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Eichhörnchen Flecki und der Igel

Freundschaft · Gefühle (Wut/Angst)ab 5 4 Min.
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Das Eichhörnchen Flecki war das schnellste Tier im ganzen Wald. Es flitzte die Bäume hinauf und hinunter, sprang von Ast zu Ast und war immer in Bewegung. „Schnell sein ist das Allerbeste“, fand Flecki. Eines Tages traf es am Fuß eines Baumes einen kleinen Igel, der ganz gemächlich durch das Laub stapfte.

„Warum bist du denn so langsam?“, fragte Flecki und sauste ungeduldig um den Igel herum. „Schau mal, wie schnell ich bin!“ Der Igel, der Ignaz hieß, schaute freundlich auf. „Ich bin eben ein Igel“, sagte er ruhig. „Wir haben es nie eilig.“ Flecki schüttelte den Kopf. „Wie langweilig“, dachte es und hüpfte davon. „Mit so einem Langsamen will ich nichts zu tun haben.“

Doch am nächsten Tag geriet Flecki in Schwierigkeiten. Beim wilden Herumsausen war es achtlos in ein Dornengestrüpp gesprungen und hatte sich darin verfangen. Je mehr es zappelte, desto fester steckte es. „Hilfe!“, rief Flecki. „Ich komme hier nicht raus! Die Dornen pieken so!“ Doch niemand schien es zu hören.

Da kam, ganz gemächlich, der kleine Igel Ignaz des Weges. „Na, kleiner Wirbelwind“, sagte er. „Da hast du dich aber schön verheddert.“ Flecki schämte sich. „Ich war gestern so gemein zu dir“, gestand es. „Und jetzt brauche ich ausgerechnet deine Hilfe.“ Ignaz lächelte nur. „Das macht doch nichts“, sagte er. „Ich helfe dir trotzdem gern.“

Und nun zeigte sich, was Ignaz so Besonderes konnte. Mit seinen festen Stacheln schob er sich ganz ruhig und ohne Angst in das Dornengestrüpp hinein, dorthin, wo Flecki mit seinem weichen Fell sich niemals hingetraut hätte. „Mir können die Dornen nichts anhaben“, sagte er. Geduldig knabberte und schob er die Dornenranken beiseite, eine nach der anderen.

„Halt still und hab Geduld“, sagte Ignaz ruhig. „Mit Schnelligkeit kommst du hier nicht weiter, aber mit Ruhe schon.“ Und tatsächlich – ganz langsam und bedächtig befreite der Igel das zappelige Eichhörnchen aus dem Gestrüpp. „Geschafft“, sagte Ignaz schließlich. „Du bist frei.“ Flecki sprang erleichtert ans Tageslicht.

„Danke, Ignaz“, sagte Flecki beschämt. „Ich habe dich für langweilig gehalten, weil du langsam bist. Dabei hast du mich gerettet – gerade weil du ruhig und bedächtig bist und Stacheln hast.“ Ignaz nickte. „Siehst du“, sagte er, „jeder kann etwas anderes besonders gut. Du bist schnell, ich bin ruhig und stachelig. Zusammen sind wir ein gutes Team.“

Von diesem Tag an waren Flecki und Ignaz die besten Freunde – das schnellste und das langsamste Tier des Waldes. Flecki holte für Ignaz Nüsse aus den höchsten Wipfeln, und Ignaz half Flecki, wenn es mal wieder zu wild gewesen war. Und Flecki lernte, dass es nicht immer aufs Schnellsein ankommt.

Am Abend saßen die beiden ungleichen Freunde zusammen und schauten den Sternen zu. „Gut, dass es dich gibt, Ignaz“, sagte Flecki müde. „Gut, dass es dich gibt, kleiner Wirbelwind“, antwortete der Igel. Flecki huschte hinauf in seinen Kobel und rollte sich zusammen. Zufrieden und ein bisschen klüger als am Morgen schlief das Eichhörnchen Flecki ein. Schlaf gut, Flecki. Gute Nacht.