In einem prächtigen Schloss lebte ein König, der war seit Wochen tieftraurig. Er saß nur noch still auf seinem Thron und seufzte. Niemand wusste, warum, und niemand konnte ihn aufheitern. Da rief der König nach dem jungen Zauberer Toni. „Man sagt, du seist ein begabter Zauberer“, sprach der König matt. „Zaubere mir meine gute Laune zurück.“
Toni machte sich eifrig ans Werk. Er zauberte die schönsten Dinge: bunte Feuerwerke, schwebende Lichter, tanzende Blumen und sprühende Funken. „Schaut, Majestät, wie schön!“, rief Toni. Doch der König schaute nur kurz hin und seufzte wieder. „Sehr hübsch“, sagte er traurig. „Aber es macht mich nicht froh.“ Tonis Zauber halfen einfach nicht.
Toni versuchte alles, was er konnte. Er zauberte ein ganzes Schloss aus Zuckerwerk, ließ goldene Vögel singen und verwandelte den Thronsaal in einen funkelnden Sternenhimmel. Doch der König blieb traurig. „Nichts hilft“, dachte Toni verzweifelt. „Mein schönster Zauber kann ihn nicht aufheitern. Vielleicht bin ich kein guter Zauberer.“
Müde von all dem Zaubern, setzte sich Toni schließlich einfach neben den König und seufzte selbst. „Verzeiht, Majestät“, sagte er ehrlich. „Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll. Darf ich Euch fragen – warum seid Ihr denn so traurig?“ Der König schaute überrascht auf. Das hatte ihn noch niemand gefragt. Alle hatten nur versucht, ihn mit Geschenken und Vorführungen aufzuheitern.
„Weißt du“, sagte der König langsam, „mein alter Freund, mit dem ich als Kind immer gespielt habe, ist vor Wochen weit fortgezogen. Ich vermisse ihn so sehr. Und niemand hat mich je danach gefragt – alle wollten mich nur mit bunten Dingen ablenken.“ Toni nickte verständnisvoll und hörte aufmerksam zu, während der König von seinem Freund und der schönen gemeinsamen Zeit erzählte.
Je länger der König erzählte und Toni einfach nur zuhörte, desto leichter wurde dem König ums Herz. „Es tut so gut, einmal darüber zu reden“, sagte er und seufzte – aber diesmal war es ein erleichtertes Seufzen. „Danke, dass du mir zugehört hast, Toni. Das hat mir mehr geholfen als alle Zauber.“ Zum ersten Mal seit Wochen huschte ein kleines Lächeln über das Gesicht des Königs.
„Vielleicht“, sagte Toni, „kann ich Euch ja helfen, Eurem Freund eine Botschaft zu schicken. Mit einem kleinen Zauber kann ich einen Brief von Euch zu ihm fliegen lassen, ganz schnell, egal wie weit weg er ist.“ Die Augen des Königs leuchteten auf. „Das würdest du tun?“ Toni nickte, und der König schrieb seinem Freund einen langen, herzlichen Brief, den Toni davonfliegen ließ.
Wenige Tage später kam eine Antwort des Freundes zurück, und schon bald versprach dieser, den König bald zu besuchen. Der König strahlte wieder über das ganze Gesicht und war so fröhlich wie früher. „Du bist ein wahrhaft großer Zauberer, Toni“, sagte er. „Denn du hast verstanden, dass der beste Zauber manchmal das Zuhören ist.“ Toni hatte etwas Wichtiges gelernt.
Am Abend, zufrieden und um eine Weisheit reicher, kuschelte sich Toni in sein Bett. „Manchmal“, dachte er, „hilft kein Zauber – aber ein offenes Ohr und ein gutes Herz.“ Der Mond schien durchs Fenster, im Schloss war es endlich wieder fröhlich, und mit einem warmen Herzen schlief der junge Zauberer Toni zufrieden ein. Schlaf gut, Toni. Gute Nacht.
