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🚀 Serie · Kapitel 5 von 5

Nexus & Xenia – Kapitel 5: Eine Kuppel für Hope

Selbstvertrauen · Freundschaft · Dankbarkeitab 7 7 Min.
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Und dann begann die Zeit des großen Bauens. Jeden Morgen, wenn die goldene Sonne über die Perlmuttberge stieg, rollten die Baumaschinen aus dem Bauch der Morgenstern: fleißige Roboterkräne, summende Träger-Drohnen und ein Bagger, der so freundlich brummte, dass Nexus ihm den Namen Herr Schaufel gab. Unten an der Flussschleife, genau an der Stelle, die Papa ausgesucht hatte, entstand Stück für Stück das erste Zuhause der Menschen auf Hope: die große Kuppel.

Xenias Eltern, die Konstrukteure, leiteten den Bau. Auf ihren Bildschirmen leuchtete die Kuppel schon fertig – wie eine riesige, gläserne Seifenblase, die sich schützend über Häuser und Gärten wölbte. „Zuerst kommt das Fundament“, erklärte Xenias Mama, „das ist der feste Boden, auf dem alles steht. Dann die Rippen aus Stahl, die sind wie die Finger von zwei Händen, die sich über uns falten. Und zum Schluss die Glasfelder dazwischen, eines neben dem anderen, bis kein Loch mehr bleibt.“

Als der allererste Stahlträger aufgerichtet wurde, gab es eine kleine Feier. „Auf der Erde ist das ein alter Brauch“, erklärte Xenias Mama. „Beim ersten Träger wünscht sich jeder, der mitbaut, etwas für das fertige Haus.“ Nacheinander legten alle eine Hand an das kühle, glänzende Metall. Papa wünschte sich Sicherheit, Mama wünschte sich Gelächter in allen Räumen, Bo wünschte sich „mindestens eine Steckdose pro Zimmer“, was alle sehr vernünftig fanden. Nexus wünschte sich, dass sich in der Kuppel jeder geborgen fühlen möge, der jemals hier ankommen würde. Und Xenia streichelte den Träger und flüsterte nur: „Halt gut fest. Wie eine beste Freundin.“

Nexus und Xenia hatten ihre eigene, sehr wichtige Aufgabe: Sie waren das offizielle Schrauben-Team. Mit Xenias Werkzeugkiste, die von Opa stammte, liefen sie zwischen den Bautrupps hin und her, reichten Werkzeug an, hielten Messschnüre und durften unter Aufsicht sogar echte Schrauben festdrehen. Jede Schraube, die sie eindrehten, bekam von Nexus einen leisen Zauberspruch mit: „Halt gut fest, kleine Schraube, pass gut auf uns auf.“ Bo fuhr hinter ihnen her und zählte mit: „Schraube Nummer zweihundertvier. Nummer zweihundertfünf. Ihr seid ein sehr gründliches Team.“

Der Bau war nicht immer leicht. Einmal zog ein Sandwind über das Tal, und alle mussten zwei Tage im Schiff bleiben und zusehen, wie draußen der feine goldene Staub gegen die Fenster rieselte. Nexus wurde ungeduldig. „Warum dauert das alles so lange?“, seufzte sie. Da nahm Xenias Papa sie mit ans Fenster. „Siehst du die Rippen der Kuppel da draußen im Wind? Sie wackeln nicht. Kein bisschen. Weil wir uns bei jedem Schritt Zeit gelassen haben.“ Er lächelte. „Gute Dinge brauchen Geduld. Ein Haus, ein Garten, eine Freundschaft – alles, was lange halten soll, wächst langsam.“

Als der Wind vorbei war, glitzerte das ganze Tal wie mit Goldstaub bestreut, und der Bau ging weiter. Feld für Feld setzten die Drohnen die Glasscheiben ein. Die Kuppel wuchs in den Fliederhimmel, höher als der höchste Baum der Erde, und wenn die Sonne darauf schien, funkelte sie, als hätte jemand einen Stern gefangen und ihm ein Zuhause gebaut. Abends saßen die Familien oft einfach nur da und schauten sie an. „Unsere Seifenblase“, sagte Xenia zärtlich. „Die stabilste Seifenblase des Universums“, sagte ihr Papa stolz.

