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🚀 Serie · Kapitel 4 von 5

Nexus & Xenia – Kapitel 4: Die erste Erkundung

Mut machen · Freundschaftab 7 7 Min.
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Ein paar Tage nach der Landung war es so weit: Die erste große Erkundungstour stand an. Die Eltern wollten die Gegend rund um das Tal genauer kennenlernen, denn bald sollte hier die große Kuppel gebaut werden, und dafür musste man wissen, wo der Boden fest war, wo Wasser floss und wo der Wind am sanftesten wehte. „Und wir?“, fragte Nexus beim Frühstück und hielt vor Spannung ihren Löffel in der Luft. „Ihr kommt natürlich mit“, sagte ihr Papa. „Forscherfamilien forschen zusammen.“

Bo half beim Packen und prüfte dreimal jedes Atemgerät. „Volle Lufttanks, geprüfte Masken, Notfallpiepser an Bord“, ratterte er zufrieden herunter. „Und denkt an Regel Nummer eins!“ – „Immer zu zweit bleiben!“, riefen Nexus und Xenia im Chor, denn Bo hatte die Regel ungefähr hundert Mal wiederholt. „Korrekt“, sagte Bo. „Regel Nummer zwei: Wenn das Atemgerät piept, sofort Bescheid sagen. Und Regel Nummer drei …“ – „Spaß haben!“, rief Xenia. Bo blinkte verwirrt. „Eigentlich lautete Regel drei ‚trockene Socken‘, aber ich speichere deine Version.“

Weil Bo mit seinen Rollen nicht über die Hügel klettern konnte, musste er bei der Morgenstern bleiben, und das fand er, wie er zugab, „zu 34 Prozent bedauerlich“. Doch die Mädchen hatten eine Idee: Xenia schraubte ihre kleine Helmkamera an Nexus’ Maske. „So kannst du alles mitgucken, Bo“, erklärte sie. „Du bist sozusagen dabei, nur eben hier.“ Bo blinkte gerührt in seinem wärmsten Orange. „Dann bin ich jetzt ein Ausflugsroboter mit Heimvorteil“, entschied er und winkte ihnen so lange nach, bis sie hinter dem ersten Hügel verschwunden waren.

So zogen sie los, die Mädchen vorneweg, hüpfend im federweichen Gras. Hope zeigte sich von seiner schönsten Seite. Der Fliederhimmel leuchtete, kleine goldene Wolken segelten dahin, und über den Hügeln flirrte die warme Luft. Sie folgten dem silbernen Fluss, der leise gluckerte und an dessen Ufer winzige Pflanzen wuchsen, deren Blätter aussahen wie Herzchen aus grünem Glas. Nexus’ Mama kniete sich hin und untersuchte sie ganz vorsichtig. „Sie drehen sich zur Sonne“, staunte sie. „Genau wie unsere Sonnenblumen zu Hause.“ Nexus strahlte: „Dann werden sich unsere Sonnenblumen hier bestimmt wohlfühlen!“

Hinter dem dritten Hügel entdeckte Xenia etwas Seltsames: Aus dem Boden ragten flache Steinplatten, eine neben der anderen, wie riesige Trittsteine, die sanft bergauf führten. „Das sieht ja aus wie eine Treppe!“, rief sie. Xenias Mama, die Konstrukteurin, klopfte vorsichtig dagegen und lachte. „Die hat der Wind gebaut, über viele tausend Jahre. Der beste Baumeister von allen.“ Xenia stieg ehrfürchtig Stufe um Stufe hinauf. „Wenn der Wind das kann“, sagte sie oben angekommen, „dann schaffen wir unsere Kuppel allemal.“

Ein Stück weiter machte der Fluss eine flache, glitzernde Stelle, an der runde Steine wie Trittsteine aus dem Wasser ragten. „Hier können wir hinüber“, sagte Papa, prüfte aber zuerst jeden einzelnen Stein mit seinem Stiefel, ob er auch fest saß. Dann gingen sie nacheinander hinüber, Schritt für Schritt, die Mädchen in der Mitte, und das silberne Wasser gluckerte fröhlich um die Steine herum, als würde es sie anfeuern. Auf der anderen Seite drehte Nexus sich um und verbeugte sich vor dem Fluss. „Danke fürs Rüberlassen“, sagte sie höflich. Man konnte ja nie wissen – auf einer neuen Welt ist gute Nachbarschaft mit allem und jedem bestimmt kein Fehler.

