Im Regenwald lebte ein kleines Faultier namens Felu. Ganz oben in seinem hohen Baum, in der allerhöchsten Krone, wuchs die saftigste, leckerste Frucht, die Felu je gesehen hatte. Sie leuchtete rot und prall, und Felu lief das Wasser im Mund zusammen. „Diese Frucht möchte ich haben“, sagte es sich. „Aber sie ist so weit oben.“
Felu schaute den langen Weg nach oben hinauf und seufzte. Für ein schnelles Tier wäre es nur ein kurzer Sprung gewesen. Doch Felu war ein Faultier und bewegte sich sehr, sehr langsam. „Das dauert bestimmt ewig“, dachte es. Ein vorbeisausender Affe lachte. „Bis du da oben bist, ist die Frucht längst vertrocknet, Langsamfuß!“
Doch Felu ließ sich nicht entmutigen. „Langsam ist auch ein Tempo“, sagte es ruhig. „Wenn ich einfach immer weitermache, komme ich auch ans Ziel.“ Und so begann Felu zu klettern. Eine Pfote nach der anderen, ganz langsam und bedächtig, Stück für Stück nach oben. Es hatte keine Eile, aber es gab auch nicht auf.
Felu kletterte und kletterte. Die Sonne wanderte über den Himmel, und Felu kam immer ein kleines Stück höher. Manchmal machte es eine kleine Pause, hing gemütlich am Ast und ruhte sich aus. Dann kletterte es weiter, ganz ruhig und gleichmäßig. Es ließ sich von niemandem hetzen und von nichts entmutigen.
Die anderen Tiere schüttelten den Kopf. „So langsam kommt es nie an“, sagten sie. Doch sie irrten sich. Denn während die schnellen Tiere längst mit etwas anderem beschäftigt waren und die Frucht vergessen hatten, kletterte Felu beharrlich weiter, immer höher, dem Ziel entgegen. Schritt für Schritt, ganz ohne Eile.
Und schließlich, als die Sonne schon tiefer stand, erreichte Felu die höchste Krone des Baumes. Vor ihm hing die saftige, rote Frucht, noch immer prall und frisch. „Ich hab es geschafft!“, freute sich Felu. Es pflückte die Frucht und biss hinein. Sie schmeckte herrlich süß und saftig – die beste Frucht, die Felu je gegessen hatte.
Von ganz oben hatte Felu außerdem den schönsten Ausblick über den ganzen Regenwald. Es sah die grünen Baumkronen bis zum Horizont, die bunten Vögel und den glitzernden Fluss. „Das hätte ich alles verpasst, wenn ich aufgegeben hätte“, dachte Felu zufrieden und genoss in aller Ruhe seine Frucht und die herrliche Aussicht.
Der Affe, der Felu vorhin ausgelacht hatte, kam vorbei und staunte. „Du hast die Frucht doch erreicht!“, rief er. „Obwohl du so langsam bist!“ Felu lächelte. „Es kommt nicht darauf an, wie schnell man ist“, sagte es. „Es kommt darauf an, dass man nicht aufgibt. Langsam und beharrlich kommt man auch ans Ziel.“
Am Abend, satt und zufrieden, kuschelte sich Felu hoch oben in der Baumkrone in eine gemütliche Astgabel. „Ich habe es geschafft, ganz auf meine Art“, dachte es stolz. Die Sonne versank hinter den Bäumen, die ersten Sterne erschienen, ein lauer Wind wiegte die Blätter, und stolz auf seine Beharrlichkeit schlief das kleine Faultier Felu glücklich ein. Schlaf gut, Felu. Gute Nacht.
