Emma hatte in letzter Zeit Schwierigkeiten zu sehen. Die Tafel in der Schule war verschwommen, und die Vögel im Garten konnte sie kaum erkennen. Der Augenarzt sagte: „Emma braucht eine Brille.“ Bald durfte sich Emma eine aussuchen, und sie wählte eine mit einem hübschen roten Gestell. Doch ganz wohl war ihr nicht dabei.
„Was, wenn die anderen Kinder mich auslachen?“, sorgte sich Emma. „Niemand in meiner Klasse trägt eine Brille. Bestimmt sehe ich komisch aus.“ Am ersten Tag mit Brille mochte Emma am liebsten gar nicht in die Schule gehen. Sie schämte sich und setzte die Brille zögernd auf.
Doch in dem Moment, als Emma die Brille aufsetzte, geschah etwas Wunderbares: Auf einmal sah sie alles gestochen scharf! Die Buchstaben in ihrem Buch, die einzelnen Blätter am Baum vor dem Fenster, sogar die kleine Spinne in der Ecke. „Wow“, flüsterte Emma staunend. „So scharf habe ich die Welt ja noch nie gesehen!“
In der Schule war Emma trotzdem nervös. Doch als sie ihren Platz einnahm, konnte sie zum ersten Mal die Tafel klar lesen, ohne zu blinzeln. Sie meldete sich öfter, weil sie alles erkennen konnte, und die Lehrerin lobte sie. „Mit der Brille kann ich so viel besser mitmachen“, freute sich Emma.
In der Pause kam ihre Freundin Lea zu ihr. „Emma, deine neue Brille ist ja toll!“, sagte sie. „Das rote Gestell sieht richtig schick aus!“ Emma war überrascht. „Du findest sie schön?“ „Klar!“, sagte Lea. „Du siehst damit total klug und cool aus.“ Auch andere Kinder fanden die Brille schön, und niemand lachte.
Emma merkte, dass ihre Sorge ganz umsonst gewesen war. Die Brille machte sie nicht komisch – im Gegenteil, sie half ihr, gut zu sehen, und stand ihr sogar richtig gut. „Ich dachte, eine Brille wäre schlimm“, sagte Emma. „Dabei ist sie etwas richtig Tolles.“ Stolz rückte sie ihr rotes Gestell zurecht.
Von da an trug Emma ihre Brille gern und mit Stolz. Sie konnte die Welt endlich scharf sehen, las begeistert ihre Bücher und entdeckte überall Dinge, die sie vorher nie bemerkt hatte. „Meine Brille ist mein kleines Wunderwerk“, sagte sie. „Und sie gehört zu mir.“
Am Abend legte Emma ihre Brille vorsichtig auf den Nachttisch. „Ich bin genau richtig, so wie ich bin – mit Brille“, dachte sie zufrieden. Sie freute sich schon auf morgen, wenn sie wieder alles klar und scharf sehen würde. Mit einem Lächeln schlief Emma glücklich ein. Gute Nacht, kleine Emma.
