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Die vergessliche Hexe und der Zauberspruch

Selbstvertrauen · Gefühle (Wut/Angst)ab 5 4 Min.
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Die Hexe Trudi war eine liebe alte Hexe, doch sie hatte ein kleines Problem: Sie war furchtbar vergesslich. Ständig vergaß sie mitten im Zaubern, wie der Spruch weiterging. „Abrakadabra, simsalabim, und dann … äh … wie ging das noch?“, murmelte sie dann und kratzte sich unter dem spitzen Hut. Das war Trudi oft peinlich. „Eine Hexe, die ihre Sprüche vergisst – wo gibt's denn so was?“, seufzte sie.

Eines Tages kam das Eichhörnchen Nucki ganz aufgeregt zu Trudi gehüpft. „Hilfe, Hexe Trudi!“, rief es. „Mein kleiner Bruder ist auf den höchsten Ast geklettert und traut sich nicht mehr herunter! Kannst du ihn herunterzaubern?“ Trudi nickte eifrig. „Aber natürlich!“, sagte sie. „Dafür gibt es einen Spruch.“ Sie hob ihren Zauberstab. „Hokuspokus, schwebe sacht, und dann … äh … oh, ich hab den Spruch vergessen!“

Trudi überlegte angestrengt, doch der Spruch wollte ihr einfach nicht einfallen. „Oje“, dachte sie. „Jetzt kann ich dem kleinen Eichhörnchen nicht helfen.“ Das kleine Eichhörnchen oben im Baum piepste ängstlich. Trudi wurde ganz traurig. „Ich bin eine nutzlose, vergessliche Hexe“, dachte sie. Doch dann sagte sie sich: „Nein. Ich gebe nicht auf. Wenn der Zauber nicht klappt, dann finde ich eben einen anderen Weg.“

Trudi schaute sich um und überlegte. „Auch ohne Zauberspruch kann man helfen“, dachte sie. „Man muss nur ein bisschen nachdenken.“ Da fiel ihr Blick auf ihren langen, weichen Hexenumhang und ihre vielen Kissen im Häuschen. „Ich hab eine Idee!“, rief sie. Schnell holte Trudi alle ihre weichen Kissen und ihren dicken Umhang und legte sie unter den Baum, zu einem großen, weichen Haufen.

„So, kleiner Freund“, rief Trudi nach oben. „Jetzt brauchst du gar keinen Zauber. Du kannst ganz vorsichtig heruntersteigen, und falls du ausrutschst, fällst du ganz weich auf die Kissen. Ich passe auf dich auf.“ Das kleine Eichhörnchen fasste Mut. Vorsichtig kletterte es Ast für Ast nach unten, und Trudi sprach ihm die ganze Zeit beruhigend zu. Sicher kam es unten an.

„Geschafft!“, jubelte das kleine Eichhörnchen und sprang Trudi vor Freude auf den Arm. „Danke, Hexe Trudi! Du hast mir geholfen, auch ohne Zauber!“ Nucki, der große Bruder, war überglücklich. „Du bist die klügste Hexe der Welt!“, rief er. „Du hast einfach mit dem Kopf gezaubert!“ Trudi staunte. Daran hatte sie noch nie gedacht.

„Stimmt ja“, sagte Trudi nachdenklich und lächelte. „Ich habe zwar den Zauberspruch vergessen, aber ich habe trotzdem geholfen – mit Köpfchen und ein paar Kissen.“ Sie merkte: Ihre Vergesslichkeit war gar nicht so schlimm, denn für die meisten Probleme gab es auch ohne perfekten Zauber eine Lösung, wenn man nur ein bisschen nachdachte.

Von diesem Tag an ärgerte sich Trudi nicht mehr so sehr über ihre Vergesslichkeit. Wenn ihr mal ein Spruch nicht einfiel, dann überlegte sie einfach, wie sie auf andere Weise helfen konnte. Und oft waren ihre einfallsreichen Lösungen sogar besser als jeder Zauber. „Köpfchen ist die beste Hexenkraft“, sagte sie vergnügt.

Am Abend, müde von dem aufregenden Tag, kuschelte sich Trudi in ihr Hexenbett, ihre weichen Kissen wieder ordentlich aufgetürmt. „Heute habe ich auch ohne Zauberspruch geholfen“, dachte sie zufrieden. Der Mond schien durchs Fenster, der Wald rauschte leise, und mit einem klugen, zufriedenen Herzen schlief die vergessliche Hexe Trudi lächelnd ein. Schlaf gut, Trudi. Gute Nacht.