Hugo war ein kleiner, brauner Hund mit weichen Schlappohren und einem Schwänzchen, das nie stillhielt. Am liebsten ging er mit seiner Familie in den großen Park, wo es überall so wunderbar zu schnüffeln gab. An diesem Nachmittag war Hugo besonders aufgeregt, denn der Park war voller neuer, spannender Düfte.
Während sein Mädchen Lena einen Stock warf, entdeckte Hugo eine Spur, die zu verlockend war. Eine Schnüffelspur hierhin, eine dorthin – Hugo folgte seiner Nase immer weiter, über die Wiese, durch ein Gebüsch, um einen großen Baum herum. Er war so vertieft, dass er gar nicht merkte, wie weit er sich entfernte.
Als er endlich aufschaute, blieb ihm fast die Luft weg. Wo war Lena? Wo war seine Familie? Um ihn herum waren nur fremde Wege und fremde Bäume. „Hallo?“, bellte Hugo leise. Keine Antwort. Sein Schwänzchen sank herunter, und in seinem Bauch wurde es ganz flau. Hugo hatte sich verlaufen.
Eine kleine Träne glänzte in seinem Auge. „Ich will nach Hause“, winselte er. Doch dann schüttelte er sich. „Weinen hilft mir nicht weiter“, dachte er tapfer. „Ich bin ein kluger Hund. Ich finde bestimmt einen Weg.“ Er hob seine Nase in die Luft und schnupperte ganz konzentriert.
Da – ein vertrauter Duft! Ganz schwach, aber er war es: der Geruch von Lenas Spur, die sie auf dem Hinweg hinterlassen hatten. Hugo wedelte aufgeregt. „Meine Nase weiß den Weg!“, freute er sich. Schritt für Schritt folgte er der Spur, die Nase tief am Boden, ganz vorsichtig, um sie nicht zu verlieren.
Unterwegs kam er an einem großen Hund vorbei, der ihn neugierig beschnupperte. „Hast du dich verlaufen, Kleiner?“, fragte der große Hund freundlich. „Ja“, sagte Hugo, „aber ich folge der Spur meiner Familie.“ „Brav“, sagte der Große. „Lass dich nicht ablenken, dann findest du sicher nach Hause.“ Das machte Hugo Mut.
Weiter ging es, über die Wiese, durch das Gebüsch, um den großen Baum. Die Spur wurde stärker und stärker. Hugos Herz klopfte schneller, diesmal vor Freude. Und dann hörte er sie – eine vertraute Stimme, die rief: „Hugo! Hugo, wo bist du?“ Es war Lena!
Hugo bellte so laut er konnte und rannte los, so schnell ihn seine kurzen Beine trugen. Und da war sie: Lena, die in die Knie ging und die Arme ausbreitete. Hugo sprang ihr glücklich entgegen und leckte ihr das ganze Gesicht ab. „Da bist du ja!“, rief Lena erleichtert und drückte ihn fest. „Ich hab dich so vermisst!“
Auf dem Heimweg trottete Hugo dicht neben Lena, den Kopf hoch erhoben. Er hatte sich verlaufen und große Angst gehabt – aber er war ruhig geblieben und hatte den Weg selbst gefunden. Abends, satt und müde, rollte er sich in seinem Körbchen zusammen. „Morgen bleibe ich schön bei Lena“, dachte er und schlief mit einem zufriedenen Seufzer ein. Schlaf gut, kleiner Hugo.
