Lena liebte das Schwimmbad – jedenfalls den Teil, in dem das Wasser nur bis zu den Knien reichte. Dort planschte sie fröhlich herum. Doch vor dem großen Becken, in dem man richtig schwimmen konnte, hatte sie großen Respekt. „Da ist das Wasser so tief“, sagte sie. „Was, wenn ich untergehe?“
An diesem Tag wollte ihr Papa ihr das Schwimmen beibringen. „Komm, Lena“, sagte er freundlich und hielt ihr die Hand hin. „Wir gehen ganz langsam, Schritt für Schritt. Und ich lasse dich kein einziges Mal los, versprochen.“ Lena schaute unsicher auf das große Becken. Aber Papas Hand fühlte sich sicher an.
Vorsichtig stiegen sie die Treppe ins Wasser. Erst bis zu den Knien – das kannte Lena. Dann bis zum Bauch. Lena klammerte sich an Papas Arm. „Ich bin direkt bei dir“, sagte er ruhig. „Spür mal, wie das Wasser dich trägt.“ Lena hüpfte ein bisschen und merkte: Das Wasser schob sie sanft nach oben.
„Jetzt machen wir die Seesterne“, sagte Papa. „Leg dich ganz flach aufs Wasser, ich halte dich die ganze Zeit unter dem Rücken.“ Lena zögerte, doch sie vertraute ihrem Papa. Sie legte sich zurück, und Papas starke Hände hielten sie. Sie trieb auf dem Wasser, die Arme ausgebreitet wie ein Stern. „Ich schwimme ja fast!“, lachte sie.
„Und jetzt die Beine, wie ein Frosch“, sagte Papa. Lena strampelte, erst ungeschickt, dann immer besser. Papa hielt sie noch, doch er merkte, wie sie sicherer wurde. „Du machst das großartig“, lobte er. Lenas Angst wurde mit jedem Mal kleiner, und der Spaß wurde größer.
„Traust du dich, ein kleines Stück allein zu schwimmen?“, fragte Papa. „Ich stehe direkt vor dir, nur drei Armlängen entfernt.“ Lena schluckte. Drei Armlängen ohne Halt. Ihr Herz klopfte. Aber sie dachte: „Papa ist ja gleich da.“ Sie holte tief Luft und paddelte los.
Ein Arm, ein Beinschlag, noch einer – und schon griffen ihre Hände nach Papa, der strahlend die Arme ausbreitete. „Du bist geschwommen! Ganz allein!“, jubelte er und wirbelte sie durch die Luft. Lena konnte es kaum glauben. „Ich bin geschwommen!“, rief sie überglücklich. „Ich hab mich getraut!“
Den ganzen Nachmittag übte Lena weiter, mal mit Papas Hilfe, mal ein kleines Stück allein, jedes Mal ein bisschen mutiger. Aus dem tiefen Wasser, das ihr eben noch Angst gemacht hatte, war ein großer Spaß geworden.
Am Abend, müde und mit ganz verknitterten Fingern, kuschelte sich Lena ins Bett. „Heute habe ich schwimmen gelernt“, dachte sie stolz. „Ich war erst ängstlich, aber ich hab mich Schritt für Schritt getraut.“ Glücklich schloss sie die Augen und träumte vom Wasser, das sie sanft trug. Gute Nacht, mutige Lena.
