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🚀 Serie · Kapitel 1 von 5

Nexus & Xenia – Kapitel 1: Abschied von der Erde

Gefühle (Wut/Angst) · Freundschaftab 7 7 Min.
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Es war eine ganz besondere Nacht auf der Erde – die letzte Nacht, die Nexus und Xenia hier verbringen würden. Draußen auf dem weiten Grasland stand das Raumschiff Morgenstern, silbern und still, und über ihm funkelten tausend Sterne. Nexus war sechs Jahre alt, Xenia sieben, und die beiden waren die allerbesten Freundinnen der Welt. Morgen früh würden sie zusammen mit ihren Eltern zu einer Reise aufbrechen, die noch nie zuvor ein Mensch gewagt hatte: zu einem fernen Planeten, der eine neue Heimat werden sollte. Sein Name klang wie ein Versprechen – Hope.

Nexus’ Eltern waren Forscher. Ihre Mama kannte sich mit Pflanzen und Luft aus, ihr Papa mit Wasser und Steinen. Xenias Eltern waren Konstrukteure, sie konnten Maschinen bauen und Häuser und sogar ganze Kuppeln aus Glas und Stahl. Genau deshalb waren ihre beiden Familien ausgewählt worden, als Erste zu fliegen. „Wir bereiten alles vor“, hatte Xenias Papa erklärt, „und später kommen viele Menschen nach. Aber die ersten Schritte auf Hope – die gehören uns.“ Wenn Xenia daran dachte, kribbelte es in ihrem Bauch wie Brausepulver.

Am Abend packten die Mädchen ihre kleinen Koffer. Viel durfte nicht mit, denn im Raumschiff zählte jedes Gramm. Nexus legte ihren Stoffdrachen Funke ganz obenauf. Funke war grün, hatte weiche Flügel und ein eingesticktes Lächeln, und er war schon bei jedem Abenteuer dabei gewesen. Xenia packte ihre kleine Werkzeugkiste ein, die sie von ihrem Opa bekommen hatte, und ein Foto, auf dem ihre ganze Familie unter dem alten Apfelbaum lachte. „Fertig“, sagte sie und klappte den Deckel zu. „Jetzt kann das Abenteuer kommen.“

Am letzten Abend auf der Erde hatten die beiden noch eine besondere Idee. Xenia holte ihr kleines Aufnahmegerät, und gemeinsam schlichen sie durch den Garten und sammelten Geräusche ein, so wie andere Kinder Muscheln sammeln. Das Zirpen der Grillen im hohen Gras. Das Rauschen des Windes im Apfelbaum. Omas Lachen aus der Küche und das Bellen vom Nachbarshund Bruno, der zum Abschied dreimal extra laut bellte. „Und jetzt noch das Beste“, flüsterte Xenia, als die ersten Tropfen fielen, und hielt das Gerät in den warmen Sommerregen. „So können wir die Erde immer anhören, wenn wir sie vermissen.“ Nexus nickte ernst. Manche Schätze wiegen nichts und passen trotzdem kaum in ein Herz.

Der Abschied am nächsten Morgen war warm und ein kleines bisschen traurig zugleich. Oma drückte Nexus ganz fest an sich. Sie roch nach Zimt und nach Sommer. „Weißt du“, flüsterte sie, „der Himmel ist kein Ende. Der Himmel ist eine Brücke. Wenn du auf Hope zu den Sternen schaust und ich hier auf der Erde – dann schauen wir auf dieselben Sterne. So sind wir immer verbunden.“ Dann legte sie Nexus ein kleines Säckchen in die Hand. Darin raschelten Sonnenblumenkerne. „Für deinen ersten Garten auf der neuen Welt.“

Hand in Hand gingen Nexus und Xenia über die lange Rampe in das Raumschiff. Innen war es hell und freundlich, mit runden Gängen und weichem Licht. An der Tür erwartete sie ein kleiner Roboter, rund wie ein Kürbis, mit zwei freundlich leuchtenden Augen. „Herzlich willkommen an Bord der Morgenstern“, sagte er mit einer Stimme wie warmer Kakao. „Ich bin Bo, euer Bordroboter. Ich passe auf das Schiff auf – und ganz besonders auf euch.“ Nexus musste lachen, denn Bo verbeugte sich dabei so tief, dass er beinahe einen Purzelbaum schlug.

