Über dem Einhorntal spannte sich seit jeher ein wunderschöner Regenbogen. Er leuchtete in den herrlichsten Farben und war der Stolz aller Einhörner. Eines Tages aber bemerkte das kleine Einhorn Mila, dass der Regenbogen blasser geworden war. Das Rot war nur noch ein müdes Rosa, das Blau fast grau. „Was ist nur mit unserem Regenbogen los?“, fragte Mila besorgt.
Mila fragte die alte, weise Eule, die im höchsten Baum des Tales wohnte. „Der Regenbogen lebt von der Dankbarkeit“, erklärte die Eule. „Früher kamen die Einhörner jeden Tag und bedankten sich für seine Schönheit. Doch das haben sie vergessen. Und ohne Dankbarkeit verblassen seine Farben Stück für Stück.“ Mila wurde ganz nachdenklich.
Sie selbst hatte den Regenbogen so oft bewundert, sich an seinen Farben erfreut – und sich nie bedankt. „Das möchte ich ändern“, sagte Mila entschlossen. „Ich fange gleich damit an.“ Sie trat unter den verblassenden Regenbogen, schaute hinauf und sprach von Herzen: „Lieber Regenbogen, danke. Danke für deine wunderschönen Farben. Danke, dass du jeden Tag über unserem Tal leuchtest.“
Und siehe da – kaum hatte Mila ihre dankbaren Worte gesprochen, begann ein kleiner Streifen des Regenbogens wieder kräftig zu leuchten. Das müde Rosa wurde zu strahlendem Rot. „Es funktioniert!“, rief Mila staunend. „Mit einem Dankeschön kommen die Farben zurück!“ Voller Freude galoppierte sie durch das ganze Tal.
Sie weckte alle Einhörner und erzählte ihnen von dem verblassenden Regenbogen und dem Geheimnis der Dankbarkeit. „Kommt mit“, bat sie. „Lasst uns gemeinsam Danke sagen.“ Die Einhörner folgten ihr, und einer nach dem anderen trat unter den Regenbogen und bedankte sich. „Danke für deine Schönheit“, sagte das eine. „Danke, dass du uns jeden Tag erfreust“, sagte das andere.
Mit jedem Dankeschön leuchtete ein weiterer Streifen des Regenbogens wieder auf. Das Grau wurde zu strahlendem Blau, das blasse Gelb zu leuchtendem Gold. Bald erstrahlte der ganze Regenbogen wieder in den herrlichsten Farben, schöner und heller, als die Einhörner ihn je gesehen hatten. Alle staunten und freuten sich.
„Siehst du, Mila“, sagte die weise Eule, „du hast den Regenbogen gerettet. Weil du wieder gelernt hast, dankbar zu sein.“ Mila lächelte. „Ich habe gar nicht gemerkt, wie viel Schönes uns jeden Tag umgibt“, sagte sie. „Wenn man dafür Danke sagt, wird alles noch schöner.“ Von diesem Tag an bedankten sich die Einhörner jeden Morgen bei ihrem Regenbogen.
Und der Regenbogen leuchtete heller denn je und verblasste nie wieder. Jeden Tag erinnerte er die Einhörner daran, dankbar zu sein für all das Schöne in ihrem Tal: die Blumen, die Sonne, die Freunde und das Leben selbst. Und Mila war stolz, dass sie die Erste gewesen war, die wieder Danke gesagt hatte.
Am Abend, als der Regenbogen im letzten Sonnenlicht besonders schön schimmerte, kuschelte sich Mila glücklich in die weiche Wiese. „Danke für diesen schönen Tag“, flüsterte sie zum Himmel. Die Sterne kamen über dem Einhorntal hervor, der Regenbogen leuchtete sanft nach, und mit einem dankbaren, warmen Herzen schlief das kleine Einhorn Mila zufrieden ein. Schlaf gut, Mila. Gute Nacht.
