Das kleine Löwenjunge Taru war tagsüber ein mutiger kleiner Kerl. Er tollte durch die Savanne, jagte Schmetterlinge und fürchtete sich vor nichts. Doch sobald die Sonne unterging und es dunkel wurde, war es mit Tarus Mut vorbei. „Mama“, flüsterte er und drückte sich ganz nah an seine Mutter. „Es ist so dunkel. Ich habe Angst.“
Mama Löwin zog Taru sanft an ihre warme Seite. „Wovor hast du denn Angst, mein Schatz?“, fragte sie liebevoll. „Vor dem Dunkeln“, flüsterte Taru. „Man kann gar nichts sehen. Und überall könnten gruselige Dinge sein.“ Mama leckte ihm sanft über den Kopf. „Komm, mein Kleiner“, sagte sie. „Ich zeige dir, wie schön und freundlich die Nacht in Wirklichkeit ist.“
Sie führte Taru auf einen kleinen Hügel und legte sich mit ihm ins weiche Gras. „Schau einmal nach oben“, sagte Mama. Taru blickte zum Himmel. Über ihm funkelten unzählige Sterne, mehr, als er je gesehen hatte. „Oh“, staunte Taru. „So viele Sterne!“ „Siehst du“, sagte Mama. „Im Dunkeln kann man die Sterne erst richtig sehen. Am Tag sind sie da, aber das helle Sonnenlicht überstrahlt sie. Erst die Nacht zeigt sie uns.“
„Und schau, dort“, fuhr Mama fort und deutete auf den Mond, der groß und silbern über der Savanne stand. „Der Mond ist das große Nachtlicht. Er leuchtet die ganze Nacht über uns und passt auf alle auf, die schlafen. Solange der Mond scheint, brauchst du dich nie zu fürchten.“ Taru betrachtete den freundlichen Mond, und tatsächlich – er fühlte sich gleich ein bisschen sicherer.
„Hör jetzt einmal ganz genau hin“, flüsterte Mama. Taru spitzte die Ohren. Er hörte das sanfte Zirpen der Grillen, das leise Rascheln des warmen Windes im Gras und ganz in der Ferne den ruhigen Ruf eines Nachtvogels. „Das sind die Geräusche der Nacht“, sagte Mama. „Sie sind nicht gruselig. Sie sind das Schlaflied der Savanne. All die Tiere, die du hörst, machen es sich gerade gemütlich, genau wie wir.“
Taru lauschte den sanften Geräuschen. Sie klangen wirklich ganz friedlich, fast wie eine leise Melodie. „Die Nacht ist gar nicht böse“, sagte er langsam. „Sie ist eigentlich ganz ruhig und schön.“ Mama schnurrte. „So ist es, mein Schatz. Die Dunkelheit versteckt nichts Gruseliges. Sie hüllt die ganze Welt nur in eine weiche, dunkle Decke, damit alle gut schlafen können.“
„Und weißt du, was das Allerschönste an der Nacht ist?“, fragte Mama. Taru schüttelte den Kopf. „Dass wir ganz nah zusammenkuscheln können, während draußen alles still und friedlich ist. Spürst du, wie warm und sicher du bei mir bist?“ Taru drückte sich an Mamas weiches, warmes Fell. Ja, er fühlte sich warm und sicher und geborgen. Seine Angst war fast ganz verschwunden.
Sie gingen zurück zu ihrem gemütlichen Schlafplatz, und Taru kuschelte sich tief an seine Mutter. Über ihm leuchteten der Mond und die Sterne, die Grillen zirpten ihr sanftes Lied, und der warme Wind strich beruhigend durchs Gras. Tarus Augenlider wurden schwer. „Die Nacht ist doch schön“, murmelte er verschlafen.
„Schlaf gut, mein tapferes Löwenkind“, flüsterte Mama und legte schützend ihre Pranke um ihn. Und während der freundliche Mond über der Savanne wachte und die Sterne sanft funkelten, schlief das kleine Löwenjunge Taru ganz ohne Angst und voller Geborgenheit ein. Schlaf gut, Taru. Träum schön unter dem Sternenhimmel. Gute Nacht.
