht. Wasser vielleicht. Etwas Lebendiges. Etwas, das Wärme abgibt, tief unter der Oberfläche.“ Sie schüttelte den Kopf. „Wir haben ein Jahr lang auf dieser Welt gelebt und sie nicht einmal gesehen.“ Die Kinder standen in Schlafanzügen da und schauten auf ein Geheimnis, das größer war als alles, was sie kannten.

Juna taufte sie noch in derselben Nacht, weil sie es nicht aushielt, dass etwas so Großes namenlos war: Leuchtadern. Bo trug es ein und ergänzte, was er sonst nie schrieb: „Bedeutung: unbekannt.“ Dieses eine Wort, unbekannt, gefiel Nexus besser als jede Erklärung. Es hieß, dass es weiterging.

Im Bett fanden die Freundinnen lange keinen Schlaf. „Acht Jahre alt“, murmelte Nexus, „und ich habe heute eine Maschine ins Weltall geschickt und ein Geheimnis gesehen.“ – „Kein schlechter Geburtstagsmonat“, murmelte Xenia. Und hoch über ihnen, im schwarzen Nichts neben einem alten Asteroiden, webte eine kleine Maschine aus Erdenbau geduldig weiter an einem Gerüst, das eines Tages eine Straße zu den Sternen tragen sollte. Schlaf gut, Nexus. Schlaf gut, Xenia. Gute Nacht.

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