Mia liebte es, Klavier zu spielen. Wochenlang hatte sie für das große Schulkonzert geübt, und sie konnte ihr Stück fast im Schlaf. Doch je näher der Auftritt rückte, desto nervöser wurde sie. „Vor so vielen Leuten spielen“, dachte sie, und ihr Bauch zog sich zusammen. „Was, wenn ich mich verspiele? Was, wenn ich meinen Einsatz vergesse?“
Am Abend des Konzerts saß Mia hinter der Bühne und wartete. Durch den Vorhang sah sie die vielen Zuschauer im Saal. Ihre Hände wurden ganz kalt, und ihr Herz klopfte wild. „Ich kann das nicht“, flüsterte sie. „Mir ist auf einmal alles entfallen.“ Am liebsten wäre sie davongelaufen.
Ihre Klavierlehrerin, Frau Hell, bemerkte Mias Angst und setzte sich zu ihr. „Lampenfieber, hm?“, sagte sie freundlich. Mia nickte. „Ich habe solche Angst, einen Fehler zu machen.“ Frau Hell lächelte. „Das geht fast jedem Musiker so, sogar den größten. Atme einmal tief durch. Und denk daran: Du hast so fleißig geübt. Deine Finger kennen das Stück ganz genau.“
„Stell dir vor“, sagte Frau Hell, „du spielst nur für dich, so wie zu Hause. Die Menschen im Saal freuen sich auf deine Musik. Sie sind nicht da, um dich zu bewerten, sondern um deine schöne Musik zu hören.“ Mia atmete tief ein und langsam aus. Sie dachte an all die Stunden, die sie geübt hatte. „Ich versuche es“, sagte sie tapfer.
Dann war Mia an der Reihe. Mit weichen Knien ging sie zum großen Flügel und setzte sich. Für einen Moment war ihr Kopf ganz leer, und die Angst kroch wieder hoch. Doch dann legte sie ihre Finger auf die Tasten – und auf einmal erinnerten sich ihre Hände an jeden Ton. Sie spielte den ersten Akkord, und die Musik begann zu fließen.
Mit jedem Ton wurde Mia sicherer. Die schöne Melodie erfüllte den ganzen Saal, und Mia vergaß ihre Angst. Sie spielte mit dem Herzen, mal sanft und leise, mal kräftig und voll. Ihre Finger tanzten über die Tasten, und die Musik klang wunderschön. Im Saal war es ganz still – alle lauschten gebannt.
Als Mia den letzten Ton spielte und die Hände hob, brach im Saal tosender Applaus aus. Alle klatschten und einige standen sogar auf. Mia stand auf und verbeugte sich, das Herz voller Glück und Stolz. „Ich habe es geschafft!“, dachte sie. „Ich hatte solche Angst, und es ist trotzdem wunderschön geworden.“ Frau Hell strahlte sie stolz an.
Am Abend, müde und überglücklich, kuschelte sich Mia ins Bett. Die schöne Melodie klang noch in ihr nach. „Lampenfieber bedeutet nur, dass mir etwas wichtig ist“, dachte sie zufrieden. „Und ich muss nur den Mut finden, anzufangen.“ Mit einem glücklichen Lächeln schlief Mia ein. Gute Nacht, kleine Mia.
