Der kleine Kobold Pips war bekannt dafür, dass er alles wiederfinden konnte, was verlorengegangen war. Eines Morgens kam das Eichhörnchen Nucki ganz verzweifelt zu ihm gehüpft. „Pips, bitte hilf mir!“, rief es. „Ich habe den kleinen Schlüssel zu meiner Vorratskammer verloren, in der all meine Nüsse für den Winter liegen! Ohne den Schlüssel komme ich nicht an mein Futter.“
„Keine Sorge“, sagte Pips. „Ich helfe dir suchen. Erzähl mir, wo du heute überall warst.“ Nucki überlegte. „Ich war am Bach, auf der Lichtung und oben im hohen Ahornbaum“, sagte es. „Aber ich habe überall schon gesucht und nichts gefunden.“ Pips rückte seine grüne Zipfelmütze zurecht. „Dann suchen wir eben noch einmal ganz genau“, sagte er. „Verlorenes findet man oft erst beim zweiten Hinschauen.“
Zuerst gingen sie zum Bach. Pips schaute ganz genau zwischen die Steine und ins flache Wasser, doch der Schlüssel war nicht da. Dann gingen sie zur Lichtung und durchsuchten das hohe Gras, Halm für Halm. Auch hier nichts. „Vielleicht finde ich ihn nie wieder“, seufzte Nucki traurig. Doch Pips ließ sich nicht entmutigen. „Wir haben noch den Ahornbaum“, sagte er. „Komm, nicht aufgeben.“
Der hohe Ahornbaum machte Pips ein bisschen Angst, denn er war wirklich sehr hoch, und Pips war ein kleiner Kobold. Doch er dachte an Nucki und seine leere Vorratskammer und fasste sich ein Herz. „Für meinen Freund klettere ich da hinauf“, sagte er tapfer. Vorsichtig kletterte Pips den Stamm hinauf, Ast für Ast, immer höher.
Oben im Baum, in einer Astgabel, entdeckte Pips etwas Glänzendes. Es war der kleine Schlüssel! Er war Nucki aus der Tasche gerutscht, als es dort oben gesessen hatte. „Ich hab ihn!“, rief Pips freudig hinunter. „Dein Schlüssel ist hier oben!“ Vorsichtig steckte er den Schlüssel ein und kletterte wieder hinab, ganz langsam und sicher.
Unten angekommen, überreichte Pips dem Eichhörnchen den verlorenen Schlüssel. „Mein Schlüssel!“, jubelte Nucki und drückte Pips vor Freude. „Du hast ihn gefunden! Und du bist extra den hohen Baum hinaufgeklettert, obwohl das gefährlich war!“ Pips lächelte. „Für einen Freund klettert man auch auf den höchsten Baum“, sagte er bescheiden.
Nucki war überglücklich und dankbar. „Komm“, sagte es, „zum Dank lade ich dich zu den schönsten Nüssen aus meiner Vorratskammer ein!“ Und so saßen die beiden Freunde zusammen und ließen sich die leckersten Nüsse schmecken. „Danke, Pips“, sagte Nucki immer wieder. „Du hast nicht aufgegeben und warst so mutig.“
Pips war stolz auf sich. Er hatte nicht aufgegeben, war über seine Angst hinausgewachsen und hatte seinem Freund geholfen. „Wenn man nicht aufgibt und genau hinschaut“, sagte er, „dann findet man fast alles wieder.“ Und Nucki nickte mit vollen Backen.
Am Abend, müde vom vielen Suchen und Klettern, kuschelte sich Pips in sein weiches Moosbett unter den Wurzeln. „Heute habe ich einem Freund geholfen“, dachte er zufrieden. Der Mond schien durch die Blätter, der Wald rauschte leise, und mit einem warmen, mutigen Herzen schlief der kleine Kobold Pips zufrieden ein. Schlaf gut, Pips. Gute Nacht.
