Paul half seiner Mama gern im Haushalt – fast immer. Nur eine Sache mochte er gar nicht: in den Keller gehen. Der Keller war dunkel, und Paul fand ihn unheimlich. Wenn Mama ihn bat, etwas von dort zu holen, wurde ihm jedes Mal ganz mulmig. „Da unten ist es so finster“, dachte er. „Wer weiß, was sich da versteckt.“
An diesem Tag fragte Mama: „Paul, holst du mir bitte ein Glas Marmelade aus dem Keller?“ Paul schluckte. „Muss ich da wirklich runter?“, fragte er zaghaft. „Es ist so dunkel.“ Mama lächelte. „Ich weiß, dass du dich ein bisschen fürchtest. Aber weißt du was? Mit einer Taschenlampe sieht der Keller gleich ganz anders aus. Probier es einmal.“
Mama gab Paul eine helle Taschenlampe. „Mit der vertreibst du jeden Schatten“, sagte sie. „Und ich stehe oben an der Treppe, du kannst mich die ganze Zeit rufen.“ Paul nahm die Taschenlampe fest in die Hand. Sein Herz klopfte, aber er dachte: „Mama ist ja gleich da. Ich versuche es.“ Langsam ging er die Kellertreppe hinunter.
Unten angekommen, knipste Paul die Taschenlampe an. Ein heller Lichtstrahl schnitt durch die Dunkelheit. Und auf einmal sah Paul: Da war ja gar nichts Unheimliches! Im Licht der Lampe erkannte er nur die Regale mit Vorräten, ein paar Kisten und das Fahrrad. „Das sind ja alles ganz normale Dinge“, dachte Paul erleichtert.
Was er im Dunkeln für ein Ungeheuer gehalten hatte, war im Licht der Taschenlampe nur ein alter Mantel an der Wand. Und das gruselige Rascheln war bloß eine Plastiktüte, die im Luftzug raschelte. „Der Keller ist ja gar nicht gruselig“, sagte Paul und musste fast ein bisschen über sich selbst lachen. „Ich hatte ganz umsonst Angst.“
Paul leuchtete zum Marmeladenregal, suchte das richtige Glas heraus und nahm es. „Hab's, Mama!“, rief er nach oben. „Super, mein Großer!“, rief Mama zurück. Mit dem Marmeladenglas und der leuchtenden Taschenlampe stieg Paul die Treppe wieder hinauf – und war mächtig stolz auf sich.
„Ich war ganz allein im Keller!“, strahlte Paul, als er oben ankam. „Und es war überhaupt nicht schlimm. Im Licht sieht alles ganz normal aus.“ Mama drückte ihn. „Siehst du? Du warst sehr mutig. Und jetzt weißt du: Im Dunkeln scheinen die Dinge oft viel unheimlicher, als sie wirklich sind.“
Am Abend kuschelte sich Paul zufrieden ins Bett, die Taschenlampe griffbereit auf dem Nachttisch. „Vor dem Keller habe ich keine Angst mehr“, dachte er stolz. „Ich muss nur Licht machen und mutig sein.“ Mit diesem guten Gefühl schlief Paul ruhig ein. Gute Nacht, mutiger Paul.
