Storch Stella stakste gern durch die seichten Tümpel der großen Wiese und suchte nach Futter. Eines Tages traf sie am Ufer eines Teichs auf einen kleinen Frosch namens Quentin, der traurig auf einem Seerosenblatt saß. „Hallo“, sagte Stella freundlich. Quentin aber zuckte erschrocken zusammen. „Ein Storch!“, quakte er ängstlich. „Bitte tu mir nichts!“
Stella blieb stehen und legte den Kopf schief. „Warum sollte ich dir etwas tun?“, fragte sie. „Na, weil Störche Frösche fressen“, quakte Quentin zitternd. „Das weiß doch jeder.“ Stella überlegte. „Mag sein, dass das manche tun“, sagte sie nachdenklich. „Aber ich finde, du siehst viel zu nett aus, um dich aufzufressen. Außerdem mag ich lieber Würmer und Käfer. Warum bist du denn so traurig?“
Quentin schaute sie misstrauisch an, doch Stellas Augen waren so freundlich, dass er Vertrauen fasste. „Ich bin traurig, weil ich keine Freunde habe“, gestand er. „Alle anderen Frösche sind schon weitergehüpft, und ich bin ganz allein zurückgeblieben. Niemand will mit mir spielen.“ Stella setzte sich vorsichtig ans Ufer. „Weißt du was?“, sagte sie. „Dann sei doch mit mir befreundet.“
Quentin traute seinen Ohren kaum. „Ein Storch und ein Frosch? Befreundet? Das geht doch gar nicht!“ Stella lachte sanft. „Warum denn nicht? Freundschaft kennt keine Grenzen. Es kommt nicht darauf an, ob man gleich aussieht oder gleich groß ist. Es kommt darauf an, ob man sich mag.“ Quentin überlegte. Die freundliche Stella mochte er wirklich gern.
Und so begann eine ungewöhnliche Freundschaft. Stella und Quentin verbrachten von nun an viel Zeit zusammen. Stella zeigte Quentin die schönsten Plätze der Wiese, die er von oben nie gesehen hatte. Und Quentin brachte Stella die lustigsten Quak-Lieder bei. Sie lachten viel und hatten eine wunderbare Zeit miteinander.
Die anderen Tiere staunten über das seltsame Paar. „Ein Storch und ein Frosch, die Freunde sind?“, wunderten sie sich. Doch Stella und Quentin kümmerte das nicht. „Sollen sie ruhig staunen“, sagte Stella. „Wir wissen, dass wir gute Freunde sind, und das ist alles, was zählt.“ Quentin nickte fröhlich von seinem Platz auf Stellas Rücken, wo er am liebsten saß.
Eines Tages half Quentin sogar Stella aus der Patsche. Stella hatte sich beim Stochern eine Schnur um den langen Schnabel gewickelt und kam nicht mehr frei. Quentin hüpfte herbei und löste mit seinen geschickten kleinen Fingern den Knoten. „Danke, lieber Quentin“, sagte Stella erleichtert. „Siehst du? Auch ein kleiner Frosch kann einem großen Storch helfen.“
„Und ein großer Storch einem kleinen Frosch“, quakte Quentin glücklich. „Du hast mir gezeigt, dass ich nicht allein sein muss. Das war das größte Geschenk.“ Die beiden waren von da an unzertrennlich und bewiesen allen, dass die schönsten Freundschaften manchmal zwischen den unterschiedlichsten Wesen entstehen.
Am Abend, als die Sonne über der Wiese unterging, machte Stella es sich in ihrem Nest gemütlich, und Quentin kuschelte sich in ihr warmes Gefieder. „Gute Nacht, kleiner Frosch“, sagte Stella sanft. „Gute Nacht, liebe Stella“, quakte Quentin zufrieden. Die Sterne funkelten über dem Teich, die Frösche quakten ein leises Abendlied, und glücklich über ihre besondere Freundschaft schliefen der Storch und der Frosch zufrieden ein. Schlaf gut, ihr beiden. Gute Nacht.
