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Hirsch Bruno und der verirrte Fuchs

Freundschaft · Mut machenab 5 4 Min.
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Bruno war der größte Hirsch im ganzen Wald. Sein Geweih war breit und mächtig, und wenn er stolz durch die Bäume schritt, machten ihm alle Platz. Manche kleineren Tiere hatten sogar ein bisschen Angst vor ihm, denn er sah so groß und kräftig aus. Dabei war Bruno in Wahrheit das freundlichste Tier, das man sich vorstellen konnte.

Eines Abends kroch dichter, weißer Nebel durch den Wald. Er legte sich zwischen die Bäume, bis man kaum noch die Pfote vor Augen sah. Bruno schritt langsam und vorsichtig durch das milchige Weiß, als er ein leises, verzweifeltes Wimmern hörte. „Hallo?“, rief eine kleine, zittrige Stimme. „Ist da jemand? Ich finde meinen Bau nicht mehr.“

Bruno folgte der Stimme und fand einen kleinen Fuchs, der ganz allein und verängstigt im Nebel kauerte. Als der kleine Fuchs den riesigen Hirsch aus dem Nebel auftauchen sah, erschrak er und drückte sich an einen Baum. „Bitte tu mir nichts“, flüsterte er. Bruno blieb sofort stehen und senkte sanft seinen großen Kopf. „Keine Angst, Kleiner“, sagte er mit warmer Stimme. „Ich tu dir nichts. Ich möchte dir helfen.“

Der kleine Fuchs schaute ihn unsicher an. „Du bist so groß“, sagte er leise. „Ich dachte, große Tiere sind gefährlich.“ Bruno lächelte. „Groß zu sein bedeutet nicht, gefährlich zu sein“, antwortete er. „Es bedeutet, dass ich gut auf die Kleinen aufpassen kann. Komm, steig auf meinen Rücken, dann bringe ich dich nach Hause. Wo wohnst du denn?“

Der kleine Fuchs zögerte nur kurz, dann kletterte er auf Brunos breiten, warmen Rücken. „Mein Bau ist beim großen Felsen am Bach“, sagte er. Bruno nickte. „Den kenne ich gut. Halt dich fest.“ Langsam und vorsichtig schritt Bruno durch den dichten Nebel. Mit seinem mächtigen Geweih schob er sanft die Zweige beiseite, und mit seinen kräftigen Beinen fand er sicher den Weg, den der kleine Fuchs allein nie gefunden hätte.

Während sie durch den Nebel gingen, erzählte Bruno dem kleinen Fuchs Geschichten vom Wald, damit ihm die Angst verging. Bald lachte der Kleine schon wieder. „Du bist gar nicht gruselig“, kicherte er. „Du bist der netteste Hirsch der Welt.“ Bruno freute sich. „Siehst du“, sagte er, „man darf nicht vom Aussehen auf das Herz schließen.“

Endlich tauchte der große Felsen aus dem Nebel auf, und am Bach wartete schon die Fuchsmama, ganz krank vor Sorge. „Mein Kind!“, rief sie und drückte den Kleinen fest an sich. „Danke, lieber Hirsch, dass du ihn sicher nach Hause gebracht hast.“ Bruno senkte bescheiden den Kopf. „Das macht man doch“, sagte er freundlich.

Der kleine Fuchs sprang von Brunos Rücken und umarmte eines seiner großen Beine. „Du bist mein Freund jetzt“, sagte er strahlend. „Für immer.“ Bruno wurde ganz warm ums Herz. „Für immer“, antwortete er. Dann verabschiedete er sich und schritt langsam zurück in den Wald, der Nebel teilte sich vor ihm wie ein weicher Vorhang.

An seinem Schlafplatz unter den alten Buchen legte sich Bruno ins weiche Laub. Der Nebel hatte sich gelichtet, und die Sterne blinzelten zwischen den Ästen hervor. „Heute durfte ich groß und stark sein – für jemand Kleines“, dachte Bruno zufrieden. Mit einem warmen Gefühl im Herzen schloss der große Hirsch die Augen und schlief sanft ein. Schlaf gut, Bruno. Gute Nacht.