Hoch auf den Felsen über einem grünen Urzeittal lebte eine Familie von Flugsauriern. Das jüngste Dino-Mädchen hieß Dina und hatte wunderschöne, breite Flügel. Doch obwohl alle ihre Geschwister schon längst durch die Lüfte segelten, hatte Dina noch nie zu fliegen gewagt. Der Felsen war so hoch, und der Boden so weit unten. „Ich trau mich nicht“, sagte sie ängstlich.
„Komm, Dina, flieg mit uns!“, riefen ihre Geschwister von oben, während sie elegant durch die Luft glitten. Dina schaute über den Felsrand hinunter, und ihr wurde ganz schwindelig. „Was, wenn ich falle?“, dachte sie. „Was, wenn meine Flügel nicht tragen?“ Sie kauerte sich am Felsrand zusammen und blieb sitzen, während die anderen fröhlich flogen.
Ihre Mama, eine große, sanfte Flugsaurierin, setzte sich neben Dina. „Hast du Angst, mein Schatz?“, fragte sie. Dina nickte traurig. „Meine Flügel sind bestimmt nicht stark genug.“ Mama lächelte. „Deine Flügel sind wunderbar stark“, sagte sie. „Du musst ihnen nur vertrauen. Und du musst nicht gleich weit fliegen. Wir fangen mit einem ganz kleinen Sprung an, von diesem niedrigen Stein hier.“
Mama führte Dina zu einem kleinen Stein, kaum höher als sie selbst. „Breite deine Flügel aus“, sagte sie sanft, „und lass dich einfach hinuntergleiten. Ich fange dich auf, wenn nötig.“ Dina breitete zögernd ihre Flügel aus, hüpfte vom kleinen Stein – und glitt sanft hinunter, ganz weich auf den Boden. „Oh!“, rief sie überrascht. „Meine Flügel haben mich getragen!“
„Siehst du?“, sagte Mama stolz. „Und jetzt versuchen wir es von einem etwas höheren Stein.“ Dina nickte, schon ein bisschen mutiger. Vom nächsten Stein glitt sie ein Stückchen weiter, und es fühlte sich wunderbar an. Mit jedem kleinen Flug wuchs ihr Mut. Der warme Wind trug sie, ihre Flügel wurden sicherer, und das Kribbeln im Bauch wurde mehr und mehr zu Freude.
Schließlich stand Dina wieder oben auf dem hohen Felsen, neben ihrer Mama. Diesmal aber zitterte sie nicht mehr so sehr. „Ich glaube, ich bin bereit“, sagte sie. „Ich bin direkt neben dir“, versprach Mama. Dina holte tief Luft, breitete ihre breiten Flügel weit aus, lief ein paar Schritte – und sprang vom Felsen.
Für einen winzigen Moment fiel sie. Dann fing der warme Wind sie auf, ihre Flügel spannten sich, und Dina segelte! Sie flog! Hoch über dem grünen Tal glitt sie durch die Luft, der Wind strich durch ihre Flügel, und unter ihr breitete sich die wunderschöne Urzeitwelt aus. „Ich fliege!“, jubelte sie. „Ich fliege wirklich!“
Ihre Geschwister flogen jubelnd neben sie. „Du hast es geschafft, Dina!“, riefen sie. Gemeinsam zogen sie ihre Kreise am Himmel, und Dina lachte vor lauter Glück. Sie hatte solche Angst gehabt – und jetzt war Fliegen das Schönste, das sie sich vorstellen konnte. „Ich musste nur klein anfangen und meinen Flügeln vertrauen“, dachte sie stolz.
Am Abend, als die Sonne golden über dem Tal versank, ließ sich Dina müde und glücklich auf dem Felsen nieder, dicht bei ihrer Mama. „Morgen fliege ich wieder“, sagte sie verschlafen, „noch viel höher.“ Mama legte einen Flügel um sie. Die Sterne erschienen am Himmel, der Wind strich sanft über die Felsen, und stolz auf ihren ersten Flug schlief das kleine Dino-Mädchen Dina zufrieden ein. Schlaf gut, Dina. Gute Nacht.
