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Kater Moritz und die kleine Maus

Freundschaft · Dankbarkeitab 5 4 Min.
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Kater Moritz war ein stattlicher Kater, der in einer alten Scheune wohnte. Tagsüber döste er gern in der Sonne, doch eines machte ihm besonderen Spaß: das Mäusejagen. In der Scheune wohnte eine kleine Maus namens Mini, und Moritz jagte sie durch Heu und Stroh, wann immer er sie erblickte. „Eines Tages erwische ich dich!“, rief er ihr nach. Mini aber war flink und entwischte ihm jedes Mal.

„Warum jagst du mich nur immerzu?“, rief Mini ihm aus einem sicheren Mauseloch zu. „Ich habe dir doch nichts getan.“ Moritz zuckte mit den Schultern. „Das machen Katzen eben so“, brummte er. „Katzen jagen Mäuse.“ Mini schüttelte traurig den Kopf. „Dabei könnten wir doch auch einfach Freunde sein“, sagte sie leise und verschwand in ihrem Loch.

Eines Tages aber geriet Moritz selbst in Not. Beim Herumstreifen auf dem Dachboden der Scheune trat er auf ein morsches Brett. Es brach, und Moritz' Pfote rutschte in eine schmale Spalte zwischen den Balken und steckte fest. So sehr er auch zog und zerrte – er kam nicht mehr frei. „Hilfe!“, miaute er kläglich. „So helfe mir doch jemand!“

Doch niemand kam. Die anderen Tiere waren weit weg, und Moritz steckte mutterseelenallein fest. Seine Pfote tat weh, und langsam bekam er es mit der Angst zu tun. „Was soll nur aus mir werden?“, jammerte er. Da hörte er ein leises Tippeln. Aus einer Ritze lugte Mini, die kleine Maus, hervor. Sie hatte sein Miauen gehört.

Moritz schämte sich. „Mini“, sagte er kleinlaut. „Ich habe dich so oft gejagt. Und jetzt brauche ich ausgerechnet deine Hilfe.“ Mini schaute ihn einen Moment lang an. Dann huschte sie zu seiner eingeklemmten Pfote. „Keine Sorge“, sagte sie. „Ich helfe dir trotzdem.“ Moritz konnte es kaum glauben. „Wirklich? Nach allem?“ Mini nickte nur und machte sich ans Werk.

Mit ihren scharfen, kleinen Zähnen begann Mini, an dem morschen Holz rund um Moritz' Pfote zu nagen. Knabber, knabber, knabber. Sie nagte und knabberte, bis das Holz nachgab und sich die Spalte ein winziges Stück weitete. „Versuch jetzt, deine Pfote herauszuziehen“, piepste sie. Moritz zog vorsichtig – und tatsächlich, seine Pfote glitt frei. „Ich bin frei!“, rief er erleichtert.

„Danke, Mini“, sagte Moritz beschämt und dankbar zugleich. „Du hast mir geholfen, obwohl ich immer so gemein zu dir war. Das war sehr großherzig von dir.“ Mini lächelte. „Ich habe doch gesagt, dass wir Freunde sein könnten“, sagte sie. „Und Freunde helfen einander.“ Moritz nickte langsam. „Du hast recht. Ich war dumm. Lass uns von jetzt an Freunde sein – keine Jagd mehr, das verspreche ich.“

Und Moritz hielt sein Versprechen. Nie wieder jagte er die kleine Maus. Stattdessen wurden die beiden unzertrennlich. Moritz teilte sein warmes Plätzchen mit Mini, und Mini zeigte ihm die geheimsten Winkel der Scheune. Die anderen Tiere staunten über das ungewöhnliche Paar – den großen Kater und die kleine Maus, die besten Freunde.

Am Abend, als es in der Scheune still und dunkel wurde, rollte sich Moritz im warmen Heu zusammen, und Mini kuschelte sich in sein weiches Fell. „Gut, dass du mir geholfen hast“, schnurrte Moritz schläfrig. „Gut, dass wir jetzt Freunde sind“, piepste Mini zufrieden. Durch die Dachluke schienen die Sterne herein, die Scheune war warm und friedlich, und eng aneinandergekuschelt schliefen der Kater und die Maus glücklich ein. Schlaf gut, Moritz. Schlaf gut, Mini. Gute Nacht.