An einem milden Herbstabend streifte der kleine Fuchs Emil durch den Wald, als er ein verzweifeltes Zappeln und ein leises Quieken hörte. Neugierig schlich er näher. Am Fuß eines Baumes lag ein kleiner Igel auf dem Rücken und strampelte mit seinen kurzen Beinchen in der Luft. So sehr er sich auch mühte, er kam nicht wieder auf die Beine.
„Hilfe“, quiekte der Igel, als er Emil sah. „Ich bin von dem kleinen Hügel gekullert und auf dem Rücken gelandet. Jetzt komme ich nicht mehr hoch, und meine Stacheln sind im Weg.“ Emil wollte sofort helfen. Doch als er den Igel anstupsen wollte, pikste er sich an den spitzen Stacheln. „Aua!“, rief Emil und zog die Pfote zurück.
„Tut mir leid“, sagte der Igel betrübt. „Meine Stacheln sind ganz schön spitz. Deshalb traut sich niemand, mir zu helfen.“ Emil schüttelte die Pfote und überlegte. „Spitz hin oder her“, sagte er entschlossen, „ich lass dich nicht so liegen. Ich muss nur einen Weg finden, dich umzudrehen, ohne mich zu pieksen.“ Er dachte angestrengt nach.
Da hatte Emil eine Idee. In der Nähe lag ein großes, weiches Laubblatt. „Warte“, sagte Emil. Er schob das große Blatt vorsichtig unter den Igel. Dann packte er das Blatt am Rand – nicht den Igel selbst – und konnte den kleinen Kerl so behutsam anheben, ganz ohne sich an den Stacheln zu pieksen. „Klug gemacht!“, freute sich der Igel.
Ganz sanft und vorsichtig drehte Emil den Igel mithilfe des Blattes um, bis er wieder auf seinen vier Beinchen stand. „Geschafft!“, rief Emil. Der Igel wackelte ein bisschen, stand aber sicher. „Oh, danke, danke, lieber Fuchs!“, quiekte er erleichtert. „Du hast mich gerettet, obwohl ich so stachelig bin. Das war wirklich klug von dir mit dem Blatt.“
Emil lächelte. „Man muss eben ein bisschen nachdenken“, sagte er. „Deine Stacheln sind ja nichts Schlimmes – sie schützen dich. Ich musste nur einen Weg drumherum finden.“ Der Igel war gerührt. „Die meisten laufen weg, wenn sie meine Stacheln sehen“, sagte er. „Aber du hast nicht aufgegeben. Du bist ein wahrer Freund.“
Von diesem Tag an waren Emil und der Igel die besten Freunde. Emil lernte, dass die Stacheln gar nicht im Weg sein mussten, wenn man nur ein bisschen einfallsreich war. Und der Igel lernte, dass es doch jemanden gab, der ihn so mochte, wie er war – stachelig und alles. Sie verbrachten viele schöne Stunden miteinander.
„Weißt du“, sagte der Igel eines Tages, „du hast mir nicht nur geholfen, sondern mir auch gezeigt, dass ich nicht allein bin, nur weil ich anders bin.“ Emil stupste ihn vorsichtig mit der Nase an einer stachelfreien Stelle. „Jeder ist auf seine Art besonders“, sagte er. „Und Freunde finden immer einen Weg.“
Am Abend, als die Herbstsonne golden unterging, verabschiedeten sich die beiden Freunde. Emil kehrte in seinen warmen Bau zurück und rollte sich gemütlich zusammen. „Heute habe ich einem Freund geholfen“, dachte er zufrieden. Die Sterne funkelten über dem herbstlichen Wald, ein milder Wind raschelte im Laub, und mit einem warmen, einfallsreichen Herzen schlief der kleine Fuchs Emil glücklich ein. Schlaf gut, Emil. Gute Nacht.