Dann kam der Tag der letzten Scheibe. Ganz oben, am höchsten Punkt der Kuppel, blieb bis zuletzt ein einziges Feld offen, wie ein Auge zum Himmel. Xenias Mama hob die Mädchen nacheinander auf die Hebebühne, und gemeinsam mit ihr durften sie zusehen, wie die Drohnen die allerletzte Scheibe sanft einsetzten. Sie passte genau. „Die Kuppel ist geschlossen“, meldete Bo feierlich, und über das ganze Tal hallte das Jubeln von sechs Menschen und einem Roboter – und wer genau hinhörte, konnte meinen, dass sogar die singenden Steine ein bisschen fröhlicher summten.

Nun begann die eigentliche Verwandlung. Die Maschinen der Eltern füllten die Kuppel Tag für Tag mit guter, atembarer Luft, genau wie auf der Erde. Sie prüften und maßen und prüften wieder. Und eines Nachmittags versammelte Nexus’ Mama alle in der kleinen Schleuse am Kuppeltor. Sie schaute auf ihr Messgerät, dann in die gespannten Gesichter. „Die Luft ist gut“, sagte sie, und ihre Augen glänzten. „Ihr dürft die Masken abnehmen.“

Nexus und Xenia sahen sich an. Ganz langsam, ganz vorsichtig lösten sie ihre Masken – und atmeten ein. Die Luft in der Kuppel war weich und frisch und roch ein kleines bisschen nach Regen und ein kleines bisschen nach Anfang. „Ich atme Hope“, flüsterte Nexus und breitete die Arme aus. Xenia sog die Luft tief ein und rief dann so laut sie konnte: „Hallooooo!“ – und zum ersten Mal antwortete ihr ein Echo von den hohen Glaswänden, das erste Echo eines Kinderrufs auf der ganzen weiten Welt von Hope.

Dann kam die schönste Aufgabe von allen: Zimmer aussuchen. Die kleinen Wohnhäuser in der Kuppel hatten runde Fenster und warme Holzwände, und Nexus und Xenia rannten durch alle Räume, bis sie zwei Zimmer fanden, die direkt Wand an Wand lagen. „Diese!“, riefen beide gleichzeitig. Nexus strich ihre Wände in Sonnenblumengelb, Xenia ihre in Flussblau, und wo die beiden Zimmer zusammenstießen, bauten Xenias Eltern auf besonderen Wunsch eine kleine Klappe ein, gerade groß genug für Gutenachtworte und notfalls einen Keks. Auch Bo bekam sein eigenes Reich: eine gemütliche Ladeecke beim Gemeinschaftsraum, mit Namensschild und – selbstverständlich – zwei Steckdosen.

In den Wochen danach wurde aus der leeren Kuppel ein Zuhause. Es entstanden warme kleine Wohnhäuser mit runden Fenstern, eine Werkstatt, ein Labor und mittendrin ein Garten. Und in diesem Garten, an der sonnigsten Stelle, gruben Nexus und Xenia eines Morgens kleine Löcher in die dunkle, gute Erde, die sie von der Erde mitgebracht und mit Hope-Boden gemischt hatten. Nexus öffnete Omas Säckchen. Die Sonnenblumenkerne kullerten in ihre Hand, und sie musste an Omas Worte denken: Der Himmel ist keine Grenze, er ist eine Brücke. „Jetzt seid ihr dran“, flüsterte sie den Kernen zu und legte sie behutsam in die Erde.

