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Einhorn Juni und der schüchterne Drache

Freundschaft · Mut machenab 5 4 Min.
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Im Tal der Einhörner erzählte man sich schaurige Geschichten über den Drachen, der oben am Berg in einer Höhle wohnte. „Er ist riesig und gefährlich!“, flüsterten die Einhörner. „Niemand traut sich zu ihm hinauf.“ Das kleine Einhorn Juni aber war neugierig. „Hat ihn denn schon mal jemand wirklich gesehen?“, fragte es. Doch keiner konnte es sagen – alle hatten nur Angst.

Eines Tages beschloss Juni, der Sache auf den Grund zu gehen. „Ich schau mir diesen Drachen einmal selbst an“, sagte es. Die anderen Einhörner waren entsetzt. „Tu das nicht, Juni! Er wird dich fressen!“ Doch Juni hatte ein gutes Gefühl und machte sich tapfer auf den Weg den Berg hinauf, zur Höhle des Drachen.

Als Juni die Höhle erreichte, hörte es ein seltsames Geräusch von drinnen. Es klang gar nicht gefährlich – es klang traurig. Vorsichtig spähte Juni hinein. Dort, in der dunklen Höhle, saß tatsächlich ein großer Drache. Doch er fauchte nicht und spie kein Feuer. Er saß ganz allein in einer Ecke und schluchzte leise vor sich hin.

„Hallo“, sagte Juni sanft. Der Drache zuckte erschrocken zusammen. „Bitte lauf nicht weg“, sagte er mit überraschend schüchterner Stimme. „Alle laufen immer weg, wenn sie mich sehen.“ Juni trat näher. „Warum bist du denn so traurig?“, fragte es. Der Drache seufzte. „Weil ich ganz allein bin. Alle haben Angst vor mir, dabei tue ich doch niemandem etwas. Ich wünsche mir nur einen Freund.“

Juni war gerührt. „Du bist ja gar nicht gefährlich“, sagte es. „Du bist nur einsam.“ Der Drache nickte traurig. „Ich bin groß und sehe furchterregend aus, aber in Wahrheit bin ich schüchtern und sanft. Ich habe noch nie jemandem etwas getan. Aber niemand bleibt lange genug, um das herauszufinden.“ Juni setzte sich zu ihm. „Ich bleibe“, sagte es. „Ich möchte dein Freund sein.“

Der Drache schaute Juni ungläubig an. „Wirklich? Du hast keine Angst vor mir?“ „Nein“, sagte Juni. „Ich sehe, dass du ein gutes Herz hast. Komm, lass uns zusammen spielen.“ Und so verbrachten das Einhorn und der schüchterne Drache den ganzen Tag miteinander. Der Drache zeigte Juni die schönste Aussicht vom Berg, und Juni brachte ihn zum Lachen. Der Drache lachte zum ersten Mal seit langer, langer Zeit.

Am Nachmittag nahm Juni den Drachen mit hinunter ins Tal. Die anderen Einhörner erschraken zuerst. „Ein Drache!“, riefen sie und wollten fliehen. „Keine Angst!“, rief Juni. „Er ist mein Freund, und er ist ganz sanft und freundlich. Ihr müsst ihm nur eine Chance geben.“ Vorsichtig kamen die Einhörner näher, und als sie sahen, wie schüchtern und nett der Drache war, fassten auch sie Vertrauen.

Bald spielten alle gemeinsam, und der Drache war so glücklich wie nie. „Danke, Juni“, sagte er gerührt. „Du hast dich getraut, näher zu kommen, als alle anderen weggelaufen sind. Dadurch habe ich endlich Freunde gefunden.“ Juni lächelte. „Man darf eben nicht vom Aussehen auf das Herz schließen“, sagte es. Die anderen Einhörner nickten beschämt – und freuten sich über ihren neuen, sanften Freund.

Am Abend, als die Sterne über dem Tal erschienen, kuschelten sich die Einhörner und der Drache gemütlich zusammen. Der große, warme Drache gab einen wunderbaren Windschutz ab. „Gute Nacht, Juni“, brummte der Drache zufrieden. „Gute Nacht“, flüsterte Juni glücklich. Der Mond leuchtete sanft, ein milder Wind strich durchs Tal, und zufrieden über seinen neuen Freund schlief das kleine Einhorn Juni ein. Schlaf gut, Juni. Gute Nacht.