Es war Trockenzeit in der Savanne, und das Futter war knapp geworden. Die Sonne hatte das Gras verdorrt, und die meisten Bäume hatten ihre Blätter verloren. Die junge Giraffe Mara suchte hungrig nach etwas Fressbarem. Endlich, hinter einem Hügel, entdeckte sie einen einzelnen Baum, der noch saftige grüne Blätter trug. „Endlich!“, freute sie sich.
Mara reckte ihren langen Hals und begann genüsslich zu fressen. Die Blätter waren frisch und saftig, und der Baum hatte mehr davon, als sie allein essen konnte. Gerade als sie sich richtig satt fressen wollte, hörte sie ein müdes Trompeten. Ein junger Elefant kam langsam des Weges, dünn und erschöpft von der langen Suche nach Futter.
„Oh“, sagte der Elefant, als er den grünen Baum sah, „so saftige Blätter habe ich seit Tagen nicht gesehen. Aber sie wachsen so hoch oben, dass ich mit meinem Rüssel nicht herankomme.“ Traurig schaute er nach oben. Mara hielt mitten im Fressen inne. Einen Moment lang dachte sie: „Wenn ich teile, habe ich selbst weniger.“
Doch dann sah sie den hungrigen, müden Elefanten, und ihr Herz wurde ganz weich. Sie schaute auf den Baum, der so viele Blätter trug, mehr als sie je allein fressen könnte. „Warte“, sagte Mara. „Ich pflücke dir welche herunter.“ Mit ihrem langen Hals pflückte sie große Büschel saftiger Blätter und ließ sie dem Elefanten hinunterfallen.
Der Elefant konnte sein Glück kaum fassen. „Du teilst mit mir?“, fragte er. „Aber natürlich“, sagte Mara. „Es ist genug für uns beide da.“ Dankbar fraß der Elefant die frischen Blätter, und Mara pflückte immer weiter und reichte sie ihm hinunter. Und während sie dem hungrigen Elefanten zusah, der endlich satt wurde, fühlte sie ein warmes, schönes Gefühl im Herzen.
„Danke, liebe Giraffe“, sagte der Elefant, als er endlich satt war. „Du hast mir das Leben gerettet. Das werde ich dir nie vergessen.“ Mara lächelte. „Es war doch selbstverständlich“, sagte sie. „Niemand soll hungern, wenn ich helfen kann.“ Die beiden ruhten zufrieden im Schatten des grünen Baumes.
Bald sollte sich Maras Großzügigkeit auszahlen. Als kurz darauf ein Rudel größerer Tiere kam und Mara vom Baum verdrängen wollte, stellte sich der starke junge Elefant schützend vor sie. „Lasst die Giraffe in Ruhe“, trompetete er. „Sie hat großzügig mit mir geteilt. Hier ist genug für alle, wenn wir es gerecht aufteilen.“ Und so teilten am Ende alle Tiere friedlich den grünen Baum.
„Siehst du“, sagte der Elefant zu Mara, „weil du geteilt hast, ist aus uns ein Freund geworden, der für dich einsteht. Großzügigkeit kommt immer zurück.“ Mara nickte glücklich. Sie hatte zwar weniger Blätter für sich allein gehabt – aber dafür einen treuen Freund gewonnen und vielen Tieren geholfen. Das war viel mehr wert.
Am Abend, satt und zufrieden, legte sich Mara neben ihren neuen Freund, den jungen Elefanten, ins Gras. „Geteilt schmeckt es am besten“, sagte sie schläfrig. „Weil man dabei nicht allein ist“, brummte der Elefant zufrieden. Die Sterne funkelten über der trockenen Savanne, ein warmer Wind strich durchs Gras, und mit einem dankbaren, vollen Herzen schlief die Giraffe Mara ein. Schlaf gut, Mara. Gute Nacht.
