In der Zauberschule lernten zwei Zauberlehrlinge, die unzertrennlich hätten sein können – wären sie nicht so große Rivalen gewesen. Der eine hieß Linus, der andere Pino, und jeder wollte unbedingt der bessere Zauberer sein. „Mein Zauber ist heller als deiner!“, prahlte Linus. „Von wegen, mein Feuerwerk ist viel größer!“, gab Pino zurück. Ständig versuchten sie, sich gegenseitig zu übertrumpfen.
Eines Tages stellte ihnen der alte Zaubermeister eine schwierige Aufgabe: Gemeinsam sollten sie eine große, verzauberte Brücke über die tiefe Schlucht am Rand der Schule zaubern. „Das ist eine Aufgabe für zwei“, sagte der Meister. „Ihr müsst zusammenarbeiten.“ Doch Linus und Pino dachten gar nicht daran. „Ich schaffe das auch allein, besser als du!“, riefen beide gleichzeitig.
Und so versuchte jeder, die Brücke allein zu zaubern. Linus zauberte eine Brückenhälfte von der einen Seite, Pino eine von der anderen. Doch weil jeder nur an sich dachte und nicht auf den anderen achtete, passten die beiden Hälften überhaupt nicht zusammen. Linus' Hälfte war zu hoch, Pinos zu niedrig, und in der Mitte klaffte eine große Lücke. „Das ist deine Schuld!“, schimpften beide.
Sie versuchten es wieder und wieder, jeder für sich, doch die Brücke wollte einfach nicht gelingen. Erschöpft und frustriert setzten sie sich schließlich hin. „Es klappt einfach nicht“, seufzte Linus. „Allein schaffen wir es nicht“, gab Pino zu. Da kam der alte Meister vorbei. „Habt ihr es schon einmal zusammen versucht?“, fragte er mit einem Lächeln. Die beiden schauten sich an.
„Vielleicht“, sagte Linus zögernd, „sollten wir es wirklich mal gemeinsam probieren.“ Pino nickte. „Also gut. Ich höre auf dich, und du hörst auf mich.“ Zum ersten Mal arbeiteten die beiden zusammen. Sie sprachen sich ab, achteten aufeinander und verbanden ihre Zauberkraft. Linus' Stärke war die Höhe, Pinos die Festigkeit, und gemeinsam ergänzten sie sich perfekt.
Und siehe da – langsam wuchs eine wunderschöne, stabile Brücke über die Schlucht, von beiden Seiten aufeinander zu, bis sie sich in der Mitte genau trafen. „Sie passt zusammen!“, jubelten Linus und Pino. Vorsichtig betraten sie die Brücke – und sie hielt! „Wir haben es geschafft!“, riefen sie. „Zusammen!“ Erst gemeinsam hatten sie geschafft, was keinem von ihnen allein gelungen war.
Die beiden Zauberlehrlinge schauten sich an und mussten lachen. „Wir haben die ganze Zeit gegeneinander gekämpft“, sagte Linus, „dabei sind wir zusammen viel stärker.“ Pino nickte. „Du kannst Dinge, die ich nicht kann, und ich kann Dinge, die du nicht kannst. Gemeinsam sind wir unschlagbar.“ Aus den Rivalen waren endlich Freunde geworden.
Der alte Meister lächelte zufrieden. „Das“, sagte er, „war die wichtigste Lektion. Ein guter Zauberer muss nicht der Beste sein. Er muss wissen, wann er zusammenarbeitet. Zusammen erreicht man mehr als gegeneinander.“ Linus und Pino nickten und reichten sich die Hand. Von da an zauberten sie oft zusammen und wurden die besten Freunde der ganzen Zauberschule.
Am Abend, müde, aber glücklich, kuschelten sich die beiden Zauberlehrlinge in ihre Betten im Schlafsaal. „Gemeinsam macht Zaubern viel mehr Spaß“, gähnte Linus. „Und wir sind zusammen viel besser“, murmelte Pino zufrieden. Der Mond schien durchs Fenster der Zauberschule, die Brücke schimmerte sanft über der Schlucht, und mit warmen Herzen schliefen die beiden Freunde zufrieden ein. Schlaf gut, ihr beiden. Gute Nacht.
