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🚀 Serie · Kapitel 8 von 15

Nexus & Xenia – Kapitel 8: Die neuen Siedler

Freundschaft · Gefühle (Wut/Angst)ab 7 7 Min.
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Die Wochen bis zur Ankunft der Zuversicht vergingen wie im Flug, denn unter der Kuppel gab es alle Hände voll zu tun. Machmaschine Nummer zwei baute von früh bis spät: Wände und Fensterrahmen für drei neue Häuser, Tische, Stühle, Betten – und das Schrauben-Team setzte zusammen, was das Zeug hielt. Nexus und Xenia waren in dieser Zeit merklich gewachsen; Xenia musste sich schon fast gar nicht mehr auf die Zehenspitzen stellen, um an das oberste Regal der Werkstatt zu kommen, worauf sie ziemlich stolz war.

Die schönste Arbeit aber war das Einrichten der Kinderzimmer. Aus dem Funkverkehr mit der Zuversicht wussten sie inzwischen einiges über die neuen Kinder: Juna war acht Jahre alt und wollte, wie sie durchs Funkgerät verkündet hatte, „alles wissen, und zwar wirklich alles“. Milo war fünf, eher leise, und besaß einen Stoffhund namens Keks, ohne den er nirgendwo hinging. Für Juna hängten die Mädchen eine große Sternkarte übers Bett. Für Milo bauten sie mit der Machmaschine ein winziges Extrabett, gerade groß genug für einen Stoffhund, mit einem Schildchen: KEKS.

„Woher wusstet ihr, dass Kuscheltiere ein eigenes Bett brauchen?“, fragte Nexus’ Mama, als sie es sah. Nexus und Xenia schauten sich nur an und grinsten. Manche Dinge wusste eben nur, wer selbst mit einem Stoffdrachen quer durchs Weltall geflogen war. Funke bekam übrigens am selben Tag noch ein zweites Bett, „als Ferienhaus“, wie Nexus erklärte, und niemand fand das übertrieben, nicht einmal Bo, der sonst bei allem nachrechnete, ob es nötig war.

Und dann kam der Morgen, an dem Bo alle mit seiner feierlichsten Stimme weckte: „Die Zuversicht ist in den Orbit von Hope eingeschwenkt. Landung heute Mittag. Ich wiederhole: Landung heute Mittag!“ Unter der Kuppel wurde gewuselt, gebacken und geschmückt. Die Mädchen liefen ihre Liste ein letztes Mal durch. Xenia klemmte sich ihr Notizbuch unter den Arm. Nexus übte flüsternd „Herzlich willkommen auf Hope“, bis es weder zu schnell noch zu langsam klang. Und dann zogen alle die Atemmasken auf und stellten sich draußen vor der Kuppel auf, dort, wo die Wiese weit und flach war.

Zuerst war die Zuversicht nur ein Funkeln hoch oben im Fliederhimmel. Dann wurde ein silberner Punkt daraus, dann ein Schiff mit breiten Flügeln, das eine sanfte Kurve über das Tal zog – einmal rund um die Kuppel, wie zum Gruß. Und schließlich setzte es drüben auf der Wiese auf, so weich und vorsichtig, wie sich eine Feder ins Gras legt. Einen Moment lang war alles still. Dann öffnete sich zischend die große Luke, die Rampe fuhr aus, und oben erschienen die ersten neuen Menschen von Hope.

Sie kamen langsam die Rampe herunter, staunend, wackelig, mit weit aufgerissenen Augen hinter den Atemmasken – drei Familien, die Erwachsenen vorneweg. Und dahinter, an der Hand ihrer Mutter, ein Mädchen mit dunklen Locken und ein kleiner Junge, der einen Stoffhund umklammerte. Als die Kinder das weiche Gras betraten, federte ihr erster Schritt so überraschend, dass Juna beinahe das Gleichgewicht verlor. „Vorsicht“, rief Nexus und hüpfte demonstrativ auf und ab, „Hope ist ein bisschen sprunghaft!“ Da lachte Juna zum ersten Mal auf der neuen Welt.

Die Begrüßung wurde warm und wuselig, mit Händeschütteln und Umarmungen, so gut das mit Masken eben ging. Und dann geschah etwas, womit Nexus nie im Leben gerechnet hätte. Juna blieb vor den Mädchen stehen, musterte sie und riss die Augen auf. „Moment. Seid ihr … seid ihr Nexus und Xenia? DIE Nexus und Xenia?“ Die beiden nickten verdutzt. „Wir haben auf der Reise eure Sternbilder gelernt!“, platzte Juna heraus. „Funkes Ei! Die Bohrmaschine! Die Schlafmützen! Die standen in unserem Bordschul-Buch!“ Nexus und Xenia schauten sich sprachlos an. Bo hatte sein Versprechen wahr gemacht – ihre Sternbilder waren tatsächlich Schulstoff geworden.

Milo dagegen sagte erst einmal gar nichts. Er stand halb hinter seiner Mama und drückte Keks an sich, und seine Augen waren groß und ein bisschen verloren. Nexus kannte diesen Blick. Genau so hatte sich ihr eigener Bauch angefühlt, damals, am ersten Abend im Raumschiff. Sie hockte sich hin, damit sie gleich groß waren. „Hallo Milo“, sagte sie leise. „Das ist Funke. Er ist auch mit einem Raumschiff hergeflogen, und am Anfang fand er alles komisch hier. Aber jetzt hat er zwei Betten.“ Milo äugte hinter Keks hervor. „Zwei?“ – „Zwei. Und für Keks steht auch schon eins bereit.“ Da kam Milo einen ganzen Schritt hinter seiner Mama hervor.