Bo zeigte den Mädchen zuerst ihre Schlafkojen, denn, so sagte er, „ein guter Schlafplatz ist die halbe Reise“. Die Kojen waren klein und rund, mit weichen Decken und einem eigenen Sternenlicht an der Wand, das man heller und dunkler drehen konnte. Über jedem Bett stand ein Name: NEXUS auf dem einen Schild, XENIA auf dem anderen. Und daneben, viel kleiner, hatte Bo noch ein drittes Schildchen angebracht: FUNKE. „Jedes Besatzungsmitglied braucht einen festen Platz“, erklärte er würdevoll und zog einen winzigen Gurt straff, der genau um den Bauch eines Stoffdrachens passte. Nexus strahlte übers ganze Gesicht. Ein Raumschiff, das an Stoffdrachen dachte, konnte nur ein sehr gutes Raumschiff sein.

Dann war es so weit. Alle schnallten sich in die weichen Startsessel, und die Mädchen hielten einander an den Händen. „Zehn“, zählte eine sanfte Stimme, „neun, acht …“ Nexus spürte ihr Herz klopfen. „… drei, zwei, eins.“ Tief unter ihnen begannen die Triebwerke zu brummen, erst leise, dann kräftig, wie ein sehr großer, sehr gutmütiger Bär, der sich streckt. Das Schiff hob ab. Es drückte die Mädchen sanft in die Polster, so wie eine dicke Bettdecke drückt, und draußen vor dem Fenster wurde der Himmel erst hellblau, dann dunkelblau und dann samtschwarz und voller Sterne.

„Schaut mal“, sagte Nexus’ Mama leise und zeigte auf das große runde Fenster. Dort schwebte die Erde. Sie wurde langsam kleiner und kleiner, eine wunderschöne blau-weiße Murmel im dunklen Weltall. Nexus schluckte. In ihrem Bauch wohnten auf einmal zwei Gefühle gleichzeitig: ein bisschen Traurigkeit und ein bisschen Mut. „Das ist völlig in Ordnung“, sagte Mama und strich ihr übers Haar. „Abschied und Aufbruch sind Geschwister. Sie gehen fast immer zusammen spazieren.“

Später breitete Nexus’ Papa auf dem großen Tisch eine leuchtende Sternenkarte aus. Ein feiner goldener Faden zog sich hindurch, von einem kleinen blauen Punkt bis zu einem kleinen türkisfarbenen Punkt. „Das hier sind wir“, sagte er und tippte auf den goldenen Faden, „und da vorne, das ist Hope. Die Reise ist lang, viele Wochen und viele, viele Nächte. Aber das Schöne an einer langen Reise ist: Man muss sie nicht auf einmal schaffen. Nur eine Nacht nach der anderen.“ Xenia betrachtete den Faden genau. „Und jede Nacht, wenn wir schlafen, fliegt das Schiff einfach weiter?“ – „Jede Nacht“, nickte Papa. „Schlafen ist auf dieser Reise also richtig wichtige Arbeit.“ Das gefiel den Mädchen sehr.

Als das Schiff ruhig durchs All glitt, durften die Mädchen es erkunden. Bo rollte voran und zeigte ihnen alles: die Küche, in der es nach frischem Brot duftete, die Bordschule mit Bildschirmen voller Sternkarten und das Gewächshaus, in dem Erdbeerpflanzen und Salat in leuchtenden Reihen wuchsen. „Das Gewächshaus ist mein Lieblingsort“, verriet Bo. „Hier riecht es wie auf der Erde nach Regen.“ Nexus hielt ihr Säckchen mit den Sonnenblumenkernen fest. Eines Tages, dachte sie, würden diese Kerne auf Hope blühen.

