Am Rand eines großen Waldes wohnte eine freundliche Hexe namens Rosa. Rosa war eine gute Hexe, die ihre Zauberkraft am liebsten dazu benutzte, anderen zu helfen. Eines Abends, als die Sonne schon unterging, hörte Rosa beim Kräutersammeln ein leises Weinen tief aus dem Wald. „Da braucht jemand Hilfe“, dachte sie sofort und folgte dem Geräusch.
Zwischen den dunklen Bäumen fand Rosa ein kleines Kind, das sich verlaufen hatte. Es saß auf einem Baumstumpf, zitterte und weinte. „Ich finde den Weg nach Hause nicht mehr“, schluchzte das Kind. „Es wird dunkel, und ich habe mich ganz verirrt.“ Als es die Hexe mit dem spitzen Hut sah, erschrak es zuerst. „Bist … bist du eine böse Hexe?“
Rosa lächelte sanft und setzte sich neben das Kind. „Nein, mein Schatz“, sagte sie freundlich. „Ich bin eine gute Hexe. Ich möchte dir helfen, nach Hause zu finden. Hab keine Angst.“ Das Kind schaute in Rosas warme, freundliche Augen und fasste Vertrauen. „Wirklich? Du hilfst mir?“ „Aber natürlich“, sagte Rosa. „Komm, ich zaubere uns ein Licht, das uns den Weg zeigt.“
Rosa hob ihren Zauberstab und sprach einen Spruch. Sofort erschien ein kleines, warm leuchtendes Licht, das vor ihnen herschwebte. „Dieses Licht“, erklärte Rosa, „findet immer den Weg nach Hause. Wir müssen ihm nur folgen.“ Das Kind staunte über das freundliche Zauberlicht und fühlte sich gleich viel sicherer. „Wo wohnst du denn?“, fragte Rosa. „Im Dorf hinter dem Wald“, sagte das Kind.
Gemeinsam folgten sie dem schwebenden Zauberlicht durch den dunklen Wald. Rosa hielt das Kind sanft an der Hand, und damit ihm die Angst verging, erzählte sie ihm lustige Geschichten von ihren Zaubereien. Bald lachte das Kind schon wieder. „Du bist eine sehr nette Hexe“, sagte es. „Ich dachte, Hexen sind gruselig.“ Rosa lachte. „Manche Hexen sind eben einfach freundlich.“
Das Zauberlicht führte sie sicher durch den Wald, vorbei an raschelnden Büschen und über einen kleinen Bach. Wo der Weg dunkel und unheimlich war, leuchtete das Licht besonders hell. Schließlich lichtete sich der Wald, und vor ihnen erschienen die warmen Lichter des Dorfes. „Mein Dorf!“, rief das Kind freudig. „Da ist mein Zuhause!“
Am Rand des Dorfes warteten schon die Eltern des Kindes, die ganz krank vor Sorge gewesen waren. „Mein Kind!“, riefen sie und schlossen es in die Arme. „Wo warst du nur?“ Das Kind erzählte aufgeregt von der freundlichen Hexe Rosa, die es mit ihrem Zauberlicht sicher nach Hause gebracht hatte. „Vielen Dank, liebe Hexe!“, sagten die Eltern dankbar.
Rosa lächelte bescheiden. „Das mache ich doch gern“, sagte sie. „Ich konnte das Kind doch nicht allein im dunklen Wald lassen.“ Das Kind umarmte Rosa noch einmal. „Danke, Rosa“, sagte es. „Du bist die netteste Hexe der Welt.“ Rosa wurde ganz warm ums Herz, und ihr Zauberlicht leuchtete vor Freude besonders hell.
Auf dem Heimweg durch den nun vertrauten Wald war Rosa rundum glücklich. „Heute durfte ich jemandem helfen“, dachte sie zufrieden. Zu Hause angekommen, ließ sie ihr Zauberlicht sanft über ihrem Bett schweben wie ein kleines Nachtlicht und kuschelte sich ein. Der Mond schien durchs Fenster, der Wald rauschte leise, und mit einem warmen Herzen schlief die freundliche Hexe Rosa zufrieden ein. Schlaf gut, Rosa. Gute Nacht.