Mittags machten sie Rast auf einer Anhöhe, von der aus man das ganze Tal überblicken konnte. Die Morgenstern glänzte unten in der Sonne wie ein silberner Käfer. Es gab Brote und Erdbeeren aus dem Gewächshaus, die man durch eine kleine Essklappe an der Maske knabbern konnte – das war zuerst kompliziert und dann sehr lustig. „Seht mal“, sagte Nexus’ Papa und zeigte über das Tal. „Dort unten, wo der Fluss die Schleife macht – da bauen wir die Kuppel. Nah am Wasser, geschützt vom Hügel, mit Blick nach Süden.“ Alle schauten still auf den Fleck Land, auf dem bald ihr Zuhause stehen würde.

Xenia holte ihr kleines Notizbuch heraus, das sie von ihren Eltern zu Reisebeginn bekommen hatte, und begann zu zeichnen: den Fluss, den Hügel und mittendrin einen großen Kreis – die Kuppel. „Hier kommt der Garten hin“, murmelte sie und malte, „hier die Häuser, hier die Werkstatt …“ Nexus schaute ihr über die Schulter. „Und was ist das da?“, fragte sie und zeigte auf einen geschwungenen Strich am Rand. Xenia grinste. „Eine Rutsche. Vom Hügel bis zur Kuppeltür. Irgendjemand muss ja auch an das Wichtige denken.“ Die Erwachsenen lachten, aber Xenias Mama warf einen langen, ernsthaften Blick auf die Zeichnung und sagte dann: „Die Rutsche kommt auf die Liste.“

Nach der Rast durften die Mädchen den Hang entlang vorausgehen, immer in Sichtweite, immer zu zweit. Und genau dabei machten sie die Entdeckung des Tages. Zwischen zwei großen Felsen war ein Spalt, und aus dem Spalt schimmerte es geheimnisvoll. „Da drin glitzert was“, flüsterte Xenia. Vorsichtig lugten sie hinein. Dahinter öffnete sich eine kleine Höhle, und ihre Wände waren über und über mit Kristallen bewachsen – rosa, türkis und lavendelfarben, genau wie die singenden Steine. Das Licht von draußen brach sich darin und malte tanzende Farbtupfer an die Wände.

„Mama! Papa! Kommt schnell!“, riefen beide gleichzeitig. Die Eltern kamen angelaufen, und dann standen alle zusammen staunend in der funkelnden Höhle. „Das ist eine Kristallkammer“, sagte Nexus’ Papa leise und leuchtete behutsam mit seiner Lampe. „Und schaut – die Kristalle summen mit.“ Tatsächlich: Als draußen der Wind über den Felsspalt strich, begann die ganze Höhle ganz zart zu klingen, wie ein Windspiel aus Glas. „Das ist der schönste Ort, den ich je gesehen habe“, flüsterte Nexus. „Wir nennen ihn die Funkelkammer“, beschloss Xenia feierlich, und so wurde er auf allen Karten eingetragen.

Eine Weile blieben sie noch in der Funkelkammer sitzen, ganz still, und schauten den tanzenden Farbtupfern zu. Mama schlug vor, ein Spiel zu spielen: Jeder suchte sich einen Kristall aus und sagte, woran er ihn erinnerte. Papas Kristall sah aus wie ein Segelboot, Mamas wie eine Blüte kurz vorm Aufgehen. Xenias Kristall erinnerte sie an Opas Werkbanklampe, und Nexus fand einen, der genauso rundlich und freundlich glomm wie Bo. „Die Höhle bleibt genau so, wie sie ist“, beschloss Papa, als sie aufbrachen. „Wir nehmen nichts mit außer dem Staunen.“ Und davon nahmen sie reichlich.

