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Pauls erster Tag im Kindergarten

Mut machen · Gefühle (Wut/Angst)ab 3 5 Min.
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Heute war ein großer Tag für Paul: sein erster Tag im Kindergarten. Mama hatte ihm seine Lieblingssachen eingepackt, und eigentlich hätte Paul gespannt sein können. Doch je näher sie dem Kindergarten kamen, desto fester hielt Paul Mamas Hand. In seinem Bauch zog sich alles zusammen. „Ich will nicht, dass du gehst, Mama“, sagte er leise, als sie vor der bunten Tür standen. „Ich will bei dir bleiben.“

Mama kniete sich zu ihm hinunter und schaute ihm in die Augen. „Ich verstehe, dass du aufgeregt bist, mein Schatz“, sagte sie sanft. „Etwas Neues macht manchmal ein bisschen Angst. Aber weißt du was? Ich komme ganz bestimmt wieder und hole dich ab. Immer. Ich verspreche es dir.“ Paul schaute sie unsicher an. „Versprochen?“, fragte er. „Ganz fest versprochen“, sagte Mama und drückte ihm einen Kuss auf die Stirn.

In diesem Moment kam eine freundliche Erzieherin zur Tür. Sie hatte ein warmes Lächeln. „Hallo Paul“, sagte sie. „Ich bin Frau Sonne. Schön, dass du da bist! Wir haben heute so viel Schönes vor. Magst du mit reinkommen und es dir anschauen?“ Paul versteckte sich erst ein bisschen hinter Mamas Bein. Doch Frau Sonnes Stimme war so freundlich, dass er vorsichtig einen Blick in den bunten Raum warf.

Was Paul drinnen sah, machte ihn neugierig: Es gab eine große Bauecke mit Bauklötzen, eine Kuschelecke voller Kissen, einen Maltisch mit bunten Stiften und sogar eine kleine Verkleidungskiste. Andere Kinder spielten fröhlich, lachten und bauten Türme. „Schau“, sagte Mama, „so viele tolle Sachen. Und so viele Kinder, mit denen du spielen kannst.“ Paul schaute, und seine Neugier wurde langsam größer als seine Angst.

„Magst du der erste sein, der heute mit den großen Bauklötzen einen Turm baut?“, fragte Frau Sonne. Ein anderer kleiner Junge winkte Paul zu. „Komm, wir bauen zusammen!“, rief er. Paul schaute zu Mama. „Geh nur“, sagte Mama lächelnd. „Ich bin gleich am Anfang noch ein kleines bisschen hier, und dann hole ich dich nach dem Mittagessen wieder ab. Du schaffst das, mein mutiger Paul.“

Vorsichtig ließ Paul Mamas Hand los und machte einen ersten Schritt in den Raum. Der andere Junge, er hieß Jakob, reichte ihm gleich einen großen roten Bauklotz. „Den brauchen wir für den Turm!“, sagte er. Paul setzte den Klotz oben drauf, und der Turm wuchs. „Toll!“, rief Jakob. Paul musste lächeln. Das machte ja richtig Spaß. Für einen Moment hatte er ganz vergessen, dass er eben noch traurig gewesen war.

Als Paul sich kurz darauf umdrehte, um Mama etwas zu zeigen, war sie schon leise gegangen – aber das war gar nicht schlimm. Denn Paul wusste ja: Sie kommt wieder. Und außerdem hatte er gerade so viel zu tun. Der Turm musste fertig gebaut werden, und Jakob wollte ihm die Kuschelecke zeigen. Der Vormittag verging wie im Flug.

Paul erlebte so viel an seinem ersten Tag: Er malte ein buntes Bild von seiner Familie, sang mit den anderen Kindern im Stuhlkreis lustige Lieder und half beim Tischdecken fürs Mittagessen. Frau Sonne las eine spannende Geschichte vor, und Paul saß mittendrin, zwischen seinen neuen Spielkameraden. „Hier ist es ja wunderbar“, dachte Paul. Von seiner anfänglichen Angst war kaum noch etwas übrig.

Und dann, genau wie versprochen, stand Mama nach dem Mittagessen wieder in der Tür. „Mama!“, rief Paul und lief zu ihr. Doch statt traurig zu sein, sprudelte er nur so über vor Freude. „Mama, ich habe einen Turm gebaut und ein Bild gemalt und einen neuen Freund, der heißt Jakob, und Frau Sonne hat eine Geschichte vorgelesen!“ Mama lachte und nahm ihn in den Arm. „Das klingt nach einem wunderbaren Tag!“

„Ich hatte erst solche Angst“, gab Paul zu, „und du loszulassen war so schwer. Aber dann war es richtig schön.“ Mama drückte ihn stolz. „Siehst du?“, sagte sie. „Du warst so mutig. Du hast etwas Neues gewagt, obwohl du Angst hattest. Und schau, was für ein toller Tag daraus geworden ist.“ Paul nickte glücklich. „Morgen will ich wieder hin“, sagte er. „Jakob und ich bauen einen noch größeren Turm.“

Am Abend, als Paul in seinem Bett lag, erzählte er Mama noch einmal alles ganz genau – von der Bauecke, von Jakob, von Frau Sonnes Geschichte. Sein Herz war ganz voll von all den schönen Dingen, die er erlebt hatte. „Der Kindergarten ist toll“, sagte er verschlafen. „Und du kommst ja immer wieder.“ „Immer“, sagte Mama und gab ihm einen Kuss.

Und so kuschelte sich Paul, müde und glücklich von seinem ersten großen Tag, in seine Decke. Sein neues Bild hing schon an der Wand, und in Gedanken baute er mit Jakob den größten Turm der Welt. Die Sterne funkelten vor dem Fenster, und voller Stolz auf seinen mutigen ersten Kindergartentag schlief Paul zufrieden ein. Schlaf gut, Paul. Gute Nacht.