Im Dorf wurde das große Sommerfest gefeiert, und der junge Zauberer Orlando war eingeladen, ein paar schöne Zauber vorzuführen. Orlando war noch jung und ein bisschen unsicher in seiner Kunst, aber er freute sich riesig. „Ich werde den Kindern die schönsten Lichtzauber zeigen“, dachte er. Doch dann zog am Himmel etwas Bedrohliches auf: dunkle, schwere Gewitterwolken.
Ein heftiges Unwetter näherte sich dem Dorf. Der Wind wurde immer stärker, und die ersten dicken Regentropfen fielen. „Oh nein“, riefen die Dorfbewohner. „Das Unwetter wird unser ganzes Fest verderben! Und die vielen Stände und Zelte werden vom Sturm fortgerissen!“ Alle schauten besorgt zum dunklen Himmel. Das schöne Fest drohte ins Wasser zu fallen.
Orlando spürte, wie sein Herz klopfte. „Vielleicht“, dachte er, „könnte ich mit einem Zauber das Unwetter abhalten. Aber so einen großen Zauber habe ich noch nie gemacht. Was, wenn ich es nicht schaffe? Was, wenn er misslingt?“ Er hatte Angst. Doch dann sah er die enttäuschten Gesichter der Kinder, und er wusste: Er musste es wenigstens versuchen.
Orlando trat in die Mitte des Festplatzes, hob seinen Zauberstab zum dunklen Himmel und schloss die Augen. „Ruhig bleiben“, sagte er sich. „Tief atmen und mir genau vorstellen, was ich erreichen möchte.“ Er stellte sich einen großen, schützenden Schirm aus Licht vor, der sich über das ganze Dorffest spannte. Dann sprach er den Zauberspruch, so kraftvoll er konnte.
Zuerst geschah nichts, und Orlandos Herz sank. Doch er gab nicht auf und konzentrierte sich noch fester. Und dann – langsam – breitete sich über dem Festplatz ein schimmernder Schirm aus warmem Licht aus, der immer größer wurde, bis er das ganze Fest überspannte. Der Regen prasselte auf den Lichtschirm, doch kein Tropfen kam hindurch. Der Wind tobte, doch unter dem Schirm war es windstill.
„Er hält!“, jubelten die Dorfbewohner. „Orlandos Zauber schützt uns vor dem Unwetter!“ Und so konnte das Fest unter dem schützenden Lichtschirm fröhlich weitergehen, während draußen das Gewitter tobte. Die Kinder lachten und spielten, und Orlando hielt den ganzen Zauber tapfer aufrecht, bis das Unwetter vorübergezogen war.
Als die Sonne wieder hervorkam, ließ Orlando den Lichtschirm langsam verblassen. Er war erschöpft, aber überglücklich. Die Dorfbewohner umringten ihn und jubelten. „Orlando, du hast unser Fest gerettet!“, riefen sie. „Das war der größte und mutigste Zauber, den wir je gesehen haben!“ Orlando strahlte. Er hatte solche Angst gehabt – und es trotzdem geschafft.
„Ich war mir gar nicht sicher, ob ich das kann“, gestand Orlando. „Aber als ich sah, wie wichtig es war, habe ich einfach all meinen Mut zusammengenommen.“ Der alte Dorfzauberer, der zugeschaut hatte, klopfte ihm anerkennend auf die Schulter. „Genau das macht einen großen Zauberer aus“, sagte er. „Nicht nur das Können, sondern der Mut, es im richtigen Moment einzusetzen.“
Am Abend, müde von dem großen Zauber, kuschelte sich Orlando zufrieden in sein Bett. „Heute habe ich das Fest gerettet“, dachte er stolz. Über dem Dorf funkelten nach dem Gewitter die Sterne besonders klar, der Mond schien durchs Fenster, und stolz auf seinen Mut schlief der junge Zauberer Orlando zufrieden ein. Schlaf gut, Orlando. Gute Nacht.
