Das kleine Faultier Lola hatte eine Lieblingsfrucht entdeckt: eine pralle Mango, die an ihrem Ast hing. Doch sie war noch ganz grün und hart. „Wann bist du endlich reif?“, fragte Lola die Mango ungeduldig. Sie hatte solche Lust auf den süßen Saft, dass sie kaum warten konnte. „Vielleicht schmeckt sie ja auch grün schon gut“, dachte sie und biss hinein.
Doch die grüne Mango war sauer und hart und schmeckte überhaupt nicht. „Igitt!“, rief Lola und verzog das Gesicht. Ihre Mama, die in der Nähe hing, lächelte. „Die Mango ist noch nicht reif, mein Schatz“, sagte sie. „Du musst dich gedulden. Eine Frucht braucht Zeit, um süß und saftig zu werden. Wenn du sie zu früh isst, schmeckt sie nicht.“
„Aber Warten ist so schwer“, seufzte Lola. „Ich will sie jetzt essen.“ Mama strich ihr sanft über den Kopf. „Das verstehe ich“, sagte sie. „Aber manche schönen Dinge brauchen eben Zeit. Du kannst die Mango nicht zwingen, schneller reif zu werden. Aber du kannst lernen, geduldig zu warten – und dann schmeckt sie umso besser.“
Lola beschloss, es zu versuchen. Jeden Tag kletterte sie – ganz langsam, wie es Faultiere eben tun – zu ihrer Mango und schaute nach. „Bist du schon reif?“, fragte sie. Anfangs war die Mango noch grün und hart. Doch mit jedem Tag wurde sie ein kleines bisschen gelber und weicher. Lola lernte, geduldig zu warten und sich an jedem kleinen Fortschritt zu freuen.
Um sich das Warten zu versüßen, fand Lola andere schöne Dinge zu tun. Sie hing gemütlich in der Sonne, beobachtete die bunten Vögel und döste ein wenig. Die Zeit verging, und das Warten fiel ihr immer leichter. „Eigentlich ist das Warten gar nicht so schlimm“, dachte sie, „wenn man sich nicht die ganze Zeit darüber ärgert.“
Und dann, eines Morgens, war es so weit. Lola kletterte zu ihrer Mango – und diesmal war sie wunderschön golden, prall und weich. Ein süßer Duft ging von ihr aus. „Du bist reif!“, jubelte Lola. Vorsichtig pflückte sie die Mango und biss hinein. Der süße, saftige Geschmack füllte ihren Mund. „Oh, ist das köstlich!“, schwärmte sie. So gut hatte noch nie etwas geschmeckt.
„Und?“, fragte Mama lächelnd. „Hat sich das Warten gelohnt?“ Lola nickte begeistert mit vollen Backen. „Und wie!“, sagte sie. „Die reife Mango schmeckt tausendmal besser als die grüne. Gut, dass ich gewartet habe.“ Sie verstand jetzt, was Mama gemeint hatte: Geduld wird am Ende immer belohnt.
Lola war stolz auf sich. Sie hatte gelernt, dass man nicht alles sofort haben kann und dass sich Warten lohnt. „Die schönsten Dinge brauchen eben Zeit“, sagte sie weise. Von da an war Lola viel geduldiger, und sie wartete sogar gern auf schöne Dinge, weil die Vorfreude die Hälfte der Freude war.
Am Abend, satt und zufrieden vom süßen Mangosaft, kuschelte sich Lola gemütlich an ihre Mama in die weiche Astgabel. „Geduld lohnt sich“, murmelte sie verschlafen und zufrieden. Mama lächelte. Die Sonne versank hinter den Bäumen, die Sterne kamen hervor, ein lauer Wind strich durch den Regenwald, und ruhig und glücklich schlief das kleine Faultier Lola ein. Schlaf gut, Lola. Gute Nacht.
