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Paul und die Wut im Bauch

Gefühle (Wut/Angst)ab 5 4 Min.
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Paul war ein fröhlicher Junge, doch manchmal wurde er furchtbar wütend. Wenn sein Turm aus Bauklötzen umfiel oder er nicht länger aufbleiben durfte, dann wurde es in seinem Bauch ganz heiß, sein Gesicht wurde rot, und am liebsten hätte er laut geschrien und mit dem Fuß aufgestampft.

An diesem Abend war es wieder so weit. Pauls Lieblingsstift war abgebrochen, mitten beim schönsten Bild. „Das ist gemein!“, rief Paul, warf den Stift auf den Boden und ballte die Fäuste. Die Wut brodelte in ihm wie ein heißer Topf, der gleich überkocht.

Sein Opa, der zu Besuch war, setzte sich ruhig neben ihn. „Oh“, sagte er freundlich, „ich sehe, du hast eine große Wut im Bauch. Das kenne ich gut. Weißt du, Wut ist gar nicht schlimm. Jeder hat sie mal. Man muss nur lernen, wie man sie wieder hinauslässt, ohne dass etwas kaputtgeht.“

Paul schniefte. „Aber sie ist so heiß und groß“, sagte er. Opa nickte verständnisvoll. „Dann machen wir sie gemeinsam kleiner. Ich zeige dir den Drachen-Atem. Stell dir vor, du bist ein großer Drache, und deine Wut ist sein Feuer. Wenn der Drache ganz langsam ausatmet, lässt er das Feuer sanft hinaus.“

„Atme tief durch die Nase ein“, sagte Opa, „so tief, dass dein Bauch ganz rund wird wie ein Ballon.“ Paul atmete ein. „Und jetzt blas die Luft ganz langsam durch den Mund wieder aus, wie ein Drache, der sein Feuer leise entweichen lässt – fffffff.“ Paul pustete lange aus. „Und noch einmal.“

Paul atmete tief ein und blies langsam wieder aus. Ein, und aus. Ein, und aus. Mit jedem Drachen-Atem wurde die heiße Wut in seinem Bauch ein kleines bisschen kühler und kleiner. Seine Fäuste öffneten sich, seine Schultern wurden locker, und sein Gesicht war nicht mehr so rot.

„Wie fühlt es sich jetzt an?“, fragte Opa sanft. Paul horchte in seinen Bauch hinein. „Die Wut ist … kleiner geworden“, sagte er überrascht. „Sie ist fast ganz weg.“ Opa lächelte. „Siehst du? Die Wut darf kommen. Aber mit dem Drachen-Atem darf sie auch wieder gehen. Und niemand wird dabei verletzt.“

Paul hob seinen abgebrochenen Stift wieder auf. „Den kann man ja anspitzen“, sagte er, schon viel ruhiger. Gemeinsam spitzten sie den Stift, und Paul malte sein Bild fertig – es wurde ein großer, freundlicher Drache, der sanft Feuer pustete.

Am Abend, als Paul im Bett lag, kam Opa noch einmal zu ihm. „Den Drachen-Atem kannst du immer benutzen, wenn die Wut kommt“, flüsterte er. „Danke, Opa“, sagte Paul und gähnte. Er fühlte sich ruhig und zufrieden. Noch einmal atmete er tief ein und langsam aus – und schlief dann ganz friedlich ein. Gute Nacht, kleiner Paul.