In der großen Pinguinkolonie herrschte Aufregung. Ein Ei war verschwunden! Es war von seinem Platz weggerollt, und niemand wusste, wohin. Die Pinguineltern waren ganz verzweifelt. „Unser Ei!“, riefen sie. „Wo ist nur unser Ei?“ Die kleine Pinguindame Pia hörte die Aufregung und beschloss sofort: „Ich helfe suchen. Ich finde das Ei.“
„Aber es könnte überall sein“, sagten die anderen. „Und draußen ist es kalt und das Eis ist glatt.“ Pia ließ sich nicht entmutigen. „Trotzdem“, sagte sie tapfer. „Ein kleines Pinguinküken im Ei braucht Wärme, sonst wird ihm kalt. Wir dürfen keine Zeit verlieren.“ Und so watschelte Pia los, hinaus über das weite Eis, um das verlorene Ei zu suchen.
Pia suchte überall. Sie schaute hinter Eishügeln, in kleinen Mulden und entlang der Schollen. Der Wind war kalt, und das Eis war glatt, sodass Pia manchmal ausrutschte. Doch sie gab nicht auf. „Wo bist du nur, kleines Ei?“, rief sie und suchte weiter, immer aufmerksam, immer hoffnungsvoll. Ihre Füße wurden müde, aber ihr Mut blieb groß.
Schließlich, hinter einem großen Eisblock, entdeckte Pia etwas Weißes, Rundes, das in einer kleinen Mulde lag: das verlorene Ei! Es war weggerollt und dort liegengeblieben. „Da bist du ja!“, rief Pia erleichtert. Doch dann bemerkte sie besorgt, dass das Ei schon ganz kalt geworden war. „Oh nein, du brauchst schnell Wärme“, sagte sie.
Vorsichtig schob Pia das Ei mit ihrem Schnabel und ihren Füßchen auf ihre eigenen warmen Füße und deckte es mit ihrer Bauchfalte zu, so wie sie es bei den großen Pinguinen gesehen hatte. Sofort wurde das kalte Ei von Pias Körperwärme gewärmt. „So“, sagte sie sanft, „jetzt wird dir wieder warm. Und jetzt bringe ich dich nach Hause.“
Ganz langsam und vorsichtig, damit das Ei nicht herunterfiel, watschelte Pia den weiten Weg zurück zur Kolonie. Es war anstrengend, das Ei auf den Füßen zu balancieren, und Pia musste sehr aufpassen. Doch Schritt für Schritt brachte sie das kostbare Ei sicher zurück. „Ich habe es gefunden!“, rief sie schon von Weitem. „Ich bringe euer Ei zurück!“
Die Pinguineltern watschelten überglücklich herbei. „Unser Ei!“, riefen sie und nahmen es behutsam und dankbar entgegen, um es wieder schön warm zu halten. „Danke, liebe Pia! Du hast unser Küken gerettet! Es ist noch warm – du hast genau richtig gehandelt.“ Pia strahlte vor Stolz und Erleichterung.
„Du warst so mutig und klug“, lobten die anderen Pinguine. „Du bist allein über das kalte Eis gewatschelt und hast das Ei gewärmt und sicher zurückgebracht.“ Pia wurde ganz verlegen. „Ich konnte das kleine Küken doch nicht im Kalten lassen“, sagte sie. Wenig später, so erzählt man sich, schlüpfte aus genau diesem Ei ein gesundes kleines Pinguinküken.
Am Abend, müde von ihrem mutigen Abenteuer, kuschelte sich Pia zufrieden in die warme Kolonie. „Heute habe ich ein kleines Küken gerettet“, dachte sie stolz. Über dem Eis funkelten die Sterne, ein kühler Wind strich über die Schollen, und stolz auf ihren Mut schlief die kleine Pinguindame Pia glücklich ein. Schlaf gut, Pia. Gute Nacht.
