Am Abend vor ihrem allerersten Schultag lag Nora wach in ihrem Bett und konnte nicht einschlafen. In ihrem Bauch kribbelte es ganz aufgeregt. „Was, wenn ich niemanden kenne?“, dachte sie. „Was, wenn ich mich verlaufe? Was, wenn ich etwas falsch mache?“ Ihre neue Schultasche stand schon gepackt an der Wand.
Mama setzte sich zu ihr aufs Bett. „Ich sehe, du bist ganz schön aufgeregt“, sagte sie sanft. Nora nickte. „Ich habe ein bisschen Angst, Mama. Alles ist so neu.“ Mama strich ihr übers Haar. „Das ist ganz normal. Vor etwas Neuem ist fast jeder aufgeregt. Aber weißt du was? Hinter der Aufregung versteckt sich oft etwas Wunderbares.“
Am nächsten Morgen, mit ihrer neuen Schultasche auf dem Rücken, ging Nora langsam zur Schule. Ihr Herz klopfte, als sie das große Gebäude sah. Doch dann bemerkte sie, dass viele andere Kinder genauso aufgeregt aussahen wie sie. Ein Mädchen mit roten Zöpfen lächelte ihr schüchtern zu.
Nora holte tief Luft und fasste sich ein Herz. „Hallo“, sagte sie zu dem Mädchen. „Ich bin Nora.“ „Ich bin Pia“, sagte das Mädchen erleichtert. „Ich bin auch ein bisschen aufgeregt.“ Auf einmal fühlte sich Nora gar nicht mehr so allein. Gemeinsam gingen die beiden ins Klassenzimmer.
Drinnen war alles bunt und freundlich. Die Lehrerin, Frau Sonne, hatte ein warmes Lächeln und hieß jedes Kind willkommen. Es gab gemütliche Tische, bunte Bilder an den Wänden und sogar eine Leseecke mit weichen Kissen. „Gar nicht unheimlich“, dachte Nora überrascht. „Eigentlich ist es richtig schön hier.“
Der Tag verging wie im Flug. Nora sang ein Lied mit der ganzen Klasse, malte ein Bild von ihrer Familie und lernte sogar schon den ersten Buchstaben. In der Pause spielte sie mit Pia und zwei anderen Kindern auf dem Schulhof. Ihre Angst vom Vorabend war ganz und gar verschwunden.
Als Mama sie am Mittag abholte, sprudelte Nora nur so vor Begeisterung. „Es war so toll, Mama! Ich habe eine Freundin gefunden, und wir haben gesungen und gemalt, und morgen lernen wir den nächsten Buchstaben!“ Mama lachte. „Siehst du? Hinter der Aufregung hat sich etwas Wunderbares versteckt.“
Am Abend, glücklich und ein bisschen müde, kuschelte sich Nora in ihr Bett. Ihre Schultasche stand bereit für den nächsten Tag, und diesmal freute sie sich richtig darauf. „Mutig sein lohnt sich“, dachte sie zufrieden. „Das Neue ist gar nicht schlimm – es ist aufregend schön.“ Lächelnd schlief Nora ein. Gute Nacht, kleine Nora.
