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🚀 Serie · Kapitel 2 von 5

Nexus & Xenia – Kapitel 2: Die lange Reise durchs Sternenmeer

Freundschaft · Gefühle (Wut/Angst) · Dankbarkeitab 7 7 Min.
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Viele Wochen war die Morgenstern nun schon unterwegs, und aus dem Raumschiff war für Nexus und Xenia ein richtiges Zuhause geworden. Jeder Tag hatte seinen eigenen Rhythmus, fast wie auf der Erde. Morgens weckte Bo die Mädchen mit leiser Musik und einem freundlichen „Guten Morgen, Sternenreisende!“, dann gab es Frühstück in der runden Küche, und danach begann die Bordschule. Aber es war die schönste Schule, die man sich vorstellen kann – denn das Klassenzimmerfenster zeigte hinaus ins echte, funkelnde Weltall.

Auch die gewöhnlichsten Dinge waren im Raumschiff ein kleines Abenteuer. Beim Zähneputzen musste man aufpassen, dass die Zahnpasta-Bläschen nicht davonschwebten, wenn man durch die Schwebekammer zur Waschkabine abkürzte. Beim Sport liefen alle auf einem Laufband mit dicken Gummibändern über den Schultern, damit die Muskeln kräftig blieben – „Erdbeine für Hope“, nannte Bo das Training. Und einmal in der Woche war großer Putztag, an dem die Mädchen mit kleinen Saugern Staubflusen jagten, die in der Luft trieben wie faule Schneeflocken. „Auf der Erde war Aufräumen langweilig“, stellte Nexus verblüfft fest. „Hier ist es ein Fangspiel.“

In der Bordschule lernten die Mädchen alles, was man auf einer neuen Welt brauchen würde. Nexus’ Mama zeigte ihnen, wie aus einem winzigen Samenkorn eine ganze Pflanze wird und warum Menschen Sauerstoff zum Atmen brauchen. Xenias Papa erklärte, wie man eine Kuppel baut, die stark genug ist, um eine ganze Stadt zu beschützen. „Und wer von euch beiden kann mir sagen, was das Wichtigste an jedem Bauwerk ist?“, fragte er gern. „Ein gutes Fundament!“, riefen die Mädchen dann im Chor, und er nickte zufrieden. „Genau. Bei Häusern ist es Beton. Bei Menschen ist es Freundschaft.“

Der lustigste Ort im ganzen Schiff war die Schwebekammer. Dort gab es keine künstliche Schwerkraft, und man flog einfach durch die Luft wie ein Fisch durchs Wasser. Nexus und Xenia durften jeden Tag eine halbe Stunde hinein. Sie machten Purzelbäume mitten in der Luft, spielten Fangen in Zeitlupe und ließen Wassertropfen wie kleine glitzernde Perlen um sich herumschweben. „Ich bin ein Weltraumdelfin!“, rief Nexus und drehte sich einmal um sich selbst. Xenia kicherte so sehr, dass sie rückwärts gegen die weiche Wand kullerte.

Abends spielten sie oft ihr Lieblingsspiel: Sternbilder erfinden. Auf der Erde hatten die Menschen den Sternen vor langer Zeit Namen gegeben – der Große Bär, der Schwan, der Jäger. „Aber hier draußen sehen die Sterne ja ganz anders aus“, sagte Xenia. „Also brauchen sie neue Bilder.“ Sie legten sich vor das Sternenfenster und suchten. Nexus fand einen Kreis aus sieben Sternen, der aussah wie ein Drachenei, und nannte ihn Funkes Ei. Xenia entdeckte eine Zickzackreihe, die genau wie eine Bohrmaschine aussah, jedenfalls wenn man Xenia war. Und einen kleinen Haufen ganz schwacher Sternchen tauften sie die Schlafmützen, weil sie so aussahen, als wären sie zu müde zum Funkeln. Bo speicherte jedes neue Sternbild in seiner Kartei. „Eines Tages“, versprach er, „lernen die Kinder auf Hope eure Sternbilder in der Schule.“

