Hoch oben in den Baumkronen des Regenwaldes gab es einen ganz besonderen Ast: Er war breit und gemütlich, und die warme Sonne schien dort den ganzen Tag hindurch. Es war der schönste, wärmste Sonnenplatz weit und breit, und das Faultier Toni hatte ihn für sich entdeckt. „Mein gemütlicher Sonnenast“, seufzte Toni wohlig und streckte sich in der warmen Sonne.
Toni liebte seinen Sonnenplatz über alles. Hier hing es den ganzen Tag, döste in der Wärme und genoss das Leben. Wenn ein anderes Tier vorbeikam, zog Toni sich ein bisschen zusammen und hoffte, dass niemand seinen schönen Platz haben wollte. „Der gehört mir ganz allein“, dachte es.
Eines kühlen, regnerischen Morgens kam ein kleines Faultiermädchen namens Fina vorbei. Es zitterte vor Kälte, denn sein Ast lag im Schatten, und der Regen hatte sein Fell ganz nass gemacht. „Hallo Toni“, sagte Fina mit klappernden Zähnen. „Mir ist so kalt. Dürfte ich vielleicht ein kleines bisschen von deinem warmen Sonnenplatz abhaben?“
Toni zögerte. „Aber dann ist mein schöner Platz nicht mehr nur für mich“, dachte es. Einen Moment lang wollte es schon „Nein“ sagen. Doch dann sah es, wie Fina vor Kälte zitterte und wie traurig und durchgefroren es aussah. Tonis Herz wurde ganz weich. „Komm her, Fina“, sagte es. „Mein Ast ist breit genug für uns beide. Setz dich in die Sonne und wärm dich auf.“
Dankbar kletterte Fina auf den warmen Sonnenast und kuschelte sich neben Toni. Langsam hörte es auf zu zittern, und sein nasses Fell trocknete in der warmen Sonne. „Ach, ist das herrlich“, seufzte Fina wohlig. „Danke, Toni. Du rettest mich.“ Und Toni bemerkte etwas Schönes: Den Sonnenplatz mit Fina zu teilen, war viel netter, als allein dort zu hängen.
Die beiden Faultiere verbrachten den ganzen Tag gemeinsam auf dem warmen Ast. Sie dösten zusammen, schauten den Regentropfen zu, die von den Blättern fielen, und erzählten sich gemächlich Geschichten. „Weißt du“, sagte Toni, „früher hatte ich diesen Platz für mich allein. Aber allein war es gar nicht so schön wie jetzt mit dir.“
Fina lächelte. „Geteilte Wärme ist die schönste Wärme“, sagte es. „Und der Platz wird ja nicht weniger schön, nur weil wir ihn teilen.“ Toni nickte. Es hatte gemerkt, dass Teilen es nicht ärmer machte, sondern reicher – um einen Freund und um viele schöne, gemeinsame Stunden in der Sonne.
Von diesem Tag an war der warme Sonnenast nicht mehr Tonis geheimer Einzelplatz, sondern ein gemütlicher Treffpunkt für die beiden Faultierfreunde. Und wenn ein anderes Tier fröstelnd vorbeikam, rückten sie einfach noch ein bisschen zusammen und machten Platz. Denn Toni hatte gelernt: Geteilte Freude ist die schönste Freude.
Am Abend, als die Sonne hinter den Bäumen versank und der Ast langsam abkühlte, kuschelten sich Toni und Fina eng aneinander, um sich gegenseitig zu wärmen. „Gute Nacht, Toni“, gähnte Fina. „Gute Nacht, Fina“, murmelte Toni zufrieden. Die Sterne funkelten über dem Regenwald, ein lauer Wind strich durch die Blätter, und mit einem warmen, geteilten Herzen schliefen die beiden Faultiere ein. Schlaf gut, ihr beiden. Gute Nacht.
