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Hirsch Finja traut sich über den Bach

Mut machen · Selbstvertrauenab 3 4 Min.
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Am Rand einer sonnigen Waldwiese lebte ein kleines Hirschkalb namens Finja. Auf der anderen Seite eines breiten, plätschernden Baches lag die schönste Wiese des ganzen Waldes, voller saftiger Kräuter und süßer Klee. Alle Hirsche sprangen mit einem eleganten Satz über den Bach hinüber. Alle – nur Finja nicht. Sie hatte Angst vor dem Sprung.

„Was ist, wenn ich ins Wasser falle?“, sagte sie ängstlich und blieb am Ufer stehen. „Der Bach ist so breit. Das schaffe ich nie.“ Die anderen jungen Hirsche grasten schon längst drüben auf der schönen Wiese. „Komm doch, Finja!“, riefen sie. Aber Finja schüttelte den Kopf und blieb traurig zurück.

Ihre große Schwester Mira kam zu ihr ans Ufer. „Hast du Angst?“, fragte sie sanft. Finja nickte. „Der Bach ist zu breit für mich.“ Mira lächelte. „Weißt du was? Du musst nicht gleich ganz hinüberspringen. Wir machen es Schritt für Schritt. Siehst du den großen Stein in der Mitte? Bis dahin springst du erst einmal. Das schaffst du bestimmt.“

Finja schaute auf den flachen Stein in der Mitte des Baches. Er war gar nicht so weit weg. „Vielleicht bis dahin“, sagte sie zögernd. „Ich pass auf dich auf“, versprach Mira. „Hol tief Luft, nimm ein bisschen Anlauf, und spring.“ Finjas Herz klopfte. Sie holte tief Luft, lief ein paar Schritte – und sprang. Mit allen vier Beinen landete sie sicher auf dem Stein.

„Ich hab's geschafft!“, rief Finja überrascht. „Ich stehe auf dem Stein!“ Mira jubelte. „Siehst du? Und jetzt ist die andere Seite ganz nah. Nur noch ein kleiner Sprung.“ Finja schaute zum Ufer hinüber. Von hier aus war es wirklich nur noch ein Katzensprung. „Das kann ich auch“, sagte sie, und diesmal zitterte ihre Stimme schon viel weniger.

Sie sammelte sich, machte sich bereit und sprang vom Stein hinüber ans andere Ufer. Weich landete sie im saftigen Gras. Geschafft! Finja stand auf der schönsten Wiese des Waldes, und ihr ganzer Körper kribbelte vor Stolz. „Ich habe es geschafft!“, rief sie, so laut sie konnte. „Ich bin über den Bach gesprungen!“

Die anderen jungen Hirsche kamen herbeigelaufen. „Toll, Finja!“, riefen sie. „Du hast dich getraut!“ Finja strahlte über das ganze Gesicht. Sie hatte solche Angst gehabt – und es trotzdem geschafft, ein kleines Stück nach dem anderen. „Es war gar nicht so schlimm, wie ich dachte“, sagte sie staunend zu Mira.

Mira stupste sie liebevoll. „So ist das oft“, sagte sie. „Die Angst ist meistens größer als das, wovor man Angst hat. Und wenn man es Schritt für Schritt versucht, wächst der Mut ganz von allein.“ Den ganzen Nachmittag tollte Finja über die schöne Wiese und sprang noch viele Male über den Bach, einfach weil es jetzt so viel Spaß machte.

Am Abend, müde und glücklich, legte sich Finja neben ihre Schwester ins weiche Moos. „Morgen springe ich wieder“, sagte sie verschlafen und stolz. „Und über einen noch breiteren Bach.“ Mira lachte leise. Die Sterne erschienen über dem Wald, der Bach plätscherte sanft sein Schlaflied, und voller Stolz auf sich selbst schlief das kleine Hirschkalb Finja zufrieden ein. Schlaf gut, Finja. Gute Nacht.