Der kleine Kobold Tilli war neu in den großen Wald gezogen. Alles war hier fremd: die Bäume, die Wege, die anderen Waldbewohner. Tilli kannte niemanden, und das machte ihn traurig. „In meinem alten Wald hatte ich so viele Freunde“, seufzte er. „Hier kenne ich keinen einzigen.“ Schüchtern lugte er aus seiner neuen Höhle und beobachtete die anderen.
Tilli sah einen anderen kleinen Kobold, der fröhlich Pilze sammelte und dabei vor sich hin summte. „Wie gern würde ich mitmachen“, dachte Tilli sehnsüchtig. Aber er traute sich nicht. „Was, wenn er mich nicht mag?“, dachte er. „Was, wenn ich störe?“ Also blieb er in seiner Höhle und schaute nur zu.
Die alte Kobold-Oma, bei der Tilli wohnte, bemerkte seine Einsamkeit. „Warum gehst du nicht hinaus und lernst die anderen kennen?“, fragte sie. „Ich trau mich nicht“, gestand Tilli. „Ich kenne sie ja gar nicht.“ Oma lächelte. „Weißt du, wie man jemanden kennenlernt? Ganz einfach: Man geht hin und sagt freundlich Hallo. Das ist der erste Schritt zu jeder Freundschaft.“
Tilli schluckte. Sein Herz klopfte, aber er fasste sich ein Herz. Langsam ging er hinaus zu dem Kobold, der Pilze sammelte. „H-hallo“, sagte er schüchtern. „Ich bin Tilli. Ich bin neu hier im Wald.“ Der andere Kobold schaute auf und strahlte. „Hallo, Tilli! Schön, dass du da bist! Ich bin Bommel. Magst du mir beim Pilzesammeln helfen?“
Tilli konnte sein Glück kaum fassen. „Wirklich? Das würde ich gern!“ Und schon sammelten die beiden gemeinsam Pilze, lachten und plauderten. Bommel zeigte Tilli die besten Pilzplätze, die geheimsten Verstecke und die schönsten Ecken des Waldes. Tilli merkte, dass der neue Wald gar nicht so fremd war, sondern voller schöner Orte.
„Es war gar nicht schwer, einen Freund zu finden“, dachte Tilli glücklich. „Ich musste mich nur trauen, Hallo zu sagen.“ Den ganzen Tag verbrachten die beiden Kobolde zusammen. Sie bauten ein kleines Pilzhäuschen, spielten Verstecken und kugelten lachend einen Moosshügel hinunter. Tilli fühlte sich zum ersten Mal seit dem Umzug wieder richtig wohl.
Am Abend, als es Zeit war zu gehen, fragte Bommel: „Spielst du morgen wieder mit?“ „Sehr gern!“, rief Tilli strahlend. Glücklich kehrte er in seine Höhle zurück, wo die Kobold-Oma schon wartete. „Na, war es so schlimm?“, fragte sie lächelnd. „Überhaupt nicht“, sagte Tilli. „Ich habe einen Freund gefunden!“
Tilli kuschelte sich zufrieden in sein weiches Moosbett. Der neue Wald fühlte sich auf einmal gar nicht mehr fremd an, sondern wie ein Zuhause. „Morgen treffe ich Bommel wieder“, dachte er glücklich. „Und vielleicht lerne ich noch mehr Waldbewohner kennen.“
Der Mond schien durch die Wurzeln in die Höhle, der Wald rauschte sanft, und mit einem warmen Herzen voller neuer Freundschaft schlief der kleine Kobold Tilli zufrieden ein. „Hallo sagen ist gar nicht so schwer“, dachte er noch, „und dahinter wartet oft ein neuer Freund.“ Schlaf gut, Tilli. Gute Nacht.
