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Faultier Mira und die aufmerksame Rettung

Mut machen · Selbstvertrauenab 5 4 Min.
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Im Regenwald lebte ein kleines Faultier namens Mira, das alles ganz langsam und bedächtig tat. Während die anderen jungen Tiere wild herumtobten, hing Mira meist ruhig an ihrem Ast und schaute aufmerksam in die Welt. „Du verpasst den ganzen Spaß, Mira!“, riefen die Affen, wenn sie kreischend vorbeisausten. Doch Mira mochte es, in Ruhe zu beobachten.

Eines Nachmittags spielten die jungen Affen ein wildes Fangspiel und sprangen übermütig von Ast zu Ast. Sie waren so vertieft in ihr Spiel, dass sie auf gar nichts anderes achteten. Mira hing in der Nähe und schaute ihnen ruhig zu. Und weil Mira so aufmerksam war, bemerkte es etwas, das die wilden Affen in ihrem Eifer völlig übersahen.

Auf einem dicken Ast, genau dort, wohin die Affen als Nächstes springen wollten, lag etwas zusammengerollt und wartete reglos – ein großer, ruhender Waldbewohner, den man besser nicht störte und der gefährlich werden konnte, wenn man auf ihm landete. Die Affen, die nur auf ihr Spiel achteten, rasten geradewegs darauf zu.

Mira erkannte die Gefahr sofort. Schnell sein konnte es nicht – aber laut rufen schon. „Halt!“, rief Mira, so laut es konnte. „Stopp! Springt nicht auf diesen Ast!“ Die Affen hielten verdutzt inne, mitten im Sprung. „Was ist denn los, Langsamfuß?“, fragte einer. „Schaut genau auf den Ast vor euch“, sagte Mira ruhig. „Da liegt etwas. Ihr dürft da nicht landen.“

Die Affen schauten genauer hin – und erschraken. Tatsächlich! Auf dem Ast lag der große Waldbewohner, den sie in ihrer Eile fast übersehen hätten. Wären sie daraufgesprungen, hätte es großen Ärger gegeben. „Oh nein“, flüsterte ein Affe. „Das haben wir gar nicht gesehen. Wir waren viel zu schnell und zu wild.“

Vorsichtig wichen die Affen aus und nahmen einen anderen Weg, weit um den gefährlichen Ast herum. „Mira, du hast uns gerettet!“, riefen sie erleichtert. „Wenn du nicht so aufmerksam gewesen wärst, wären wir geradewegs in die Gefahr gesprungen!“ Mira lächelte bescheiden. „Ich habe es nur gesehen, weil ich ruhig war und genau hingeschaut habe“, sagte es.

Die Affen schämten sich ein wenig für ihren Spott. „Wir haben dich immer ausgelacht, weil du so langsam bist“, sagte einer. „Dabei hat uns gerade deine Ruhe und Aufmerksamkeit das Leben gerettet. Es tut uns leid.“ Mira winkte freundlich ab. „Jeder ist eben anders“, sagte es. „Ihr seid schnell und mutig, ich bin ruhig und aufmerksam. Zusammen passen wir gut auf.“

Von diesem Tag an hörten die Affen auf Mira, wenn es etwas zu bedenken gab, und Mira spielte manchmal ein bisschen mit, in seinem eigenen ruhigen Tempo. Sie hatten gelernt, dass jedes Tier seine besonderen Stärken hat – und dass auch ein langsames Faultier ein Held sein kann.

Am Abend, als die Sonne über dem Regenwald unterging, hing Mira zufrieden an seinem Lieblingsast. „Heute habe ich meine Freunde beschützt“, dachte es stolz, „einfach weil ich genau hingeschaut habe.“ Die Sterne erschienen am Himmel, ein lauer Wind strich durch die Blätter, und stolz auf sein aufmerksames Wesen schlief das kleine Faultier Mira glücklich ein. Schlaf gut, Mira. Gute Nacht.