Nach dem Mittagessen halfen die Mädchen im Gewächshaus. Das war ihre liebste Aufgabe. Die Erdbeeren mussten gegossen, die Salatblätter gezählt und die Tomaten sanft gedreht werden, damit jede Seite Licht bekam. In einer Ecke stand ein kleiner Topf mit einem Schildchen, auf das Nexus in ihrer schönsten Schrift geschrieben hatte: „Für Hope – noch warten wir.“ Darin lagen Omas Sonnenblumenkerne und schliefen. „Die pflanzen wir erst ein, wenn wir angekommen sind“, sagte Nexus jedes Mal. „Sonnenblumen soll man nicht zweimal umziehen lassen.“

Doch eines Abends, als Bo die Lichter schon auf Sonnenuntergang gestellt hatte, wurde Xenia ganz still. Sie saß am Sternenfenster und hielt das Foto vom Apfelbaum in den Händen. „Was hast du?“, fragte Nexus und setzte sich zu ihr. Xenia zog die Nase hoch. „Ich vermisse den Apfelbaum“, flüsterte sie. „Und Opa. Und den Geruch von Regen auf der Straße. Ich habe Heimweh, glaube ich. Mitten im Weltall.“ Eine kleine Träne kullerte über ihre Wange und schwebte beinahe davon.

Nexus überlegte. Dann sprang sie auf. „Warte hier“, sagte sie, „ich habe eine Idee.“ Sie holte Funke, ihren Stoffdrachen, ihre Buntstifte und eine leere Kiste aus dem Vorratsraum. „Wir bauen eine Erinnerungskiste“, erklärte sie. „Da kommt alles hinein, was uns an die Erde erinnert. Und immer, wenn das Heimweh anklopft, machen wir die Kiste auf und besuchen die Erde – von innen.“ Xenia wischte sich die Augen und musste schon wieder ein bisschen lächeln.

Den ganzen Abend füllten die Mädchen ihre Kiste. Xenia legte das Foto hinein, aber nur zum Übernachten, wie sie sagte, tagsüber wollte sie es wiederhaben. Nexus malte den Apfelbaum, so genau sie konnte, mit dicken roten Äpfeln. Sie malten Omas Küche und das Meer und einen Regenwurm namens Herbert, den Xenia einmal gerettet hatte. Bo brachte eine kleine Duftkapsel aus dem Gewächshaus, die genau wie Regen roch, und Nexus’ Papa schenkte ihnen eine Aufnahme von echtem Erdengewitter, ganz leise, nur zum Anhören unter der Bettdecke. „So nah war mir die Erde noch nie“, staunte Xenia, „dabei sind wir so weit weg.“

Von da an hatte das Heimweh es schwer an Bord der Morgenstern. Immer wenn es anklopfte, öffneten die Mädchen ihre Kiste, und aus dem Vermissen wurde ein Erinnern, und aus dem Erinnern wurde ein Freuen. „Weißt du, was ich glaube?“, sagte Nexus eines Tages. „Wir nehmen die Erde einfach mit. Nicht die ganze, die ist zu schwer. Aber das Beste von ihr.“ Xenia nickte ernst. „Das Beste von der Erde sind sowieso die Menschen“, sagte sie. „Und die besten davon sitzen hier.“ Dann mussten beide lachen.

Bo hatte übrigens seine ganz eigene Art, gegen das Heimweh zu helfen. Eines Abends bat er die Mädchen feierlich ins Gewächshaus, ließ die Lichter dämmrig werden – und dann begann es zwischen den Erdbeerpflanzen tatsächlich zu regnen. Echter, warmer Sprühregen aus den Bewässerungsdüsen, dazu spielte Bo das aufgenommene Gewitter von der Erde ab, ganz leise. Nexus und Xenia standen mit ausgestreckten Armen zwischen den Beeten, ließen sich die Tropfen auf die Nasen fallen und atmeten den Duft von nasser Erde. „Regenpause beendet“, verkündete Bo nach zehn Minuten zufrieden. „Wetter auf Bestellung. Auf Wunsch auch dienstags.“ Von da an war der Regentag im Gewächshaus ihr liebstes Bordfest.