Auf dem Rückweg passierte dann das, wovor Bo immer gewarnt hatte: Ein Atemgerät piepte. Es war das von Nexus. Piep. Piep. Piep – leise, aber deutlich. Nexus blieb stehen, und ihr Herz machte einen kleinen Hüpfer. Aber sie erinnerte sich genau an Regel Nummer zwei. „Mein Gerät piept!“, rief sie sofort, laut und klar. Und noch bevor der Ruf richtig verklungen war, stand Xenia schon neben ihr und hielt ihre Hand. „Ich bin da“, sagte sie ruhig. „Wir machen das zusammen.“

Die Eltern waren in wenigen Augenblicken bei ihnen, und Nexus’ Mama schaute auf die kleine Anzeige. „Alles ist gut, mein Schatz“, sagte sie sanft. „Das Piepen heißt nur: Der Lufttank möchte bald gewechselt werden. Genau dafür haben wir Ersatz dabei.“ Mit wenigen Handgriffen setzte Papa einen frischen Tank ein, das Piepen verstummte, und kühle, frische Luft strömte durch die Maske. „Siehst du“, sagte Mama und drückte Nexus fest an sich, „du hast alles genau richtig gemacht. Du hast sofort Bescheid gesagt. Das war das Allerwichtigste.“

„Ich hatte trotzdem ein bisschen Herzklopfen“, gestand Nexus, als sie weitergingen. „Das ist gut so“, sagte ihr Papa. „Herzklopfen bedeutet: Aufgepasst, jetzt bin ich mutig. Nur wer Herzklopfen kennt, kann tapfer sein. Und weißt du, was ich gesehen habe? Xenia war bei dir, noch bevor wir zwei Schritte machen konnten.“ Xenia wurde ein bisschen rot. „Regel Nummer eins“, murmelte sie. „Immer zu zweit.“ Nexus nahm ihre Hand. „Nein“, sagte sie. „Beste Freundinnen. Das ist noch besser als jede Regel.“

Als sie ins Tal zurückkamen, ging die goldene Sonne schon zur Neige, und die singenden Steine begannen ihr Abendlied. Bo rollte ihnen aufgeregt entgegen: „Berichte! Ich brauche Berichte!“ Und während der Fliederhimmel sich rosa färbte, erzählten die Mädchen ihm alles: von der Windtreppe, von den Glasherz-Pflanzen, von der Funkelkammer und vom Piepser und dem Herzklopfen und der Tapferkeit. Bo speicherte alles sorgfältig ab und erklärte dann feierlich: „Eintrag ins Logbuch: Die erste Erkundung von Hope war ein voller Erfolg. Besonders bewährt: Regel Nummer eins in ihrer verbesserten Fassung – beste Freundinnen.“

Nach dem Abendessen kuschelten sich Nexus und Xenia in ihre Kojen. Ihre Beine waren angenehm müde vom vielen Laufen und Hüpfen, so wie nach einem langen Sommertag. Draußen summten die Steine, und wenn man ganz genau hinhörte, konnte man sich vorstellen, dass die Funkelkammer hinter den Hügeln leise mitsang. „Morgen zeigen wir Bo die Höhle“, murmelte Xenia schläfrig. „Und übermorgen fangen wir an zu bauen“, murmelte Nexus. „Und danach … und danach …“ Aber was danach kam, hörte niemand mehr, denn ihre Augen waren schon zugefallen.

Über dem Tal stiegen Brumm und Fips in den violetten Nachthimmel, das Gras wiegte sich sanft, und in der Funkelkammer klangen die Kristalle noch ein letztes leises Lied. Hope hielt seine beiden jüngsten Bewohnerinnen geborgen im Arm. Schlaf gut, Nexus. Schlaf gut, Xenia. Gute Nacht.