Und ob sie dran waren! Schon nach wenigen Tagen schoben sich die ersten grünen Spitzen aus dem Boden, und sie wuchsen schneller und kräftiger als jede Sonnenblume auf der Erde, als hätten sie die lange Reise nur gemacht, um hier endlich loszulegen. Jeden Morgen rannten die Mädchen als Erstes in den Garten und maßen nach. „Sie mögen Hope“, stellte Xenia zufrieden fest. „Natürlich“, sagte Nexus. „Ist ja auch die beste neue Welt, die es gibt.“

Aus den Resten des Baumaterials durften die Mädchen sich noch etwas Eigenes bauen. Sie berieten lange und entschieden sich dann für eine Bank – eine richtige kleine Bank aus hellem Holz, genau am Rand des Gartens, mit Blick auf die Sonnenblumen. Xenia sägte und schraubte, Nexus schliff und malte, und Bo reichte Werkzeug an und erinnerte ungefähr elfmal an trockene Socken. Als die Bank fertig war, ritzten sie mit Papas Hilfe drei Worte in die Lehne: BANK DER FREUNDINNEN. „Hier sitzen wir, wenn wir alt sind“, sagte Xenia zufrieden, „so mit zwanzig.“ Und dann saßen sie erst einmal probeweise darauf und baumelten mit den Beinen, während die Sonnenblumen ihnen beim Wachsen zusahen.

Eines Abends dann feierten sie das Kuppelfest: die erste Nacht, in der alle in ihren neuen Häusern schlafen würden, mitten in der Kuppel, ganz ohne Masken. Es gab Pfannkuchen mit Erdbeeren, Bo hatte Lichterketten gespannt, und Papa erzählte am Feuerkorb Geschichten von der Reise, die schon jetzt klangen wie Legenden. „Und das ist erst der Anfang“, sagte Xenias Mama und schaute durch das Kuppelglas hinauf zu den Sternen. „Bald starten auf der Erde die nächsten Schiffe. Es werden Nachbarn kommen, Freunde – und andere Kinder. Und irgendwann, wenn wir noch mehr Platz brauchen, bauen wir sogar eine richtige Stadt – tief unter der Erde, warm und sicher, mit Straßen und Plätzen und tausend Lichtern.“

„Eine Stadt unter der Erde“, wiederholte Nexus staunend, und in ihrem Kopf funkelte es schon vor lauter Bildern. „Aber das“, sagte Mama sanft und hob sie hoch, „ist eine Geschichte für einen anderen Abend. Heute wird erst einmal geschlafen. Baumeisterinnen brauchen ihren Schlaf.“ Die Mädchen wurden in ihre neuen Betten gebracht – richtige Betten, in richtigen Zimmern, mit runden Fenstern, durch die man die Sterne sehen konnte. Ihre Zimmer lagen Wand an Wand, und in der Wand war, auf besonderen Wunsch des Schrauben-Teams, eine kleine Klappe zum Gutenachtsagen.

Vorher aber, ganz zum Schluss des Festes, nahm Papa die Mädchen noch einmal mit vor die Kuppeltür, die Masken fest auf, nur für einen kleinen Moment. Er zeigte mit ruhiger Hand an den funkelnden Nachthimmel, an eine Stelle zwischen tausend Sternen. „Seht ihr den winzigen warmgelben Punkt? Das ist die Sonne der Erde. Von hier aus ist sie nur ein Stern unter Sternen.“ Die Mädchen schauten lange hin. Irgendwo dort, unvorstellbar weit weg und doch genau in Blickrichtung, blühte ein Apfelbaum, und eine Oma schaute vielleicht gerade herauf. „Gute Nacht, Oma“, flüsterte Nexus. „Der Himmel ist eine Brücke“, sagte Xenia leise. Und so war es.

„Xenia?“, flüsterte Nexus durch die Klappe. „Weißt du noch, das leere Blatt Papier?“ – „Mhm“, machte Xenia schläfrig. „Wir haben angefangen zu malen“, flüsterte Nexus. „Eine Kuppel. Ein Garten. Ein Zuhause.“ – „Und Sonnenblumen“, murmelte Xenia. „Und Sonnenblumen“, sagte Nexus zufrieden. Draußen vor den Fenstern sangen die Steine ihr Abendlied, Brumm und Fips zogen still über die glitzernde Kuppel, und in ihrem Garten reckten sich die kleinen Sonnenblumen schon im Schlaf der Sonne von morgen entgegen. Die beiden besten Freundinnen atmeten die weiche neue Luft ihrer neuen Heimat und schliefen tief und fest ein. Schlaf gut, Nexus. Schlaf gut, Xenia. Und gute Nacht, Hope – bis zum nächsten Abenteuer.