Am schönsten aber war das Sternenfenster, ein riesiges rundes Fenster am Ende des Ganges. Davor lagen dicke Kissen. Die Mädchen kuschelten sich hinein und schauten hinaus. So viele Sterne! Kleine und große, weiße und bläuliche, und manche funkelten, als würden sie zwinkern. „Der da“, sagte Nexus und zeigte auf einen besonders warmen, goldenen Stern, „das ist ab heute der Oma-Stern. Immer wenn ich ihn sehe, weiß ich: Oma schaut auch gerade in den Himmel.“ Xenia nickte und suchte sich gleich daneben einen Opa-Stern aus.

Beim ersten Abendessen an Bord – es gab Kartoffelsuppe, die fast wie zu Hause schmeckte – stellte Nexus’ Mama eine Frage in die Runde: „Worauf freut ihr euch auf Hope am allermeisten?“ Papa freute sich auf den ersten Fluss, den noch nie jemand untersucht hatte. Xenias Mama freute sich darauf, etwas zu bauen, das es noch nirgends gab. Xenia freute sich auf Geheimnisse, „am besten glitzernde“, und Bo freute sich darauf, der erste Roboter mit eigener Planetenerfahrung zu werden. Nexus überlegte am längsten. „Ich freue mich auf den Moment“, sagte sie schließlich, „in dem Hope sich nicht mehr neu anfühlt, sondern wie Zuhause.“ Da wurde es einen Augenblick ganz still am Tisch, und alle lächelten.

Dann wurde es Abend – jedenfalls sagte Bo, dass jetzt Abend sei, denn im Weltall muss man sich den Abend selber machen. Ganz langsam dimmte er die Lichter im Schiff, bis sie aussahen wie ein Sonnenuntergang, erst golden, dann rosa, dann dunkelblau. Die Schlafkojen der Mädchen lagen direkt nebeneinander, klein und rund und weich wie Vogelnester. Nexus kuschelte sich mit Funke unter die Decke, Xenia legte das Foto vom Apfelbaum neben ihr Kissen.

„Xenia?“, flüsterte Nexus durch den kleinen Spalt zwischen den Kojen. „Wie es wohl ist, auf Hope?“ Xenia dachte nach. „Ich glaube, es ist wie ein leeres Blatt Papier“, flüsterte sie zurück. „Noch ist nichts darauf. Aber wir dürfen es anmalen. Mit einer Kuppel und einem Garten und einem Zuhause.“ – „Und mit Sonnenblumen“, murmelte Nexus. „Und mit Sonnenblumen“, sagte Xenia. „Gute Nacht, Nexus.“ – „Gute Nacht, Xenia.“

Nexus’ Mama kam noch einmal vorbei, deckte beide Mädchen sorgfältig zu und setzte sich einen Moment zu ihnen. „Hört mal“, sagte sie leise. Die Mädchen lauschten. Das Raumschiff summte ganz sacht, tief und gleichmäßig, wie ein schlafendes Tier. „Das sind die Triebwerke“, flüsterte Mama. „Sie tragen uns durch die Nacht, Stunde um Stunde, näher zu unserer neuen Heimat. Ihr müsst gar nichts tun. Nur ausruhen. Das Schiff passt auf, Bo passt auf, und wir passen auf.“

Draußen vor dem Sternenfenster zogen die Sterne still ihre Bahn, und irgendwo weit voraus, noch unsichtbar klein, wartete Hope. Nexus hielt Funke im Arm und hörte dem Summen des Schiffes zu. Es klang wie Wellen, wie Wind in Blättern, wie Omas Summen in der Küche. Ihre Augen wurden schwer und schwerer. Neben ihr atmete Xenia schon ganz ruhig und tief. Und so schliefen die beiden ersten Kinder auf dem Weg zu einer neuen Welt geborgen ein, während die Morgenstern sie sanft durch das Sternenmeer trug. Schlaf gut, Nexus. Schlaf gut, Xenia. Gute Nacht.