Hoch am Himmel schwebte eine kleine Wolke namens Trine. Trine trug viel Regen in sich, kühles, klares Wasser. Doch sie hatte Angst, es loszulassen. „Wenn ich regne, ist mein ganzes schönes Wasser weg“, dachte sie. „Dann bin ich nur noch eine leere, dünne Wolke. Nein, ich behalte meinen Regen lieber für mich.“
Und so hielt Trine ihren Regen ängstlich zurück und schwebte prall und schwer über das Land. Doch unter ihr wurde es immer trockener. Es hatte lange nicht geregnet. Die Felder wurden gelb, die Blumen ließen die Köpfe hängen, die Bäche versiegten, und die Tiere fanden kaum noch Wasser. Das ganze Land lechzte nach Regen.
Trine sah von oben, wie das Land verdorrte. „Die armen Pflanzen“, dachte sie betrübt. „Und die durstigen Tiere.“ Sie wusste, dass sie helfen könnte – sie trug ja so viel Wasser in sich. Doch die Angst, all ihren kostbaren Regen herzugeben, hielt sie zurück. „Was, wenn ich danach nichts mehr habe?“, sorgte sie sich.
Da hörte Trine das leise Wimmern eines kleinen Rehkitzes, das vergeblich nach Wasser suchte. Es war so durstig und schwach. Trines Herz wurde ganz schwer. „Ich kann nicht länger zusehen“, sagte sie sich. „Diese Tiere brauchen mein Wasser viel dringender, als ich es brauche. Ich muss meinen Regen verschenken.“
Trine holte tief Luft und ließ los. Sanft begann es zu regnen. Tropfen für Tropfen fiel ihr kühles Wasser auf das durstige Land herab. Und mit jedem Tropfen geschah etwas Wunderbares: Die Felder wurden wieder grün, die Blumen richteten sich auf, die Bäche füllten sich, und das kleine Rehkitz trank dankbar und erleichtert.
Trine regnete und regnete, und sie merkte: Es fühlte sich gar nicht schlimm an, ihr Wasser zu verschenken – im Gegenteil, es machte sie ganz leicht und glücklich. Unter ihr erwachte das ganze Land zu neuem Leben, und überall hörte sie freudiges Zwitschern und Plätschern. „Danke, liebe Wolke!“, riefen die Tiere hinauf.
Und das Beste war: Als Trine all ihren Regen verschenkt hatte, verschwand sie nicht. Die warme Sonne ließ neues Wasser aus den Bächen und Seen verdunsten und nach oben steigen – und schon bald füllte sich Trine wieder mit frischem, kühlem Regen. „Ich werde gar nicht leer“, staunte sie. „Wenn ich gebe, bekomme ich wieder zurück.“
Am Abend schwebte Trine zufrieden und leicht am Abendhimmel, der sich golden färbte. „Geben macht glücklich“, dachte sie dankbar, „und mein Wasser hat dem ganzen Land geholfen.“ Sanft vom Abendwind getragen, ließ sich die kleine Wolke treiben und schlief friedlich ein. Schlaf gut, kleine Trine.
