Es war Spätherbst geworden, und im Wald wurde es immer kälter. Die Blätter fielen von den Bäumen, und der kleine Igel Ignaz spürte, dass etwas anders war. „Mama“, fragte er, „warum bin ich nur immer so müde in letzter Zeit?“ Mama Igel lächelte. „Das ist ganz natürlich, mein Schatz“, sagte sie. „Der Winter kommt, und bald halten wir Igel unseren Winterschlaf.“
„Winterschlaf?“, fragte Ignaz. „Was ist das denn?“ „Im Winter wird es so kalt, und es gibt kaum noch Futter“, erklärte Mama. „Deshalb schlafen wir Igel den ganzen Winter über in einem warmen, gemütlichen Nest, bis der Frühling kommt und es wieder warm wird.“ Ignaz erschrak. „Den ganzen Winter? So lange? Aber … aber das ist ja ewig! Was, wenn ich nicht mehr aufwache?“
Mama Igel zog ihren ängstlichen kleinen Sohn sanft an sich. „Hab keine Angst, mein Schatz“, sagte sie liebevoll. „Der Winterschlaf ist etwas ganz Wunderbares und Sicheres. Du wirst ganz bestimmt wieder aufwachen, wenn der Frühling kommt – ausgeruht und bereit für viele neue Abenteuer. Komm, ich zeige dir, wie gemütlich wir uns unser Winterbett bauen.“
Gemeinsam sammelten sie weiches, trockenes Laub, Moos und Gräser und bauten daraus ein dickes, kuscheliges Nest unter einem dichten Busch, gut geschützt vor Wind und Kälte. „Schau“, sagte Mama, „so warm und weich. Hier sind wir den ganzen Winter über sicher und geborgen.“ Ignaz kuschelte sich probehalber hinein. Es war tatsächlich herrlich gemütlich und warm.
„Aber ist es nicht langweilig, so lange zu schlafen?“, fragte Ignaz. Mama schüttelte den Kopf. „Du wirst gar nichts davon merken, mein Schatz“, sagte sie. „Du schläfst einfach ganz tief und fest und träumst schöne Träume. Und während du schläfst, vergeht der kalte Winter draußen, ohne dass du frierst oder hungerst. Und eines Morgens wachst du auf, und der Frühling ist da.“
Das beruhigte Ignaz. „Und du bist die ganze Zeit bei mir?“, fragte er. „Wir Igel schlafen jeder in unserem eigenen Nest“, sagte Mama, „aber ich bin ganz in der Nähe. Und wenn du im Frühling aufwachst, sehen wir uns gleich wieder.“ Ignaz fühlte sich nun viel sicherer. Der Winterschlaf klang gar nicht mehr beängstigend, sondern eher wie eine lange, gemütliche Ruhepause.
Als die ersten kalten Nächte kamen, kuschelte sich Ignaz tief in sein warmes Laubnest. „Ich freue mich auf den Frühling“, sagte er verschlafen. „Und auf all die Abenteuer danach.“ Mama gab ihm einen sanften Stups. „Schlaf gut, mein kleiner Ignaz“, flüsterte sie. „Wenn du aufwachst, wird die Welt voller Sonne und Blumen sein.“
Ignaz rollte sich ganz fest zusammen in seinem weichen, warmen Nest. Draußen wurde es kalt und still, der erste Reif legte sich über den Wald, doch in seinem kuscheligen Bett war Ignaz mollig warm und geborgen. Seine Atemzüge wurden ganz langsam und tief, und eine wohlige, tiefe Müdigkeit breitete sich in ihm aus.
Und während der Winter sich leise über den Wald legte, schlief der kleine Igel Ignaz friedlich und ohne Angst in seinem warmen Nest ein, bereit, den ganzen Winter über schöne Träume zu träumen. „Bis zum Frühling“, flüsterte Mama von ihrem Nest aus. Schlaf gut, kleiner Ignaz. Träum schön vom Frühling. Gute Nacht.