Die große Führung war ein voller Erfolg. Die neuen Familien staunten über die Kuppel, in der man ohne Maske atmen konnte, über die Häuser, das Gewächshaus und die Werkstatt, in der die zwei Machmaschinen im goldenen Licht summten. Die Erwachsenen der Zuversicht blieben besonders lange vor Nummer zwei stehen und nickten fachmännisch, denn sie hatten Wichtiges dabei: In den Frachträumen ihres Schiffes lagen frische Grundstoff-Kartuschen, Werkzeuge – und die schweren Spezialbauteile für Machmaschine Nummer drei, die man auf der Erde schon vorbereitet hatte. „Mit denen“, sagte Xenias Mama und rieb sich die Hände, „wird Nummer drei so groß wie ein ganzes Zimmer.“

Das Allerwichtigste an Bord der Zuversicht aber war klein und flink und hieß Biene: ein Sammelschiff, kaum größer als ein Auto, gelb-schwarz gestreift, mit Greifarmen und einem dicken runden Bauch. „Sie ist für später“, erklärte Junas Papa, der Pilot war. „Wenn hier unten alles bereit ist, fliegt die Biene hinauf und fängt uns kleine Asteroiden ein – Baumaterial aus dem Weltraum, damit wir Hope selbst nichts wegnehmen müssen.“ Xenia umrundete die Biene dreimal und beschloss auf der Stelle, später einmal Sammelschiff-Pilotin zu werden. Oder Konstrukteurin. Oder beides.

Am Nachmittag zeigten Nexus und Xenia den Kindern ihre Welt, genau nach Liste. Die Rutsche wurde sofort und gründlich eingeweiht – Juna fuhr elfmal hintereinander, Milo zuerst auf dem Schoß seiner Mama, dann mit Keks allein, und beim dritten Mal lachte er so laut, dass man es über den halben Garten hörte. Es war ein Lachen, das vorher noch niemand von ihm gehört hatte, und seine Mama musste sich kurz die Augen wischen, obwohl sie doch gar keine Maske mehr aufhatte, in der es hätte beschlagen können.

Dann kam der Abend, und mit ihm der Programmpunkt, auf den sich Nexus und Xenia am meisten gefreut hatten. Sie führten die neuen Familien hinaus auf die Wiese vor der Kuppel, alle mit Masken, und baten sie, einfach nur still zu sein und zu lauschen. Die goldene Sonne sank hinter die Perlmuttberge, der Himmel wurde pflaumenblau – und dann begannen die Steine zu singen, erst einer, dann viele, ihr warmes, glasklares Abendlied. Die Neuen standen wie verzaubert. „Was ist das?“, hauchte Juna. „Das ist Hope“, sagte Xenia leise. „Es sagt gute Nacht. Das macht es jeden Abend. Ab heute auch für euch.“

Milo war auf dem Arm seines Papas fast schon eingeschlafen, aber er streckte die Hand aus und flüsterte: „Nochmal.“ – „Morgen wieder“, versprach Nexus. „Jeden Abend. Hope vergisst das nie.“ Auf dem Rückweg zur Kuppel ging Juna zwischen Nexus und Xenia und stellte ungefähr vierzig Fragen – nach den Monden, nach der Funkelkammer, nach den Sternbildern und ob man die Bohrmaschine heute Nacht sehen könne. „Morgen zeigen wir dir alles“, versprach Xenia. „Wirklich alles?“ – „Wirklich alles. Wir haben ja jetzt Zeit. Du wohnst hier.“ Da machte Juna ein Gesicht, als hätte sie das erst in diesem Moment richtig verstanden: Sie wohnte hier. Für immer.

Spät am Abend, als in den drei neuen Häusern zum ersten Mal die Lichter brannten, saßen Nexus und Xenia noch einen Moment auf der Bank der Freundinnen und schauten in ihren Garten, der auf einmal so belebt war. „Weißt du noch, dein Wunsch?“, fragte Xenia. „Dass sich in der Kuppel jeder geborgen fühlen soll, der hier ankommt?“ Nexus nickte. Aus Milos neuem Zimmer schimmerte warmes Nachtlicht, und durchs offene Fenster von Junas Haus hörte man gedämpftes, glückliches Reden. „Ich glaube“, sagte Xenia, „der Wunsch arbeitet schon.“

In dieser Nacht schliefen zum ersten Mal vier Kinder unter der Kuppel von Hope. Juna träumte von Sternbildern, die ihre Namen trugen. Milo schlief mit Keks im Arm ein, und Keks lag halb in seinem eigenen kleinen Bett, was für die erste Nacht schon sehr gut war. Und Nexus und Xenia flüsterten noch ein letztes Mal durch ihre Klappe. „Jetzt sind wir die Großen“, murmelte Nexus. „Dann müssen wir morgen früh besonders gut ausgeschlafen sein“, murmelte Xenia zurück, und das war das Vernünftigste, was an diesem langen, wunderbaren Tag gesagt worden war.

Draußen sangen die Steine ihr Lied zu Ende, über der Kuppel zogen Brumm und Fips still ihre Bahn, und auf der Wiese ruhte die Zuversicht neben den Spuren im Gras, müde von der weiten Reise. Hope hatte an diesem Tag sechs neue Menschen dazubekommen – und war über Nacht ein ganzes Stück mehr Zuhause geworden. Schlaf gut, Nexus. Schlaf gut, Xenia. Und schlaft gut, Juna und Milo. Gute Nacht.