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🚀 Serie · Kapitel 14 von 15

Nexus & Xenia – Kapitel 14: Das Geheimprojekt

Freundschaft · Dankbarkeitab 7 7 Min.
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Es war Bo, der die Kinder auf die Idee brachte, und zwar ohne es zu wollen – was bei Bo, der sonst alles wollte und alles wusste, eine kleine Sensation war. An einem Nachmittag in der Werkstatt murmelte er beim Sortieren seiner Kartei: „Achtundzwanzig Tage noch.“ – „Bis was?“, fragte Nexus. „Bis zum Jahrestag“, sagte Bo. „In achtundzwanzig Tagen ist die Landung der Morgenstern genau ein Hope-Jahr her. Ich habe die Sekunden mitgezählt, falls es jemanden interessiert.“ Die vier Kinder schauten sich an, und in vier Köpfen dachte es genau dasselbe: Ein Jahr Hope. Das musste gefeiert werden. Und zwar richtig.

Die Erwachsenen fanden das natürlich auch. Noch am selben Abend wurde am großen Tisch beschlossen, dass es ein Fest geben sollte, das größte seit dem Kuppelfest, mit allem, was dazugehörte, und es bekam auch gleich einen Namen: der Hope-Tag. Aber während die Großen Listen über Essen und Girlanden schrieben, saßen die vier Kinder etwas abseits auf den Stufen und flüsterten. „Alle schenken sich immer nur Feste“, sagte Xenia nachdenklich. „Aber wer schenkt eigentlich den Erwachsenen etwas? Die haben das alles hier gebaut. Das Schiff geflogen. Die Kuppel. Alles.“ Es wurde still auf der Treppe. Und dann sagte Juna das Wort, das die nächsten vier Wochen bestimmen sollte: „Geheimprojekt.“

Die erste Geheimsitzung fand am nächsten Tag in der Lauschbude statt, dem einzigen Ort der Welt, an dem garantiert kein Erwachsener zufällig vorbeikam – nur ein Hamsterelefant, aber Schnorchel, da waren sich alle einig, konnte man vertrauen. „Also“, eröffnete Xenia mit ihrem Notizbuch auf den Knien, „was schenkt man Leuten, die eine ganze Welt gebaut haben?“ Die Vorschläge sprudelten: ein Bild („zu klein“), ein Kuchen („essen die Großen selber auf“), ein Denkmal („zu viel Baumaterial, fällt auf“). Und dann sagte Milo, der bis dahin nur zugehört hatte: „Ich weiß was. Die Mamas und Papas sagen immer, das Schönste an Hope ist das Abendlied. Aber in der Kuppel hört man es nur ganz leise. Schenken wir ihnen doch das Lied. Für drinnen.“

Einen Moment lang war es so still in der Lauschbude, dass man draußen die Blüten knistern hörte. Dann fielen alle gleichzeitig übereinander her vor Begeisterung. Das war es. Das war das Geschenk. „Ein Windspiel!“, rief Xenia und zeichnete schon. „Klangröhren, gestimmt auf die Töne der singenden Steine! Wir hängen es mitten in die Kuppel, und wenn abends die Lüftung die Luft bewegt, spielt es das Abendlied!“ – „Und woher wissen wir die Töne?“, fragte Juna streng, denn ohne Forschung lief bei ihr gar nichts. Nexus grinste und hielt einen Finger hoch: „Xenias Aufnahmegerät. Wir haben das Abendlied doch längst aufgenommen. Wir müssen es nur noch … nachbauen.“

Damit begann die heimlichste Bauzeit in der Geschichte von Hope. Das Projekt bekam einen Decknamen – „Projekt K“, wobei nur Milo wusste, dass K für Keks stand, und es bekam Regeln: Gearbeitet wurde nur, wenn die Erwachsenen im Gewächshaus, im Labor oder auf der Blühwiese waren. Gesprochen wurde darüber nur in der Lauschbude. Und wenn jemand fragte, was man da tue, war die Antwort: „Schulprojekt.“ Das war noch nicht einmal gelogen, fand Juna, denn man lernte dabei mehr als in mancher Schulwoche – über Töne, über Metall und darüber, wie schwer Geheimnisse sind, wenn man sechs ist wie inzwischen Milo, und platzen möchte vor Vorfreude.

Ohne Bo allerdings ging es nicht, das merkten sie am ersten Werkstatt-Nachmittag. Die Machmaschine brauchte für jeden Auftrag eine Freigabe, und die Freigaben liefen über Bo. Also weihten sie ihn ein, feierlich, in der Lauschbude, mit Schwur. Bo hörte sich alles an, blinkte einmal lang – und dann sagte er etwas, das keiner je vergessen würde: „Ich habe achtundzwanzig Tage lang Sekunden gezählt und gehofft, dass irgendjemand etwas Besonderes plant. Ich bin dabei. Geheimhaltungsstufe: Keks.“ Von da an war Bo der beste Verschwörer von allen: Er buchte die Werkstattzeiten als „Wartung“, stimmte die Klangproben mit seinen feinen Roboterohren ab und log dabei kein einziges Mal wirklich, worauf er großen Wert legte. „Ich verschweige nur äußerst präzise“, erklärte er würdevoll.

Die Arbeit selbst war kniffliger als gedacht. Das Abendlied der Steine bestand, wie Bos Analyse ergab, aus sieben Grundtönen, die sich in immer neuen Wellen abwechselten. Für jeden Ton brauchte es eine eigene Klangröhre aus Krümel-Metall, und die Länge musste haargenau stimmen: einen Fingerbreit zu lang, und der Ton wurde brummig; einen zu kurz, und er klang, laut Juna, „wie ein Marienkäfer mit Schluckauf“. Die ersten Röhren wanderten alle zurück in die Bausteinklappe. „Anlauf nehmen“, sagten die Kinder im Chor, denn das sagte man auf Hope inzwischen so, wie man anderswo „macht nichts“ sagt.

