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Lena und der große Hund

Mut machen · Gefühle (Wut/Angst)ab 5 5 Min.
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Lena hatte vor vielem keine Angst – nicht vor der Dunkelheit, nicht vor Gewitter. Aber vor Hunden, da bekam sie es jedes Mal mit der Angst zu tun. Wenn ihr auf der Straße ein Hund entgegenkam, drückte sie sich ganz fest an Mama und wäre am liebsten weggelaufen. Besonders vor großen Hunden fürchtete sie sich. „Was, wenn er mich beißt?“, dachte sie dann immer.

Eines Tages bekam die nette Nachbarin Frau Berg einen Hund. Er hieß Balu, war groß und hatte ein zotteliges braunes Fell. Als Lena ihn das erste Mal sah, erschrak sie und versteckte sich hinter Mama. „Der ist ja riesig!“, flüsterte sie ängstlich. Frau Berg lächelte freundlich. „Keine Sorge, Lena“, sagte sie. „Balu ist ganz lieb und sanft. Er tut keiner Fliege etwas zuleide.“

Mama nahm Lena an die Hand. „Ich verstehe, dass du Angst hast“, sagte sie. „Aber weißt du, die meisten Hunde sind freundlich, vor allem wenn man sie richtig behandelt. Wollen wir Balu ganz langsam und vorsichtig kennenlernen? Du musst gar nichts tun, was du nicht möchtest. Wir gehen Schritt für Schritt.“ Lena war unsicher, aber Mamas Hand fühlte sich sicher an, und Frau Berg war so freundlich.

„Schau“, sagte Frau Berg ruhig, „zuerst schauen wir Balu einfach nur an, aus sicherer Entfernung. Siehst du, wie ruhig er daliegt und mit dem Schwanz wedelt? Das bedeutet, dass er sich freut und friedlich ist.“ Lena beobachtete den Hund aus der Ferne. Tatsächlich lag Balu ganz entspannt da und wedelte sanft mit dem Schwanz. Er sah gar nicht gefährlich aus, eher gemütlich.

„Möchtest du ein bisschen näher kommen?“, fragte Frau Berg. Lena zögerte, machte dann aber einen kleinen Schritt nach vorne, immer noch an Mamas Hand. Balu blieb ruhig liegen und schaute Lena mit seinen freundlichen braunen Augen an. „Er hat ja ganz sanfte Augen“, sagte Lena leise und staunte. „Ja“, sagte Frau Berg. „Balu mag Kinder sehr gern.“

„Wenn du magst“, sagte Frau Berg, „kannst du Balu deine Hand hinhalten, damit er an dir schnuppern kann. So lernen Hunde dich kennen. Halte die Hand einfach ruhig hin, mit der flachen Seite.“ Lenas Herz klopfte, aber sie wollte mutig sein. Ganz langsam streckte sie ihre Hand aus. Balu schnupperte vorsichtig daran, seine Nase war feucht und kitzelte ein bisschen. Lena kicherte. „Das kitzelt!“

„Er mag dich“, sagte Frau Berg und lächelte. „Möchtest du ihn vielleicht ganz sanft streicheln? Am besten am Rücken oder an der Seite.“ Lena schaute zu Mama, die ihr aufmunternd zunickte. Vorsichtig legte Lena ihre Hand auf Balus weiches Fell und streichelte ihn ganz sanft. Es fühlte sich warm und kuschelig an. Balu schloss zufrieden die Augen und seufzte wohlig. „Oh“, sagte Lena, „er ist ja ganz weich und lieb!“

Je länger Lena Balu streichelte, desto mehr verschwand ihre Angst. Balu lehnte sich sogar sanft an sie und genoss die Streicheleinheiten. Lena merkte, dass er ihr überhaupt nichts tun wollte – im Gegenteil, er war freundlich und freute sich über ihre Nähe. „Du bist ja ein lieber Hund, Balu“, sagte sie und kraulte ihn hinter den Ohren. Balu wedelte glücklich mit dem Schwanz.

„Weißt du, Lena“, sagte Frau Berg, „es ist klug, vor fremden Hunden vorsichtig zu sein. Du solltest immer erst den Besitzer fragen, bevor du einen Hund streichelst, und einem Hund nie zu nahe kommen, wenn er frisst oder schläft. Aber die meisten Hunde sind so lieb wie Balu.“ Lena nickte. Sie hatte etwas Wichtiges gelernt: vorsichtig sein, ja – aber sich nicht von der Angst beherrschen lassen.

Von diesem Tag an freute sich Lena sogar, wenn sie Balu und Frau Berg traf. Sie durfte ihn oft streicheln und ihm manchmal sogar ein Leckerli geben. Ihre große Angst vor Hunden war zwar nicht völlig verschwunden – bei fremden Hunden war sie weiter vorsichtig –, aber sie wusste jetzt: Ein Hund ist nicht gleich gefährlich. Und ihren Mut hatte sie ganz allein gefunden, Schritt für Schritt.

„Ich hatte solche Angst vor Balu“, sagte Lena auf dem Heimweg zu Mama, „und jetzt mag ich ihn richtig gern.“ Mama drückte sie. „Ich bin so stolz auf dich“, sagte sie. „Du warst sehr mutig. Du bist deiner Angst Schritt für Schritt begegnet, ganz vorsichtig, und hast einen neuen Freund gefunden.“ Lena strahlte. Sie fühlte sich stark und mutig.

Am Abend, im Bett, dachte Lena an Balus weiches Fell und seine sanften Augen. „Morgen besuche ich ihn wieder“, dachte sie glücklich. Mama gab ihr einen Gutenachtkuss. „Schlaf gut, meine Mutige“, sagte sie. Die Sterne funkelten vor dem Fenster, und mit einem warmen Gefühl im Herzen – und stolz auf ihren Mut – schlief Lena zufrieden ein. Schlaf gut, Lena. Gute Nacht.