Neben Lina wohnte eine alte Dame namens Frau Müller. Frau Müller war schon sehr betagt und konnte nicht mehr so gut laufen. Eines Tages sah Lina, wie Frau Müller mühsam ihre schwere Einkaufstasche die Treppe hinauftrug und dabei ganz außer Atem geriet. „Das sieht anstrengend aus“, dachte Lina. „Vielleicht kann ich ihr helfen.“
Lina ging zu Frau Müller. „Darf ich Ihnen die Tasche tragen?“, fragte sie freundlich. Frau Müller schaute überrascht und dann erfreut. „Oh, das wäre lieb von dir, Lina. Vielen Dank.“ Lina nahm die schwere Tasche und trug sie bis vor Frau Müllers Tür. Frau Müller lächelte dankbar. „Du hast mir sehr geholfen.“
Lina merkte, wie gut es sich anfühlte, geholfen zu haben. Von da an schaute sie öfter bei Frau Müller vorbei. Sie holte für sie Brötchen vom Bäcker, brachte die Post nach oben und half ihr beim Gießen der Blumen auf dem Balkon. Jedes Mal freute sich Frau Müller sehr, und Lina freute sich mit.
„Weißt du, Lina“, sagte Frau Müller eines Tages, „seit mein Mann nicht mehr da ist, bin ich oft allein. Deine Besuche machen mir eine so große Freude.“ Lina setzte sich zu ihr, und Frau Müller erzählte spannende Geschichten von früher. Lina hörte gebannt zu. Aus der Hilfe war eine richtige Freundschaft geworden.
Eines Tages half Lina Frau Müller, ein paar Blumen im kleinen Garten zu pflanzen. Gemeinsam gruben sie Löcher, setzten die Samen ein und gossen sie. „Im Frühling werden hier bunte Blumen blühen“, sagte Frau Müller glücklich. „Und das verdanke ich dir, liebe Lina.“ Lina war stolz und froh.
Linas Mama bemerkte, wie hilfsbereit ihre Tochter war. „Das ist sehr lieb von dir, Lina“, sagte sie. „Du machst Frau Müller mit deiner Hilfe so glücklich.“ Lina lächelte. „Und weißt du was, Mama? Es macht mich auch glücklich. Wenn ich Frau Müller helfe und sie sich freut, dann freue ich mich auch.“
Lina hatte etwas Wichtiges gelernt: Anderen zu helfen und eine Freude zu machen, macht einen selbst glücklich. „Helfen fühlt sich gut an“, dachte sie. Von da an half sie nicht nur Frau Müller, sondern auch anderen, wo sie konnte – und ihr Herz wurde dabei jedes Mal ganz warm.
Am Abend, nach einem schönen Tag, kuschelte sich Lina zufrieden ins Bett. Sie dachte an Frau Müllers dankbares Lächeln und an die Blumen, die bald blühen würden. „Anderen zu helfen ist das Schönste“, dachte sie glücklich. Mit einem warmen Gefühl im Herzen schlief Lina zufrieden ein. Gute Nacht, liebe Lina.
