Hoch oben am Nachthimmel lebte eine kleine Sternschnuppe namens Fini. Jede Sternschnuppe, so hieß es, durfte einmal in ihrem Leben über den Himmel sausen und sich dabei einen einzigen Wunsch erfüllen – aber nur einen. Fini überlegte lange, was sie sich wünschen sollte.
„Vielleicht wünsche ich mir, die hellste Sternschnuppe von allen zu sein“, dachte sie. „Oder die schnellste. Oder dass ich für immer am Himmel bleiben darf.“ Es gab so vieles, das sie sich wünschen konnte. Doch eines Abends, als Fini hinunter zur Erde blickte, sah sie etwas, das sie nachdenklich machte.
Tief unten, an einem Fenster, saß ein kleines Mädchen und weinte. Ihr kleiner Hund war fortgelaufen und nicht zurückgekehrt, und das Mädchen war untröstlich. „Bitte, lieber Himmel“, flüsterte es, „bring mir meinen Hund zurück.“ Finis kleines Sternenherz wurde ganz schwer, als sie das hörte.
Fini dachte an ihren eigenen Wunsch, den sie sich so lange aufgehoben hatte. „Ich könnte mir alles wünschen“, dachte sie. „Aber dieses Mädchen ist so traurig.“ Sie schaute in das weinende Gesicht und wusste plötzlich ganz genau, was sie tun würde. „Mein Wunsch soll dem Mädchen gehören“, beschloss sie.
In dieser Nacht sauste Fini über den Himmel, mit einem langen, leuchtenden Schweif. Und während sie flog, wünschte sie aus tiefstem Herzen: „Ich wünsche mir, dass der kleine Hund wieder nach Hause findet.“ Sie gab ihren einzigen, kostbaren Wunsch ganz für das fremde Mädchen her.
Unten auf der Erde hörte der kleine Hund, der sich verlaufen hatte, auf einmal ein vertrautes Gefühl in seinem Herzen, das ihn nach Hause zog. Er hob die Nase, fand die richtige Richtung und lief los. Und kurz darauf kratzte es an der Tür des Mädchens. „Bello!“, jubelte das Mädchen und drückte ihren Hund überglücklich an sich.
Fini sah von oben, wie das Mädchen vor Freude lachte und weinte zugleich, ihren Hund fest im Arm. Und obwohl Fini ihren eigenen Wunsch nun für immer verschenkt hatte, fühlte sie sich so glücklich und warm wie nie zuvor. „Das“, dachte sie gerührt, „ist viel schöner als jeder Wunsch für mich selbst.“
Von da an leuchtete Fini heller als jede andere Sternschnuppe, denn ein Herz, das schenkt, strahlt am allerschönsten. Zufrieden zog sie ihre Bahn am Himmel. Und als der Morgen graute, kuschelte sich Fini glücklich in eine weiche Wolke. „Geben macht das Herz reich“, dachte sie und schlummerte selig ein. Gute Nacht, liebe Fini.
