Auf dem Jahrmarkt hatte Tobi einen wunderschönen roten Luftballon bekommen. Er hielt die Schnur ganz fest und war überglücklich. Der Ballon tanzte über seinem Kopf im Wind, und Tobi strahlte. „Das ist der schönste Ballon der ganzen Welt“, sagte er stolz.
Doch dann, beim Anschauen eines Karussells, lockerte sich Tobis Griff nur einen winzigen Moment – und schon entwischte ihm die Schnur. Der rote Ballon stieg in die Höhe, höher und höher, hinauf in den blauen Himmel. „Mein Ballon!“, rief Tobi und streckte die Arme aus. Doch es war zu spät. Der Ballon flog davon.
Tobi schaute traurig hinterher, wie sein roter Ballon immer kleiner wurde. Tränen stiegen ihm in die Augen. „Jetzt ist er weg“, schluchzte er. „Für immer.“ Mama kniete sich zu ihm und nahm ihn in den Arm. „Oh, das tut mir leid, mein Schatz. Ich weiß, wie sehr du den Ballon mochtest.“
Tobi weinte ein bisschen, und Mama ließ ihm Zeit. Dann sagte sie sanft: „Weißt du, wohin dein Ballon jetzt vielleicht fliegt? Hoch über die Wolken, über Wälder und Berge. Vielleicht sieht ihn ein anderes Kind ganz weit weg am Himmel und freut sich über den schönen roten Punkt da oben.“ Tobi schniefte und schaute hinauf.
„Meinst du?“, fragte Tobi. „Bestimmt“, sagte Mama. „Dein Ballon geht auf eine große Reise und macht vielleicht noch andere Kinder glücklich.“ Tobi stellte sich vor, wie sein roter Ballon über ferne Länder schwebte, und plötzlich war der Gedanke gar nicht mehr so traurig. „Dann hat er ja noch ein schönes Abenteuer“, sagte er leise.
Tobi winkte seinem Ballon zum Abschied nach. „Gute Reise, kleiner Ballon!“, rief er. Es machte ihn ein bisschen wehmütig, aber auch ein bisschen froh. Manche Dinge, verstand Tobi, ziehen weiter – und das ist nicht nur traurig, sondern auch schön.
Zum Trost kaufte Mama Tobi eine Tüte Zuckerwatte, und sie schauten sich noch zusammen das Karussell an. Tobi merkte: Auch wenn der Ballon weg war, gab es noch so viele schöne Dinge. Sein Herz wurde wieder leichter, und bald lachte er wieder.
Am Abend, im Bett, dachte Tobi noch einmal an seinen roten Ballon, der nun irgendwo weit über den Wolken schwebte. „Gute Nacht, kleiner Ballon, wo immer du jetzt bist“, flüsterte er und lächelte. Dann kuschelte er sich ein und schlief friedlich ein. Gute Nacht, kleiner Tobi.
