Die kleine Katze Luzie liebte es zu spielen, und am allerliebsten spielte sie mit einem roten Wollknäuel. Sie jagte es durch die ganze Wohnung, schlug es mit den Pfoten und kullerte sich darin ein. Eines Tages aber wurde Luzie besonders übermütig. Sie packte das Ende des roten Fadens und sauste damit los, durch das ganze Haus.
Der Faden wickelte sich um die Stuhlbeine, schlang sich um die Tischbeine, zog sich quer durchs Wohnzimmer und verhedderte sich in den Vorhängen. Luzie raste immer weiter, kreuz und quer, und der rote Faden zog hinter ihr her und verknotete sich überall. Als Luzie endlich anhielt, war die ganze Wohnung von einem wirren roten Fadengewirr durchzogen.
Luzie schaute sich um und erschrak. „Oje“, dachte sie. „Was habe ich da nur angerichtet?“ Überall hingen rote Fäden, alles war verheddert und verknotet. Es sah aus wie ein riesiges Spinnennetz. Luzie bekam ein schlechtes Gewissen. „Das wollte ich gar nicht“, sagte sie kleinlaut. „Ich habe einfach nicht aufgepasst.“
Die alte Katze Minka, die im Haus wohnte, kam herein und betrachtete das Durcheinander. Luzie machte sich ganz klein. „Bist du böse auf mich, Minka?“, fragte sie ängstlich. Minka schüttelte ruhig den Kopf. „Böse bin ich nicht“, sagte sie. „Jeder macht mal aus Versehen Unordnung. Aber weißt du, was jetzt wichtig ist? Dass wir es wieder in Ordnung bringen.“
„Aber das ist so viel“, seufzte Luzie und schaute auf das gewaltige Fadengewirr. „Das schaffe ich nie.“ Minka lächelte. „Doch, das schaffst du. Wir fangen einfach bei einem Ende an und wickeln den Faden Stück für Stück wieder auf. Und weißt du was? Aufräumen kann sogar Spaß machen, wenn man es zusammen tut.“ Sie reichte Luzie das eine Fadenende.
Und so begannen die beiden Katzen, den roten Faden wieder aufzuwickeln. Sie entwirrten ihn von den Stuhlbeinen, zogen ihn aus den Vorhängen und lösten Knoten um Knoten. Tatsächlich – nach einer Weile machte es Luzie richtig Freude, zuzusehen, wie aus dem wirren Durcheinander langsam wieder ein ordentliches Knäuel wurde. „Es wird ja wieder gut!“, rief sie staunend.
Mit jedem Stück, das sie aufwickelten, wurde die Wohnung wieder ordentlicher und Luzies Herz leichter. „Siehst du“, sagte Minka, „ein Missgeschick ist nicht schlimm, solange man bereit ist, es wieder in Ordnung zu bringen.“ Endlich war der ganze Faden zu einem schönen, runden Knäuel aufgewickelt, und die Wohnung sah wieder aus wie zuvor.
Luzie betrachtete stolz das ordentliche rote Knäuel. „Das fühlt sich gut an“, sagte sie. „Viel besser, als wegzulaufen und das Durcheinander liegen zu lassen.“ Minka schnurrte. „Genau. Und jetzt“, fügte sie augenzwinkernd hinzu, „können wir ganz vorsichtig wieder damit spielen – aber diesmal passen wir besser auf.“ Luzie kicherte und versprach es.
Am Abend, nach dem schönen Aufräumen und dem vorsichtigen Spielen, rollte sich Luzie müde neben dem roten Knäuel zusammen. „Heute habe ich gelernt, einen Fehler wiedergutzumachen“, dachte sie zufrieden. Das Haus war aufgeräumt und still, die Sterne schienen durchs Fenster, und mit einem guten Gefühl im Bauch schlief die kleine Katze Luzie sanft ein. Schlaf gut, Luzie. Gute Nacht.
