Im Bambuswald lebte eine kleine Pandadame namens Mai. Eines Morgens entdeckte sie das schönste Bambusdickicht, das sie je gesehen hatte: dicht, grün und voller zarter, saftiger Blätter. „Der ganze Bambus gehört mir!“, freute sich Mai. „Den teile ich mit niemandem.“ Schnell setzte sie sich mitten hinein und begann zu schmausen.
Mai aß und aß, doch das Dickicht war so groß, dass sie es unmöglich allein leerfressen konnte. Trotzdem passte sie eifersüchtig auf, dass ja kein anderer Panda näher kam. „Weg da, das ist mein Bambus!“, rief sie, sobald sich jemand näherte. So saß Mai ganz allein in ihrem großen Dickicht und mampfte vor sich hin.
Eines Tages kam ein kleiner Panda namens Bibo vorbei. Er sah dünn und müde aus. „Hallo Mai“, sagte er leise. „Ich habe seit Tagen kaum Bambus gefunden. Mein Bauch knurrt so. Hättest du vielleicht ein klein wenig für mich übrig?“ Mai zögerte. „Aber dann habe ich ja weniger“, dachte sie und schaute auf ihren riesigen Bambusvorrat.
Einen Moment lang wollte Mai schon „Nein“ sagen. Doch dann sah sie Bibos hungrige Augen und seinen knurrenden Bauch, und etwas in ihrem Herzen wurde ganz weich. Sie schaute auf das große Dickicht, das sie unmöglich allein aufessen konnte. „Weißt du was“, sagte sie. „Komm her, Bibo. Hier ist viel mehr, als ich allein schaffe. Lass uns zusammen fressen.“
Bibos Augen leuchteten. „Wirklich? Vielen Dank, Mai!“ Er setzte sich zu ihr, und gemeinsam knabberten die beiden am saftigen Bambus. Und Mai bemerkte etwas Wunderbares: Mit Bibo an ihrer Seite schmeckte der Bambus auf einmal viel besser. Sie lachten zusammen, erzählten sich Geschichten und hatten richtig Spaß.
„Weißt du, Bibo“, sagte Mai nachdenklich, „vorher hatte ich den ganzen Bambus für mich allein – und war doch ganz allein und langweilte mich. Jetzt teile ich ihn, und auf einmal ist alles viel schöner.“ Bibo nickte mit vollen Backen. „Geteilter Bambus schmeckt eben am besten“, sagte er. „Weil man dabei nicht allein ist.“
Bald sprach sich herum, wie freundlich Mai geworden war, und nach und nach kamen weitere Pandas dazu. Aus dem einsamen Dickicht, das Mai für sich allein gehütet hatte, wurde ein fröhlicher Treffpunkt, an dem alle gemeinsam fraßen, spielten und lachten. Und Mai war glücklicher, als sie es je gewesen war.
„Ich bin so froh, dass ich gelernt habe zu teilen“, sagte Mai zu Bibo. „Allein war der schönste Bambus nur halb so schön.“ Bibo stupste sie freundlich. „Und jetzt hast du ganz viele Freunde dazu“, sagte er. Mai schaute in die Runde der fröhlichen Pandas und fühlte sich richtig reich – nicht wegen des Bambus, sondern wegen der Freunde.
Am Abend, satt und zufrieden, kuschelten sich die Pandas gemeinsam in den weichen Bambus. „Gute Nacht, Mai“, gähnte Bibo. „Gute Nacht, Bibo“, murmelte Mai glücklich. Die Sterne funkelten über dem Bambuswald, ein milder Wind wiegte die Halme, und mit einem warmen, vollen Herzen schlief die kleine Pandadame Mai zufrieden ein. Schlaf gut, Mai. Gute Nacht.
