Tom hatte vor einer Sache richtig Angst: vor dem großen Hund der Nachbarn. Bello war ein riesiger Hund mit dichtem Fell und einer lauten Stimme. Wenn Tom am Gartenzaun der Nachbarn vorbeiging und Bello bellte, lief Tom schnell weg, das Herz klopfte ihm bis zum Hals. „Der ist so groß und so laut“, dachte er ängstlich.
Eines Tages zogen die Nachbarn mit Bello sogar ins Haus direkt nebenan. Nun begegnete Tom dem großen Hund noch öfter, und jedes Mal bekam er es mit der Angst zu tun. „Ich traue mich gar nicht mehr in den Garten“, klagte er seiner Mama. „Wegen Bello.“ Mama überlegte. „Weißt du was?“, sagte sie. „Vielleicht ist Bello ja gar nicht so, wie du denkst.“
Die nette Nachbarin, Frau Berg, hörte davon. „Tom“, sagte sie freundlich, „Bello ist ein ganz lieber Hund. Er bellt nur, weil er sich freut und Hallo sagen will. Möchtest du ihn kennenlernen? Ich bin die ganze Zeit dabei.“ Tom zögerte. Bello war so groß. Doch ein kleiner Teil von ihm war auch neugierig. „Na gut“, sagte er leise. „Ich versuche es.“
Frau Berg hielt Bello am Halsband. „Komm ganz langsam näher, Tom“, sagte sie. „Du musst keine Angst haben. Halt ihm einfach mal vorsichtig deine Hand hin, damit er dich beschnuppern kann.“ Toms Herz klopfte, doch er holte tief Luft und streckte ganz langsam seine Hand aus. Bello schnupperte vorsichtig daran – und dann leckte er Toms Hand sanft ab.
Tom kicherte überrascht. „Das kitzelt!“ Bello wedelte freudig mit dem Schwanz und schaute Tom mit großen, freundlichen Augen an. Er war gar nicht gefährlich – er war sanft und lieb und wollte nur spielen. „Du bist ja gar nicht böse“, sagte Tom staunend und traute sich, Bellos weiches Fell zu streicheln. Bello schnurrte fast vor Freude.
Langsam wich Toms Angst, und an ihre Stelle trat Freude. Frau Berg gab Tom ein Leckerli, das er Bello geben durfte. Vorsichtig nahm Bello es ganz sanft aus Toms Hand. „Er ist so lieb!“, lachte Tom. Bald spielte er mit Bello im Garten, warf ihm einen Ball, und Bello brachte ihn freudig zurück.
„Ich hatte ganz umsonst Angst“, sagte Tom glücklich. „Bello ist der netteste Hund.“ Frau Berg lächelte. „Manchmal sieht etwas furchteinflößend aus, ist aber in Wahrheit ganz freundlich. Man muss sich nur trauen, genauer hinzuschauen.“ Tom nickte und kraulte Bello hinter den Ohren. Aus der Angst war eine Freundschaft geworden.
Am Abend kuschelte sich Tom zufrieden ins Bett. „Ich habe mich getraut“, dachte er stolz, „und jetzt ist Bello mein Freund.“ Von nun an freute er sich, wenn er den großen Hund sah, statt sich zu fürchten. Mit einem glücklichen Lächeln schlief Tom ein. Gute Nacht, mutiger Tom.
