Im Herbst war die kleine Igeldame Rosa sehr fleißig. Unter dem alten Apfelbaum hatte sie die schönsten, rotesten Äpfel gefunden und sie sorgsam zu ihrem Nest gerollt. „Was für ein schöner Vorrat“, freute sich Rosa und betrachtete stolz ihren kleinen Apfelberg. „Die sind alle für mich, für den Winter.“
Da kam ihr Freund, das kleine Eichhörnchen Filu, vorbei. Es sah müde und hungrig aus. „Hallo Rosa“, sagte Filu. „Oh, was für schöne Äpfel! Ich habe heute kaum etwas gefunden, und mein Bauch knurrt so. Würdest du mir vielleicht einen einzigen Apfel abgeben?“ Rosa zögerte und schob ihren Apfelhaufen ein Stück von Filu weg.
„Aber ich habe sie doch alle selbst gesammelt“, dachte Rosa. „Wenn ich teile, habe ich weniger für den Winter.“ Einen Moment lang wollte sie Filu wegschicken. Doch dann sah sie, wie hungrig und traurig ihr Freund aussah, und wie sehnsüchtig er auf die roten Äpfel schaute. Rosas Herz wurde ganz weich.
„Weißt du was?“, sagte Rosa und schob den Haufen wieder zurück. „Komm her, Filu. Ich habe so viele Äpfel gesammelt, dass ich sie allein gar nicht alle essen kann. Lass uns teilen.“ Filus Augen leuchteten. „Wirklich? Oh, danke, Rosa!“ Gemeinsam knabberten sie an einem saftigen, süßen Apfel, und Rosa merkte: Mit Filu schmeckte er viel besser als allein.
Sie erzählten sich Geschichten, lachten zusammen und hatten eine schöne Zeit. „Das ist viel netter als allein zu fressen“, sagte Rosa überrascht. „Ich dachte, Teilen macht mich ärmer. Aber jetzt habe ich Gesellschaft und einen fröhlichen Freund.“ Das warme Gefühl in ihrem Bauch war schöner als der größte Apfelvorrat der Welt.
„Geteilte Äpfel schmecken eben am besten“, sagte Filu mit vollen Backen. „Und weißt du was? Zum Dank zeige ich dir morgen einen Baum voller Bucheckern und Nüsse, den ich gefunden habe. Dann hast du noch mehr für den Winter.“ Rosa freute sich. So hatte ihr Teilen ihr am Ende sogar noch mehr Vorrat eingebracht.
Und tatsächlich – am nächsten Tag führte Filu sie zu einem Platz voller Leckereien, und gemeinsam sammelten sie genug für sie beide. „Siehst du?“, lachte Filu. „Zu zweit findet man mehr. Teilen lohnt sich gleich doppelt.“ Rosa nickte glücklich. Sie hatte einen guten Freund und gelernt, dass Großzügigkeit das Herz reich macht.
Von da an war Rosa die großzügigste Igeldame im ganzen Wald. Wenn sie etwas Schönes fand, teilte sie es gern, und nie wieder fraß sie allein bei ihrem Nest. „Geteilte Freude ist die schönste Freude“, sagte sie oft, und alle Tiere mochten sie dafür.
Am Abend, satt und zufrieden, kuschelte sich Rosa in ihr warmes Laubnest. „Heute habe ich gelernt zu teilen“, dachte sie glücklich, „und es hat sich so gut angefühlt.“ Die Sterne funkelten über dem herbstlichen Wald, ein milder Wind raschelte im Laub, und mit einem warmen, großzügigen Herzen schlief die kleine Igeldame Rosa zufrieden ein. Schlaf gut, Rosa. Gute Nacht.