Eines Nachmittags rief Bo ganz aufgeregt durchs Schiff: „Alle ans Sternenfenster! Schnell! Aber nicht rennen! Aber schnell!“ Draußen zog in sicherer Ferne ein Komet vorbei. Er hatte einen langen, leuchtenden Schweif, der glitzerte wie ausgeschütteter Zucker. „Er reist auch“, flüsterte Nexus ehrfürchtig. „Schon seit Tausenden von Jahren“, sagte ihr Papa. „Und heute winkt er ausgerechnet uns zu.“ Die ganze Familie stand still am Fenster, bis der Komet langsam kleiner wurde, und alle winkten zurück, sogar Bo mit seinen kurzen Roboterarmen.

Und dann kam der große Tag: Bergfest! So nannte Xenias Mama den Moment, in dem genau die Hälfte der Reise geschafft war. Die Küche duftete nach Pfannkuchen, es gab Erdbeeren aus dem Gewächshaus, und Bo hatte Girlanden aus alten Sternkarten gebastelt. „Ab heute“, verkündete er feierlich, „sind wir Hope näher als der Erde. Jede Stunde, jede Minute, jeden Wimpernschlag ein Stückchen näher.“ Nexus und Xenia stießen mit Erdbeersaft an. „Auf Hope!“, riefen sie. „Auf unser Zuhause, das schon auf uns wartet!“

Zum Bergfest gehörte noch etwas Besonderes: der Funkspruch zur Erde. Nacheinander durften alle in das kleine Funkgerät sprechen, das ihre Worte als unsichtbare Welle durchs All schickte. „Liebe Oma, lieber Opa“, sagte Nexus feierlich, „uns geht es gut, das Essen schmeckt, und Funke hat einen eigenen Gurt.“ Xenia berichtete von der Schwebekammer und vom Kometen. „Die Antwort braucht lange“, erklärte Papa, „viele Tage ist unsere Nachricht unterwegs, und viele Tage die Antwort zurück.“ Aber eines Morgens, Wochen später, weckte Bo sie mit einem geheimnisvollen Blinken: „Post von der Erde!“ Und dann füllte Omas Stimme die ganze Kajüte, warm wie Zimt: „Wir sind so stolz auf euch. Und der Apfelbaum blüht.“ Diesen Satz spielten die Mädchen sich noch oft vor.

An diesem Abend durften die Mädchen länger am Sternenfenster bleiben. Papa zeigte ihnen einen winzigen hellen Punkt, weit voraus zwischen all den Sternen. „Seht ihr ihn? Das ist die Sonne von Hope“, sagte er leise. „Noch ist sie nur ein Fünkchen. Aber sie wird jeden Tag ein bisschen heller werden, bis sie eines Morgens groß und warm über unserer neuen Heimat aufgeht.“ Nexus kniff die Augen zusammen und flüsterte: „Hallo, du. Wir sind schon unterwegs.“

Später lagen die beiden in ihren Nest-Kojen, und Bo dimmte das Licht, golden, rosa, dunkelblau. Die Erinnerungskiste stand zwischen ihren Betten, gut gefüllt und fest verschlossen, damit die Träume von der Erde nicht herauspurzelten. „Nexus?“, flüsterte Xenia. „Danke für die Kiste.“ – „Dafür sind beste Freundinnen da“, murmelte Nexus schläfrig. „Auf der Erde, im Weltall und auf Hope.“

Das Raumschiff summte sein tiefes, ruhiges Lied, die Sterne zogen still am Fenster vorbei, und ganz weit vorn leuchtete das Fünkchen, das eine Sonne war. Nexus hielt Funke im Arm, Xenia hatte eine Hand auf der Erinnerungskiste, und ihre Atemzüge wurden langsam und tief, im gleichen Takt wie das Summen des Schiffes. Die Morgenstern trug sie sanft und sicher durch die Nacht – jede Stunde, jede Minute, jeden Wimpernschlag ein Stückchen näher an die neue Heimat. Schlaft gut, ihr zwei Sternenreisende. Gute Nacht.