Mira liebte das Theaterspielen über alles. In der Theatergruppe ihrer Schule probte sie seit Wochen für das große Stück, und diesmal hatte sie sogar die Hauptrolle bekommen: die mutige Prinzessin Rosalind. Zu Hause kannte Mira ihren Text in- und auswendig und spielte ihn voller Freude. Doch je näher der große Auftritt rückte, desto mulmiger wurde ihr.
Am Tag der Aufführung war der Saal voller Menschen – Eltern, Großeltern, die ganze Schule. Hinter dem Vorhang lugte Mira hervor und sah all die vielen Augen. Auf einmal wurde ihr ganz flau. „So viele Leute“, flüsterte sie. „Was, wenn ich meinen Text vergesse? Was, wenn ich etwas falsch mache und alle lachen?“ Ihre Knie zitterten.
„Ich kann das nicht“, sagte Mira zu ihrer Theaterlehrerin, Frau Berg. „Mein Herz klopft so schnell, und ich habe alles vergessen.“ Frau Berg lächelte ruhig und nahm Miras Hände. „Das nennt man Lampenfieber, Mira. Das haben sogar die größten Schauspieler. Es bedeutet nur, dass dir etwas wichtig ist. Atme einmal tief durch.“
Mira atmete tief ein und langsam wieder aus. „Stell dir vor“, sagte Frau Berg, „du spielst die Prinzessin nur für dich, so wie zu Hause. Die Menschen im Saal sind keine strengen Richter. Sie sind hier, weil sie sich auf dich freuen. Sie sind auf deiner Seite.“ Mira atmete noch einmal tief durch und nickte tapfer. „Ich versuche es.“
Der Vorhang öffnete sich. Für einen Moment stand Mira wie erstarrt im hellen Scheinwerferlicht. Doch dann erinnerte sie sich an Frau Bergs Worte. Sie holte tief Luft und sprach ihren ersten Satz – und siehe da, die Worte waren alle da! Sie sprudelten nur so aus ihr heraus, klar und sicher.
Mit jedem Satz wurde Mira mutiger. Sie spielte die Prinzessin Rosalind mit so viel Gefühl, dass der ganze Saal gebannt lauschte. Sie lachte, sie weinte, sie kämpfte gegen den Drachen – ganz so, wie sie es geübt hatte. Ihr Lampenfieber war wie weggeblasen, und an seine Stelle trat die pure Freude am Spielen.
Als das Stück zu Ende war, brandete tosender Applaus auf. Alle standen auf und klatschten für Mira. Sie verbeugte sich strahlend, das Herz voller Glück und Stolz. „Ich habe es geschafft!“, dachte sie. „Ich hatte solche Angst, und es ist trotzdem wunderbar geworden.“ Frau Berg zwinkerte ihr stolz von der Seite zu.
Am Abend, müde und überglücklich, kuschelte sich Mira ins Bett. Sie dachte an den Applaus und an das schöne Gefühl auf der Bühne. „Lampenfieber bedeutet nur, dass mir etwas wichtig ist“, dachte sie zufrieden. „Und ich muss nur den Mut haben, anzufangen.“ Mit einem glücklichen Lächeln schlief sie ein. Gute Nacht, kleine Mira.