Röhre um Röhre wurde es besser. Xenia feilte und stimmte mit ihrem Geburtstags-Werkzeugkoffer, Nexus hielt die Aufnahme daneben, Juna führte die Ton-Tabelle, und Milo – Milo war die Qualitätskontrolle. Er hatte von allen das beste Ohr für das Abendlied, schließlich summte er es jeden Abend zweimal. Wenn Milo bei einer Röhre die Augen schloss und nickte, war der Ton richtig. Wenn er die Nase kraus zog, ging es zurück an die Feile. „Der Junge hört Dinge, die meine Sensoren nur ahnen“, staunte Bo, und Milo wuchs bei diesem Satz ungefähr zwei Zentimeter.

Einmal – es musste ja kommen – flog das Projekt beinahe auf. Xenias Mama kam unangekündigt in die Werkstatt, um Pläne für Machmaschine Nummer vier zu holen, und auf dem Tisch lagen sieben glänzende Klangröhren, sortiert nach Länge, daneben die Ton-Tabelle. Vier Kinder erstarrten. Aber Bo rollte seelenruhig dazwischen, richtete seine Arme auf und verkündete: „Wartungsbereich. Kalibrierungsteile. Bitte nicht berühren, frisch sortiert.“ Xenias Mama hob die Augenbrauen, nahm ihre Pläne, und an der Tür drehte sie sich noch einmal um. „Sag mal, Bo … seit wann summst du beim Kalibrieren das Abendlied?“ – „Seit heute“, sagte Bo, ohne mit einem Lämpchen zu zucken. „Es beruhigt die Teile.“ Die Tür ging zu, und vier Kinder fielen lautlos übereinander vor Lachen.

In der letzten Woche wurde das Windspiel zusammengesetzt, und es wurde noch schöner, als Xenias Zeichnung versprochen hatte. Die sieben Röhren hingen an feinen Fäden – Wunderfaden-Resten, die Bo aus der Ehrenrolle „äußerst präzise“ abgezweigt hatte – unter einem Ring aus hellem Metall, und Nexus hatte auf jede Röhre ein Bild graviert, mit dem Feinstichel und viel Zungenspitze: ein Raumschiff, eine Kuppel, eine Sonnenblume, einen Stern, einen Regentropfen, einen kleinen Asteroiden und, auf die kleinste Röhre, einen Hamsterelefanten. „Das ganze Jahr“, sagte Juna leise, als es fertig war. „Das ganze Jahr zum Anhören.“

Am Abend vor dem Hope-Tag trugen sie das Windspiel im Schutz der Dämmerung zum Garten und versteckten es, sorgfältig in eine Decke gewickelt, unter der Bank der Freundinnen – dem einzigen Versteck, das würdig war. Der Plan für morgen stand: Wenn abends draußen die Steine ihr Lied begannen, würden die Kinder das Windspiel enthüllen und aufhängen, genau im richtigen Moment. „Und wenn der Wind in der Kuppel nicht reicht?“, flüsterte Nexus. „Dann“, sagte Bo, „wird ein gewisser Roboter zufällig mit dem Lüftungsregler spielen. Äußerst präzise.“

Auf dem Rückweg durch den dunklen Garten blieb Milo plötzlich stehen und schaute durch das Kuppelglas hinaus zu den Hügeln, wo im letzten Licht die Herde graste. „Meint ihr, Schnorchel merkt, dass morgen ein besonderer Tag ist?“, fragte er. „Bestimmt“, sagte Nexus. „Er merkt doch alles.“ – „Gut“, sagte Milo zufrieden. „Weil das Lied ja auch ein bisschen seins ist. Er summt es schließlich mit.“ Und da beschlossen sie noch im Gehen, dass auf der Einladungskarte, die Juna für die Erwachsenen geschrieben hatte, ganz unten noch eine Zeile dazukam: Mit freundlicher Unterstützung von: den singenden Steinen, dem Wind und Schnorchel.

In dieser Nacht lagen vier Kinder in ihren Betten und konnten vor Vorfreude kaum die Augen zuhalten. Es war diese allerbeste Sorte Aufregung – die, bei der man nichts fürchtet und alles erwartet. Nexus und Xenia flüsterten durch ihre Klappe die Generalprobe durch, Juna las im Taschenlampenschein ihre Festrede Korrektur, und Milo summte sein Lied, zweimal wie immer, und beim zweiten Mal summte er extra deutlich, damit es bis zur Wiese trug. Unter der Bank der Freundinnen wartete derweil still und geduldig ein Jahr voller Töne darauf, ausgepackt zu werden.

Und während die Kuppel langsam zur Ruhe kam, drehte Bo im Gemeinschaftsraum noch eine letzte Runde, prüfte die Girlanden für morgen, prüfte den Lüftungsregler, prüfte – rein aus Gewohnheit – die Sekunden bis zum Morgen. „Noch neun Stunden und zwölf Minuten“, murmelte er zufrieden und stellte sich in seine Ladeecke mit den zwei Steckdosen. Wenn Roboter träumen können, dann träumte Bo in dieser Nacht von sieben Tönen, die genau richtig waren. Schlaf gut, Nexus. Schlaf gut, Xenia. Schlaft gut, Juna und Milo – morgen ist Hope-Tag. Gute Nacht.