schlummerdrache.de – Gute-Nacht-Geschichten

Wolf Luna und der mutige Sprung

Mut machenab 5 4 Min.
Schrift

In den hohen Bergen lebte eine kleine Wölfin namens Luna mit ihrem Rudel. Auf ihren Streifzügen mussten die Wölfe manchmal über eine Felsspalte springen, um auf die andere Seite des Berges zu gelangen. Die Spalte war nicht sehr breit, aber tief, und genau davor hatte Luna große Angst. Während die anderen mühelos hinübersprangen, blieb Luna jedes Mal zögernd zurück.

„Komm, Luna, spring!“, riefen die anderen Wölfe von drüben. „Es ist gar nicht weit!“ Luna schaute über den Rand in die tiefe Spalte und bekam weiche Knie. „Was, wenn ich nicht weit genug springe?“, dachte sie ängstlich. „Was, wenn ich hineinfalle?“ Also nahm sie lieber jedes Mal den langen Umweg um die Spalte herum, während die anderen schon längst weiter waren.

Eines Tages spielte Lunas kleiner Bruder Nimo unbekümmert in der Nähe der Felsspalte. Plötzlich rutschte er aus und konnte sich gerade noch an einem schmalen Felsvorsprung festkrallen, ein kleines Stück unterhalb des Randes. „Luna!“, rief er ängstlich. „Hilf mir! Ich rutsche ab!“ Und Nimo war auf der anderen Seite der Spalte – um zu ihm zu gelangen, musste Luna hinüberspringen.

Lunas Herz klopfte wild. Da war die Felsspalte, vor der sie sich so fürchtete. Und da war ihr kleiner Bruder in Not. Einen Moment lang zögerte sie, gelähmt vor Angst. Doch dann schaute sie in Nimos verängstigtes Gesicht, und auf einmal war da etwas, das stärker war als ihre Angst. „Ich komme, Nimo!“, rief sie. „Halt durch!“

Luna nahm Anlauf. Ihr Herz raste, aber sie dachte nur an ihren kleinen Bruder. Mit aller Kraft stieß sie sich ab und sprang über die Felsspalte – und landete sicher auf der anderen Seite! Sie hatte gar keine Zeit, sich über ihren Mut zu wundern. Schnell lief sie zu Nimo, packte ihn vorsichtig am Nackenfell und zog ihn mit aller Kraft zurück auf den sicheren Felsen.

„Geschafft!“, schnaufte Luna, als Nimo wieder festen Boden unter den Pfoten hatte. Der Kleine zitterte noch, war aber wohlauf. „Du hast mich gerettet, Luna!“, schluchzte er und drückte sich an seine Schwester. „Und du bist über die Spalte gesprungen, vor der du immer solche Angst hattest!“ Luna atmete tief durch. Tatsächlich – sie war gesprungen, ohne zu zögern.

Bald kam das ganze Rudel herbeigeeilt, das den Schreck gehört hatte. Als sie erfuhren, was geschehen war, waren alle voller Bewunderung. „Luna, du warst so mutig!“, riefen sie. „Du bist über die Spalte gesprungen, um Nimo zu retten!“ Luna wurde ganz verlegen. „Ich hatte trotzdem Angst“, gab sie zu. Die alte Leitwölfin lächelte. „Genau das ist Mut“, sagte sie. „Trotz der Angst das Richtige zu tun.“

Von diesem Tag an fürchtete sich Luna nicht mehr vor der Felsspalte. Sie hatte ja bewiesen, dass sie hinüberspringen konnte. „Wenn ich es für Nimo geschafft habe“, dachte sie, „dann schaffe ich es auch sonst.“ Und tatsächlich sprang sie von nun an mutig mit dem Rudel über die Spalte, ganz ohne Umweg.

Am Abend, als der Mond über den Bergen aufging, kuschelte sich Luna mit ihrem geretteten kleinen Bruder ins warme Rudel. „Heute war ich richtig mutig“, sagte sie verschlafen und stolz. „Du bist die mutigste Schwester der Welt“, murmelte Nimo dankbar. Der Mond leuchtete silbern, ein kühler Wind strich durch die Berge, und stolz auf ihren Mut schlief die kleine Wölfin Luna zufrieden ein. Schlaf gut, Luna. Gute Nacht.